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Von Lama bis Luxusauto Traumberuf Frachtpilot

Statt sonnenhungrige Touristen befördern Frachtpiloten Maschinenteile, Medikamente, Chemikalien, Lebendfracht und Luxusautos. Der Beruf bleibt zukunftsicher und verzeichnet entsprechend hohe Bewerberzahlen.

Kapitän Markus Hufnagel ist Frachtpilot bei Lufthansa Cargo © Christoph Strotmann/dpa/tmn

Der Arbeitstag hat für Lufthansa-Cargo-Kapitän Markus Hufnagel und seinen Co-Piloten um Mitternacht mit einem Briefing in der Zentrale am Frankfurter Flughafen begonnen. Dort bekommen die beiden Informationen über die Wetteraussichten, den technischen Zustand des Flugzeugs und über Baustellen auf dem Zielflughafen Nairobi. Dann geht es zum Flugzeug. Dort warten keine sonnenhungrigen Touristen, sondern tonnenweise Maschinenteile, Medikamente, Impfstoffe und Chemikalien.

Flug LH 8296 ist planmäßig um 1.45 Uhr gestartet, die Maschine die ganze Nacht geflogen und pünktlich um 10.30 Uhr in Nairobi gelandet. Anstrengend seien solche Nachtflüge schon, sagt der 38-jährige Flugkapitän. «Als Cargo-Pilot muss man das eben mögen und mit Zeitverschiebung, Jetlag und tagsüber im Hotel schlafen keine Probleme haben - Frachtmaschinen fliegen eben überwiegend nachts.»

Die Lufthansa Cargo transportiert beinahe alles in alle Welt. «Wir hatten auch schon ein Lama an Bord, 20 Tonnen lebende Küken oder einen Koi-Karpfen im Wert von 40.000 Euro», erzählt Hufnagel, der in Kaarst bei Düsseldorf lebt. Es kommt aber auch schon einmal vor, dass er Geld, Gold oder Luxusautos transportiert.

Weil es keine Gäste und damit kein Kabinenpersonal gibt, kochen Kapitän und Copilot ihren Kaffee und ihr Essen selber, und es gibt aus dem Cockpit keine Ansagen. Die Cargo fliegt keine Urlaubsziele an, sondern vorwiegend Wirtschafts- und Industriemetropolen wie Bangalore in Indien, Sao Paolo in Brasilien oder eben Nairobi in Kenia. Und das Asien-Drehkreuz ist seit zwei Monaten von Astana in Kasachstan ins sibirische Krasnojarsk verlegt worden.

Außerdem sind die Reisen häufig lang. So kann es passieren, dass die Besatzung bei einem Umlauf eine Woche oder zwölf Tage am Stück unterwegs ist - wie bei dem Umlauf nach Südamerika, der von Frankfurt über Dakar, São Paulo, Quito in Ecuador, Bogotá in Kolumbien und die Insel Curaçao geführt wird. Für Hufnagel ist die lange Abwesenheit von seiner Frau und den zwei Kindern manchmal belastend.

Jährlich 6.500 Bewerber auf 240 Plätze

Bei der Ausbildung spielen solche Fragen keine Rolle. Sie ist für Passagiermaschinen und Cargo grundsätzlich erst einmal gleich. Rund zwei Jahre dauert der Kurs zum Beispiel an der Lufthansa Verkehrsfliegerschule in Bremen. Die jährlich um die 6.500 Bewerber für die Pilotenausbildung müssen in einem strengen Auswahlverfahren einen der nur 240 Ausbildungsplätze an der Schule erkämpfen.

Gute Kenntnisse in Englisch, Mathematik und Physik sind Voraussetzung. «Entscheidend ist aber auch die Persönlichkeit, schließlich übernehmen unsere Schüler später eine große Verantwortung», sagt Detlef Carius, Leiter für die theoretische Ausbildung. Auf Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Merkfähigkeit und Gesundheit wird großer Wert gelegt. Bei Ausbildungsbeginn dürfen die Flugschüler nicht älter als 29 Jahre sein und müssen mindestens die fachgebundene Hochschulreife haben. «Wir suchen aber keine Supermänner, sondern Allrounder», so Carius.

Außerdem ist die Pilotenausbildung, die auch einen vierwöchigen Trainingsaufenthalt in den USA enthält, nicht gerade günstig. Knapp 60.000 Euro müssen die angehenden Piloten zu den Ausbildungskosten selbst beisteuern. Die Absolventen haben aber nach erfolgreichem Abschluss in der Regel glänzende Aussichten.

«Wer von Lufthansa direkt übernommen wird, darf das Geld unverzinst in monatlichen Raten vom Gehalt zurückzahlen», erklärt Carius. Die anderen kommen auf eine Warteliste. Frachtpiloten verdienen als Erste Offiziere ab dem ersten Jahr rund 60.000 Euro. Das Einstiegsgehalt für Flugkapitäne liegt bei etwa 112.000 Euro.

Bei der Deutschen Post Tochter DHL mit dem neuen Frachtkreuz in Leipzig sind momentan europaweit rund 300 Frachtpiloten im Einsatz. «Wir sehen trotz der momentanen Wirtschaftskrise im Frachtgeschäft mittelfristig einen Wachstumsmarkt», sagt DHL-Sprecher Uwe Bensien. Die Globalisierung werde weiter fortschreiten und die DHL weiter expandieren. «Momentan gibt es bei uns zwar keine Neueinstellungen von Frachtpiloten, aber der Beruf hat grundsätzlich Potenzial, die Job-Aussichten sind durchaus gut.»

Frachtpilot bleibt trotz Abschwung ein Zukunftsberuf

Ähnlich sieht es Stefan Schmidt, Flugbetriebsleiter bei Lufthansa Cargo in Frankfurt: «Wir haben aufgrund der altersbedingten Fluktuation nach wie vor Bedarf an Co-Piloten und Kapitänen, auch wenn wir gerade wegen des sinkenden Frachtaufkommens Maschinen stilllegen.» Der Frachtpilot sei trotz des konjunkturellen Abschwungs weiterhin ein Zukunftsberuf: «Wir bilden ab Herbst wieder aus und brauchen immer guten Nachwuchs.»

«Ich möchte keinen anderen Job auf der Welt haben», sagt Markus Hufnagel. «Schließlich steht mein Schreibtisch über den Wolken, und man kommt rum in der Welt.» Wie zur Bestätigung kommt ein Funkspruch aus Karthum: «Salem Aleikum LH 8296. Schönen guten Morgen aus dem Sudan und guten Flug.»

Von: Christoph Strotmann, dpa

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