Transeurasische Containerzüge als Option zu See-/Lufttransporten

Per Güterzug soll Fracht doppelt so schnell wie auf dem Seeweg und nur halb so teuer im Vergleich zur Luftfracht von Hamburg nach China gelangen. Bei den in Gegenrichtung in der Hansestadt ankommenden Gütern macht bei Endzielen in Nordamerika ein Weiterflug viel Sinn.

Xie Fuzhan und Karl-Friedrich Rausch geben gemeinsam grünes Licht für die neue Verbindung. © Heiner Siegmund
Der erste Güterzug Richtung Zhengzhou wird am Huckepackbahnhof Hamburg-Tiefstack beladen. © Heiner Siegmund

In Hamburg ist gestern der erste Güterzug, beladen mit 41 Standardcontainern (TEU), in die zentralchinesische Metropole Zhengzhou abgefahren. Wichtigste Ladung: Industrieroboter für den Einsatz in chinesischen Produktionsstätten. Die von DB Schenker gemanagte Verbindung, die erste in West-Ostrichtung auf dieser Strecke, soll möglichst zügig in einen Regelverkehr einmünden.

Die 17 Tage dauernde Fahrt sei „doppelt so schnell wie der Seetransport von Hamburg nach China und nur halb so teuer im Vergleich zur Luftfracht“, betonte DB-Logistikchef Karl-Friedrich Rausch. Zugleich verwies er darauf, dass der Bahntransport deutlich weniger CO2-Emissionen verursache als Schiffe oder Flugzeuge.

Zusammen mit Gouverneur Xie Fuzhan aus der 108 Millionen Einwohner zählenden chinesischen Provinz Henan gab Rausch gestern grünes Licht für die Abfahrt des Zuges. Er gehe von einer wachsenden Nachfrage für Gütertransporte auf der trans-eurasischen Traversale aus, sagte Rausch, „und zwar in beiden Richtungen“, da in China die Kaufkraft ständig wachse und damit der Bedarf an europäischen Produkten.

Die Transporte über die eurasische Landbrücke sieht Rausch als zunehmende Alternative zu den interkontinentalen Kombi-Verkehren See/Luft mit Umladung der Güter vom Schiff in ein Flugzeug in den arabischen Emiraten. „Die Schiene ist hier die günstigere Variante, speziell für Waren von und nach Zentral- oder Ostchina, also bei Standorten ohne direkte Seeanbindung“.

Hansestadt kommt zentrale Rolle zu

Hamburg spielt in den Logistik-Plänen von DB Schenker eine zentrale Rolle. Von der Hansestadt aus sollen die per Zug ankommenden China-Importe über ganz Europa mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln weitergeleitet und verteilt werden. Gleiches gilt für Zubringerdienste, also das Bündeln der von europäischen Herstellern stammenden Güter in Hamburg und deren anschließende Weiterbeförderung per Schiene nach China. Auch könnte der Standort sich zu einem Knoten für Sea-/Airverkehre entwickeln.

„Der Weiterflug der in Hamburg per Zug ankommenden Güter zu Endzielen an der Ostküste Nordamerikas macht sehr viel Sinn“, blickte Rausch nach vorn. Henans Gouverneur Fuzhan bestätigte, dass die Verantwortlichen in der Provinzhauptstadt Zhengzhou an Plänen feilten, dort eine Frachtfluggesellschaft in Zusammenarbeit mit Cargolux aufzubauen. Sobald erfolgt, sei die schnelle Verteilung der Importe innerhalb Chinas gesichert, sagte der Politiker. Insgesamt sei Zhengzhou auf dem Weg, ein auch von der Pekinger Regierung unterstützter zentraler Knotenpunkt für den Güterumschlag zu werden. „Der Ausbau logistischer Strukturen mit multimodalen Verkehrsanbindungen steht ganz oben auf unserer Tagesordnung“, versicherte Fuzhan.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de

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