Thüringer Wahlkampf fast ohne Luftverkehr

Am Sonntag wählt Thüringen. Der als international deklarierte Flughafen Erfurt-Weimar ist in der Krise, ansonsten spielen Luftverkehr und Luftfahrtindustrie im Freistaat aber keine große Rolle. Nur eine Partei strebt Veränderungen an.

Terminal des Flughafen Erfurt © Flughafen Erfurt-Weimar

Am 27. Oktober wählt Thüringen einen neuen Landtag. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) stellt sich zur Wiederwahl, momentan sehen die meisten Umfragen die Linke mit leichtem Vorsprung vor CDU und AFD. Alle anderen Parteien bewegen sich im einstelligen Prozentbereich, auch die mit den Linken regierenden Grünen und die SPD.

Der Freistaat spielt für den deutschen Luftverkehr und auch für die Luftfahrtindustrie nur eine untergeordnete Rolle. Thüringen hat mit dem Flughafen Erfurt/Weimar zwar einen international klassifizierten Airport, er ist allerdings einer der kleinsten Standorte in Deutschland und befindet sich schon länger in einer Krise - die Airline-Pleiten der jüngsten Vergangenheit haben die Situation eher noch verschärft.

Nach den Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) gab es in Erfurt von Januar bis September diesen Jahres weniger als 120.000 Passagiere, was einem Rückgang von über 40 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht. Von den insgesamt gut 7500 Flugbewegungen waren etwa 4800 gewerblicher Natur.

Grüne wollen Flughafen-Subventionen streichen

Dementsprechend spielt das Thema auch in den Wahlprogrammen der relevanten Parteien mit einer Ausnahme keine Rolle. Einzig die Grünen erwähnen den Luftverkehr in ihrem Wahlprogramm mit einem Absatz. Demnach wollen die Grünen die staatliche finanzielle Unterstützung für den Flughafen Erfurt Weimar komplett einstellen.

"Spätestens seit der Fertigstellung der ICE-Trasse sind die Flughäfen Frankfurt/Main, Leipzig-Halle, München und Berlin so nah an Thüringen herangerückt, dass es keinen Grund mehr gibt, einen eigenen Thüringer Flughafen mit Landesmitteln zu subventionieren", heißt es im Grünen-Wahlprogramm.

Dadurch könne das Land mehrere Millionen Euro jährlich sparen, die die Partei in das "Thüringen-Ticket" und den Ausbau des Nahverkehrs investieren möchten.

Flughafen im Krisenmodus

Der Flughafen Erfurt-Weimar macht seit längerem schwere Zeiten durch, die Pleiten von Air Berlin und Germania haben den Airport empfindlich getroffen. Die Germania hatte im Sommer 2018 noch zwei Flugzeuge in der thüringischen Hauptstadt stationiert. Für den kleinen Airport bedeutete der Wegfall der entsprechenden Verbindungen einen Ausfall von gut 70 Prozent der Abflüge.

Für 2018 vermeldete der Flughafen zwar steigende Umsätze, aber auch höhere Verluste. Das Umsatzplus geht vor allem auf die Übernahme des Tankdienstes durch den Flugplatzbetreiber zurück.

Bei Passagieren und Flugbewegungen gab es bereits voriges Jahr ein Minus. 2018 nutzten etwa 263.000 Reisende den Flughafen. Das entspricht einem Rückgang von 7,2 Prozent im Vergleich zu 2017. Mit rund 9400 Starts und Landungen verringerte sich auch die Zahl der Flugbewegungen, und zwar um 7,3 Prozent.

Nur im Cargo-Bereich gab es eine für den Airport eine erfreuliche Entwicklung. Mit 3723 Tonnen umgeschlagener Fracht gab es ein Plus von 8,5 Prozent im Vorjahresvergleich. Aber auch dieses Plus wird im laufenden Jahr nicht gehalten werden. In den ersten neun Monaten wurden gut 2300 Tonnen umgeschlagen, die ADV weist dabei ein Minus von über 22 Prozent im Vorjahresvergleich aus.

Von: hr

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