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Interview "Wir müssen den Konkurrenzgedanken beiseiteschieben"

Es gibt viele Ideen rund um eine engere Zusammenarbeit der Flughäfen in Nordrhein-Westfalen. Der Dortmunder SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Westphal schlägt jetzt einen westfälischen Flughafenverbund mit Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn vor. Ein Interview.

Thomas Westphal © Wirtschaftsförderung Dortmund

Die Flughäfen in Nordrhein-Westfalen könnten zukünftig enger zusammenarbeiten. Neben Gedanken zu einem großen NRW-Flughafensystem sowie einer "rheinländischen" Kooperation zwischen Düsseldorf und Köln/Bonn gibt es auch die Idee eines "westfälischen Flughafenverbunds" zwischen Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn. Ein Interview mit dem Vater des Gedankens, dem Dortmunder SPD-Bürgermeisterkandidat Thomas Westphal.

airliners.de: Herr Westphal, Sie haben einen "westfälischen Flughafenverbund" angeregt. Warum?

Thomas Westphal: Es gibt drei Flughäfen, die westfälische Funktionen haben. Das sind Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn. Die drei Flughäfen teilen sich dasselbe Einzugsgebiet. Und deswegen liegt der Gedanke nahe, aus drei regional beieinanderliegenden Flughäfen mit durchaus unterschiedlichen Stärken ein System zu machen. Das habe ich den "Westfälischen Flughafen" genannt.

Was ist dabei der Grundgedanke - mehr gemeinsame Lobby-Arbeit?

Es geht nicht einfach nur darum, politisch mit einer Stimme zu sprechen. Das wäre ja einfach. Das können wir über die Kreise und die Städte sofort machen. Es geht darum, tatsächlich das operative Geschäft der Flughäfen gemeinsam zu verbessern. Es geht um eine gemeinsame Flughafengesellschaft, die am Markt ganz anders agieren kann.
Vor allem denke ich an Verbesserungen in der Angebots- und Leistungspalette. Darum wäre ein Flughafensystem für die Wirtschaft und auch für die Urlaubsreisen hier in der Region eine deutliche Verbesserung. Am Ende wäre es auch eine Entlastung für Düsseldorf. Regionalflughäfen haben ja genau diese Funktion.

© Thomas Westphal

Über den Interview-Partner

Thomas Westphal sitzt als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund im Aufsichtsrat des Flughafens der Stadt. Zudem ist er stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Dortmund und Kandidat der SPD für das Amt des Oberbürgermeisters bei der Kommunalwahl 2020.

Teilt man diese Auffassung auch in Düsseldorf?

Man muss das aus der Sicht der Kunden schauen. Ich erfahre sehr viel Zuspruch aus den Unternehmen in der Region. Wir sind hier mitten in einer Region, die gefüllt ist mit mittelständischen Weltmarktführern. Die sagen: "Für uns ist eine funktionierende Luftverbindung zentral, aber Düsseldorf ist für uns nicht gut erreichbar. Wir haben vor der Haustür drei Flughäfen, die aber zu vereinzelt sind. Und ist es nicht möglich, daraus etwas Kompaktes für uns zu machen?" Das kann ich absolut nachvollziehen. Das ist für mich auch die Motivation gewesen, diesen Vorschlag öffentlich zu machen. Jetzt sehe ich, dass interessanterweise im Rheinland die Flughafenchefs von Düsseldorf und Köln auch über eine Kooperation nachdenken. Den "Flughafen Rheinland" hatte ja schon der Düsseldorfer Oberbürgermeister gefordert.

Welche Systemvorteile sollen denn die anderen westfälischen Flughäfen von Ihrem Vorstoß überzeugen?

Der Vorteil ist, dass es zusammen für Airlines interessanter wird als bisher bei jedem Einzelnen. Es geht auch darum, möglicherweise spezielle Produkte zu platzieren. Es gibt ja immer mal wieder Diskussionen um kleinere Luftfahrtgesellschaften, die von Wirtschaftsvertretern zusammen gegründet werden. Regionale Anbieter, die für bestimmte Destinationen eigene Fluglinien aufziehen. Da wäre es vielleicht möglich, diverseren Formen von unterschiedlichen Luftfahrtgesellschaften etwas anbieten zu können, anstatt ausschließlich mit Low-Cost-Airlines arbeiten zu müssen. Und dann von denen abhängig zu sein. Wenn man im System arbeitet, ist man vielleicht auch in der Lage, gegenüber Airlines andere Preisverhandlungen zu führen.
Wenn wir beispielsweise Leipzig und Dresden anschauen, dann ist das eine Dachgesellschaft, unter der die beiden Flughäfen eigenständig agieren. Aber man vermarktet sich gemeinsam. Man hat Austauschverhältnisse über Shuttle-Services, man kann über gemeinsame Kooperationsstrukturen in der Bodenabfertigung und in der Flugsicherung nachdenken. Das sind alles Kostenblöcke, die eine Rolle spielen. Da stecken also sehr viele Synergien drin.

Von: David Haße

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