Thomas Cook legt Condor-Verkauf auf Eis

Der hochverschuldete britische Reisekonzern Thomas Cook bekommt eine Finanzspritze und wird seine Airline-Sparte inklusive Condor vorerst nicht verkaufen. Mittelfristig ist ein Verkauf allerdings nicht unwahrscheinlich.

Maschine von Condor. © AirTeamImages.com / Markus Mainka

Der angeschlagene Touristikkonzern Thomas Cook steht vor einer tiefgreifenden Umstrukturierung, die auch die Airlines betrifft. Das Unternehmen verhandelt mit seinem größten Anteilseigner, der chinesischen Fosun-Gruppe, über eine Finanzspritze von 750 Millionen Pfund (gut 835 Millionen Euro), wie aus einer Mitteilung hervorgeht.

Thomas Cook hatte im Februar 2019 eine strategische Überprüfung seiner Fluggesellschaften mit dem möglichen Ziel eines Verkaufs gestartet. Diese wird aufgrund des veränderten Marktumfeldes nun bis zu den Ergebnissen der Rekapitalisierung pausiert. Die Marktbedingungen seien in den letzten Monaten zunehmend herausfordernd geworden, weshalb ein zufriedenstellender Verkauf nicht möglich gewesen sei.

Fosun übernimmt nur Minderheitsanteil an den Airlines

Der nun erzielte Deal sieht vor, dass Fosun einen kontrollierenden Mehrheitsanteil am Reisegeschäft und eine signifikante Minderheitsbeteiligung an den Fluggesellschaften übernimmt, wie ein Sprecher von Thomas Cook auf Anfrage von airliners.de sagte. Wenn die Vereinbarung kommt, wie geplant, habe der Konzern frisches Geld zur Verfügung und so gut wie keine Schulden mehr.

Dass Fosun nur die Veranstaltersparte, nicht aber die Fluggesellschaften übernehmen will, liegt an EU-Richtlinien. Der Konzern darf keine Mehrheit an europäischen Fluggesellschaften besitzen, da diese mehrheitlich in europäischem Besitz sein müssen.

Die Mehrheit am Airline-Geschäfts solle von den kreditgebenden Banken gehalten werden, erklärte der Sprecher weiter. Damit ist der Verkauf von Condor und den Schwester-Fluggesellschaften in Großbritannien und Skandinavien wohl nur temporär vom Tisch, denn die Banken könnten nach der Umstrukturierung, die im Herbst abgeschlossen sein soll, nach neuen Eigentümern Ausschau halten.

Von rund 9000 Beschäftigten der Thomas-Cook-Airlines arbeiten etwa 4000 bei der deutschen Gesellschaft Condor mit Hauptsitz in Frankfurt. Die Fluggesellschaften haben zusammen gut 100 Flugzeuge in Deutschland, Großbritannien und Skandinavien stationiert und arbeiten seit Jahren im Konzern vergleichsweise eigenständig und profitabel.

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Die chinesische Finanzspritze steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung verschiedener Beteiligter. Unter anderem müssen Kartellbehörden, Gläubiger von Thomas Cook sowie die Anteilseigner von Fosun zustimmen.

Probleme schon seit längerer Zeit

Thomas Cook hat seit längerer Zeit große Probleme und musste zuletzt Milliardenverluste verkünden. Die Buchungslage hat sich nun nach Unternehmensangaben zwar stabilisiert, aber von echter Erholung kann keine Rede sein. Im Mai hatte der Konzern noch mitgeteilt, dass die Buchungen für den Sommer um zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert lägen. Aktuell seien es noch neun Prozent weniger, was mit der reduzierten Risikokapazität zusammenhänge. In der aktuellen Mitteilung heißt es weiter, dass das Sommerprogramm zu 75 Prozent verkauft sei, was eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr bedeute. Die Margen seien aber nach wie vor schwach. Die Buchungen bei den Airlines seien um drei Prozent runter gegangen.

Thomas Cook macht unter anderem die anhaltende Unsicherheit um den Brexit für die Probleme verantwortlich. CEO Peter Frankhauser hatte im Mai gesagt: "Es besteht heute kein Zweifel mehr, dass der Brexit-Prozess viele britische Kunden dazu gebracht hat, ihre Urlaubspläne für diesen Sommer zu verschieben."

Der deutsche Luftverkehrs-Branchenverband BDL begrüßte die Entwicklung. "Es ist erfreulich, dass sich hier offensichtlich eine Lösung für eine verlässliche Zukunft der Condor und der Thomas Cook Airlines insgesamt abzeichnet. Das nimmt Unsicherheiten aus den Märkten, was dem Luftverkehrsmarkt gut", meinte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow in Berlin.

Von: hr mit Material von dpa

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