Terminal 3 in Frankfurt: Darum geht es bei dem Streit

Der geplante Bau eines dritten Terminals am Frankfurter Flughafen ist umstritten. Luftfahrt und Wirtschaftsverbände unterstützen die Maßnahme, Kommunen und Kritiker wehren sich gegen den geplanten Neubau.

So soll der Check-In des zukünftigen Terminal 3 auf dem Flughafen von Frankfurt einmal aussehen. © dpa / Fraport AG
Diese Animation zeigt die Abflughalle des zukünftigen Terminal 3 am Frankfurter Airport. © Fraport
Eine Computergrafik zeigt den ersten Bauabschnitt des Terminals 3 (dunkle Gebäudeteile) auf dem Flughafen in Frankfurt am Main. © Fraport AG

Die einen sind dafür, die anderen sind dagegen: Flughafenbetreiber Fraport plant in Frankfurt ein drittes Terminal. Die ersten Vorarbeiten auf der Südseite des Flughafens laufen schon, richtig los gehen soll es im kommenden Jahr. 2021 soll ein zentrales Terminalgebäude mit zwei Flugsteigen mit einer Kapazität von 14 Millionen Passagieren pro Jahr in Betrieb gehen. An den beiden Flugsteigen des ersten Bauabschnitts sind 24 Gebäudepositionen für die Flugzeugabfertigung vorgesehen. Im Vollausbau sollen es dann 50 Positionen sein.

Wer das dritte Terminal nutzen wird, ist offen

Welche Fluggesellschaft das neue Terminal nutzen würde, ist nach Fraport-Angaben noch offen. Die Lufthansa und ihre Star-Alliance-Partnerfluggesellschaften bleiben wohl im Terminal 1. Das neue Terminal könnte also ein neues Zuhause für andere Bündnisse wie OneWorld oder SkyTeam werden. Denkbar wäre auch, dass vor allem Ferienflieger oder allianzfreie Fluggesellschaften hier andocken.

Studie: Frankfurt mit immer mehr Passagieren

Mit dem neuen Terminal will der Flughafen international mithalten. In diesem Jahr rechnet Fraport in Frankfurt mit 60 Millionen Passagieren. Damit geht es in Frankfurt bereits heute in Spitzenstunden sehr eng zu. Einem Gutachten der niederländischen Firma NACO zufolge wird es schon ab 64 Millionen Passagieren zu Engpässen bei der Abfertigung kommen, bei 68 Millionen Fluggästen zu Qualitätsmängeln oder Stillstand im Betriebsablauf.

Prognosen sagen für Frankfurt ein Wachstum bis zu 70 Millionen Fluggäste im Jahr 2030 voraus. Die Statistik zeigt: in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Passagiere um knapp zehn Millionen gestiegen. 2013 waren es etwa 58 Millionen. Hält der Trend an, rücken die 70 Millionen durchaus in greifbare Nähe:

Diese Statistik zeigt Passagierzahlen im Zeitraum von 2003 bis 2013.

Kritiker zweifeln aber daran, dass die vorhergesagten Passagierzahlen erreicht werden können. So sagt etwa der "Deutsche Fluglärmdienst", Fraport liege mit ihren Prognosen zum Passagierwachstum daneben. Schon die Erwartungen für den aktuellen Flugplan seien nicht eingetroffen. "Statt prognostizierter 480.000 Flugbewegungen werden nur 470.000 im Jahr 2014 stattfinden", sagte der Verein der Frankfurter Rundschau.

Flugbewegungen und Passagierwachstum in Frankfurt haben sich in den letzten Jahren allerdings voneinander entkoppelt. So ist die Zahl der Flugbewegungen in den vergangenen zehn Jahren trotz steigender Passagierzahlen durch den Einsatz immer größerer Flugzeuge fast gleich geblieben:

Diese Statistik zeigt Flugbewegungen des Flughafens Frankfurt von 2003 bis 2013.

Ohnehin geht es den meisten Anwohnern vor allem um den Lärm: So beklagt zum Beispiel die Kommission zur Abwehr des Fluglärms, dass "wirksame Maßnahmen des aktiven Schallschutzes dem bereits realisierten Ausbau hinterherhinken". Zudem gebe es trotz entsprechender Forderung noch immer keine Lärmobergrenze für die Region.

"Der Flughafen ist schon lange an den Grenzen seiner Kapazität angekommen", argumentiert auch Walter Astheimer von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Flughafen Frankfurt/Main (KAG) und meint damit vor allem die Lärmbelastung. Mehr Kapazitäten in der Zukunft bedeuten logischerweise auch mehr Lärm.

Fraport begründet den Bau des dritten Terminals derweil auch damit, dass schon heute viele Fluggäste auf dem Vorfeld abgefertigt würden. Andere Weltflughäfen dagegen seien "bequemer". Das "Bündnis gegen Fluglärm" schreibt dazu in einer Stellungnahme: Das Erfüllen von Komfortansprüchen von Passagieren sei nicht im öffentlichen Interesse. Darum könne dieser Vorwand nicht als Rechtfertigung für den Bau des Terminals herhalten.

Nähe zum Flughafen lässt Immobilien-Preise steigen

Wer in die Nähe eines Flughafens zieht oder dort schon wohnt, kommt um den Fluglärm nicht herum. Die Schlussfolgerung, dass deswegen die Immobilien-Preise in Flughafennähe niedrig sind, stimmt jedoch nicht. So sind die Immobilien-Preise im Umkreis des Frankfurter Flughafens in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Das geht aus einer Studie des Immobilienmarkt-Beobachters BulwienGesa hervor. Die in den Ausbaugebieten oft beklagte Einbuße an Lebensqualität ist dagegen weitaus schwerer zu messen.

Entscheidung liegt allein bei Fraport

Eine Alternative zum dritten Terminal gibt es laut Fraport nicht. Die alten Terminals können nicht erweitert werden, dafür gebe es keinen Platz. Es sei auch nicht sinnvoll, die neuen Pläne abzuspecken. Die Ausbaugegner wollen das auch gar nicht. Sie fordern einen kompletten Verzicht.

Mit 250 direkt erreichbaren Zielen in 105 Ländern gehört Frankfurt derzeit noch zu den Airports mit den meisten Verbindungen weltweit. Die Frage ist, ob der Flughafen ohne das neue Terminal als Deutschlands Verbindung in die Weltwirtschaft überlebt. Fraport beklagt: schon jetzt bräuchte es mehr Kapazitäten, um dem Bedarf gerecht zu werden. Madrid, London oder Paris seien viel besser ausgestattet. Skeptiker merken allerdings auch an, dass die Großinvestition in Terminal 2 Fraport damals in wirtschaftliche Turbulenzen gestürzt hat.

© Fraport AG, Lesen Sie auch: Frankfurt erteilt Baugenehmigung für drittes Flughafen-Terminal

Und auch diesesmal gehen die Arbeiten weit über ein einfaches Terminal hinaus: Für die Anbindung an die beiden bestehenden Terminals sollen die Gepäckförderanlage und das Passagier-Transfersystem "Sky Line" erweitert werden. Außerdem erhalte das Terminal einen zusätzlichen Autobahnanschluss und eigene Parkplätze. Die Kosten: etwa 2,5 Milliarden Euro. Der Bau ist Teil des Planfeststellungsbeschlusses und richterlich abgesegnet. Auch eine Baugenehmigung der Stadt Frankfurt liegt vor.

Die Entscheidung über das dritte Terminal liegt damit schlussendlich allein bei Fraport - auch wenn das Land Hessen und die Stadt Frankfurt als Anteilseigner im Aufsichtsrat sitzen. Die schwarz-grüne Koalition hat sich geeinigt, den Bedarf für das dritte Terminal ergebnisoffen zu prüfen. Doch sie kann nicht viel mehr tun, als darauf zu drängen, dass Fraport sich ihren Kurs möglichst reiflich überlegt.

Von: airliners.de mit dpa

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