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Mit ohrenbetäubendem Knirschen senkt sich die hydraulische Baggerschere in den Aluminiumrumpf, reißt Stücke heraus, kappt Leitungen, Fetzen des Kabinenteppichs bleiben an ihr hängen. © Andreas Spaeth
Das schwere Gerät einer Hamburger Firma für Industrie-Demontagen seine liebe Mühe mit dem ersten großen Akt der anstehenden Zerkleinerung der Boeing 707 auf dem ehemaligen Berliner Flughafen Tegel © Andreas Spaeth
Recht unsanft wurden auch nacheinander alle vier Triebwerke samt Aufhängungen von den Tragflächen abgetrennt. © Andreas Spaeth
Einst ein Geschenk der Lufthansa an den Flughafen der geteilten Stadt, verrottete eine Boeing 707 seit etlichen Jahren auf einem speziellen Abstellplatz am Berliner Ex-Flughafen Tegel © Andreas Spaeth

Einst ein Geschenk der Lufthansa an den Flughafen der geteilten Stadt, verrottete eine Boeing 707 seit etlichen Jahren auf einem speziellen Abstellplatz am Berliner Ex-Flughafen Tegel. Jetzt hat eine Hamburger Firma für Industrie-Demontagen mit der Zerlegung der Maschine begonnen.

Das schwere Gerät hatte seine liebe Mühe mit dem ersten großen Akt der anstehenden Zerkleinerung. Erst nach viertelstündigen Bemühungen kracht das Heckteil am Montagmorgen schließlich auf den Boden. Bis Anfang kommender Woche soll das gesamte 707-Wrack dann verschwunden sein, bevor in Tegel die Bauarbeiten für den geplanten Campus beginnen.

Das 1961 an die israelische El Al als 4X-ATB ausgelieferte Flugzeug hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Darunter eine missglückte Entführung durch ein PLO-Kommando 1970 – sonst hätte die Existenz der Maschine, wie jene von drei anderen am gleichen Tag entführten Passagierjets, vermutlich in einer Sprengung auf einem jordanischen Wüstenflugplatz geendet.

So aber machte sie Boeing der Lufthansa 1986 zum Geschenk zu ihrem 60. Geburtstag, incognito und mit US-Kennzeichen wurde sie damals nach Westberlin geflogen. Hier erhielt sie die volle historische Bemalung und das nicht-authentische Kennzeichen D-ABOC.

Jahrelang stand sie als Schmuckstück an der Flughafenzufahrt, seit Jahrzehnten verrottete sie zuletzt außer Sichtweite neben einem Waldstück. Eigentümer war – wider Willen – das Deutsche Technikmuseum, das jetzt die Lufthansa erst an ihre vertraglichen Pflichten erinnern musste, für die Beseitigung mit aufzukommen.

Einige Teile werden versteigert

Recht unsanft wurden in diesen Tagen nacheinander alle vier Triebwerke samt Aufhängungen von den Tragflächen abgetrennt, ein Triebwerk und andere bedeutsame Teile sicherte sich das Berliner Technikmuseum für künftige Ausstellungen.

Alle anderen werden ebenso versteigert wie herausgesägte Fenstersegmente und Hautfelder mit Beschriftungen, Rumpfsegmente, Türen, einige Sitze und Accessoires sowie Fensterverkleidungen aus der Kabine samt Fensterblenden. Deren Griffe tragen die Aufschrift "Boeing 707", was sie für Fans interessant machen dürfte. Das Hamburger Auktionshaus Dechow, das bereits die Nachlässe von Air Berlin und Germania unters Volk brachte, plant im Herbst insgesamt drei Luftfahrtauktionen.

Auch Hamburger 707 wird zerlegt

Die nächste Zerlegung steht bei Dechow bereits für Mitte Juni an, die Firma ist Vertragspartnerin des Hamburger Flughafens bei der geplanten Verschrottung der D-ABOD der Lufthansa, die seit 1999 als Museumsflugzeug in Fuhlsbüttel stand. Anders als die stark verrottete 707 in Tegel ist ihr Hamburger Pendant nicht nur besser erhalten, sondern als letzte 707-430 auch von größerem luftfahrtgeschichtlichen Wert.

In der Hansestadt formiert sich eine zunehmend Stimme gewinnende Interessengruppe für die Erhaltung des Flugzeugs. Dort heißt es, der jährliche Unterhalt koste lediglich eine vierstellige Summe, die sich durch Crowdfunding oder Spenden aufbringen ließe. Doch der Flughafen scheint den Unterstützern nicht willens, konstruktive Vorschläge ernsthaft zu prüfen.

Kostenvermeidung um jeden Preis sei das einzige was zähle, so der Vorwurf. Der Flughafen selbst gibt sich auch gegenüber Presseanfragen zum Thema zugeknöpft. Sogar der frühere Vorstandschef der Lufthansa, Jürgen Weber, hatte sich intern vergeblich für den Erhalt des historischen Flugzeugs stark gemacht. So könnte es tatsächlich ab 11. Juni schon zur zweiten Zerlegung einer Boeing 707 in Deutschland innerhalb von nur einem Monat kommen.