Tarifeinigung: Keine 20 Euro Stundenlohn

In den Tarifverhandlungen für das Sicherheitspersonal an deutschen Airports ist in der Nacht zu Donnerstag eine Einigung erzielt worden. Die Arbeitgeber sprechen von einer Erhöhung um bis zu 9,8 Prozent. Die Einzelheiten.

Handgepäckkontrolle am Flughafen Tegel. © Securitas

Bei den Tarifverhandlungen für das Sicherheitspersonal auf deutschen Flughäfen ist eine Einigung erzielt worden. Vertreter der Gewerkschaft Verdi und des Arbeitgeberverbandes BDLS verständigten sich in der fünften Verhandlungsrunde auf einen einheitlichen Tarifvertrag für die rund 23.000 Beschäftigten der Branche, wie der BDLS (Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen).

Nach Angaben von BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser sind in den nächsten drei Jahren Erhöhungen "von jährlich 3,5 bis 9,77 Prozent" vorgesehen. Verdi und die Gewerkschaft DBB Beamtenbund und Tarifunion hatten einen Stundenlohn von 20 Euro gefordert - unabhängig von Region und Tätigkeit.

Lohnentwicklung der Luftsicherheitsassistenten (Passagierkontrollen)
Januar 2011 Januar 2018
Baden-
Württemberg
11.67 17.16
Berlin 11.70 17.12
Hamburg 11.01 17.00
Hessen 10.95 17.13
Nordrhein-
Westfalen
11.81 17.05
Sachsen 10.00 14.70

Angaben in Euro. Quelle: BDLS, BDSW

Diese Höhe ist nach airliners.de-Informationen nicht erreicht. Es gibt drei Berufsgruppen von Luftsicherheitsassistenten, die bundesweit vereinheitlicht werden sollen. Zum einen die Passagierkontrollen nach Paragraf 5 des Gesetzes. Hier ist innerhalb von drei Jahren eine Angleichung auf 19.01 Euro vereinbart, so eine BDLS-Sprecherin zu unserer Redaktion.

Auch die "8er-" (Personal- und Waren) und "9er-Kontrollen" (Luftfracht) sind bundesweit vereinheitlicht. Hier gibt es noch keine endgültigen Sätze. Auch die Länge der Angleichungszeit ist laut BDLS noch nicht endgültig. Die Vertragsparteien haben den Angaben zufolge eine Erklärungsfrist bis zum 18. Februar vereinbart.

Tausende Passagiere von Warnstreiks betroffen

Um ihre Forderungen durchzusetzen, riefen die Gewerkschaften die Arbeitnehmer mehrfach zu Warnstreiks auf. In den vergangenen zwei Wochen legte das Sicherheitspersonal an ingesamt zwölf Flughäfen zum Teil ganztägig die Arbeit nieder. Hunderte Flüge fielen aus. Laut des Flughafenverbands ADV waren allein in der vergangenen Woche rund 220.000 Passagiere betroffen.

Der BDLS kündigte daraufhin ein verbessertes Angebot an, das er nun am Mittwoch vorlegte. Er hatte bis dahin eine prozentuale Lohnerhöhung zwischen zwei und 6,4 Prozent pro Jahr angeboten.

Löhne in allen Tätigkeitsfeldern steigen

Am Donnerstag erklärte der Verband, die Arbeitgeber hätten die Gewerkschaftsvertreter von ihrer Struktur zur Angleichung der Löhne in den einzelnen Tätigkeitsbereichen überzeugen können. "Mit dieser Struktur schaffen wir es, die Entgeltgruppen in den Bundesländern in den nächsten Jahren anzugleichen - für die Luftsicherheitsassistenten erfolgt diese Angleichung bereits innerhalb der Laufzeit des heutigen Tarifabschlusses", erklärte Friebertshäuser.

© Flughafen Düsseldorf, Lesen Sie auch: "Verdi muss uns entgegenkommen" Interview mit BDLS-Chefin Cornelia Okpara

Von: br, cs

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