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Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. © airliners.de

Ein treuer Spaethfolgen-Leser schrieb mir letzte Woche eine ungewöhnliche E-Mail: „Bitte ein Lebenszeichen...“ Erst danach gab er zu, er habe sich Sorgen gemacht, dass ich in dem abgestürzten Sukhoi Superjet nahe Jakarta gesessen haben könnte. Am selben Abend kam die SMS einer Freundin. „Wir machen uns Sorgen. Bitte schreib uns ein Lebenszeichen.“ Ich war schon erstaunt, wie nahe dieser bizarre Unfall in Indonesien plötzlich an mich herankam. Es hatte in den Nachrichten geheißen, es seien neben Airline-Vertretern auch Journalisten an Bord gewesen. Das hatte wohl bei den Leuten sofort den Gedanken an mich ausgelöst.

Nach allem, was bisher bekannt ist, hat der sehr erfahrene russische Werkspilot vermutlich seine Gäste an Bord, die meisten Angehörige potenzieller Kunden-Airlines, mit waghalsigen Flugmanövern beeindrucken wollen. Ungeklärt ist, wie er so nahe an den über 2.200 Meter hohen Vulkan herankam, dass er plötzlich an einer dessen Flanken zerschellte. So ein Verhalten von Piloten auf Testtouren ist mir durchaus nicht fremd – wenn auch sicher nicht vergleichbar leichtsinnig und haarsträubend. Denn die Gemengelage von Jakarta war schon unheilvoll – schwieriges Gebirgsgelände, aufziehendes Schlechtwetter, ein mit der Gegend nicht vertrauter Pilot, der ansonsten aber offenbar vor Selbstbewusstsein strotzte, möglicherweise auch noch Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Cockpit und Tower. Eine Anleitung zum Desaster.

Ich erinnere mich an den Mai 1988, damals war ich Praktikant bei einer Hamburger Lokalzeitung. Auf einen Pressetermin am Flughafen war ich besonders scharf – und durfte den Redakteur begleiten. Air France landete zum ersten Mal mit der nagelneuen A320 in Hamburg. Im Cockpit empfing uns ein smarter Trainingskapitän, er posierte stolz mit dem damals revolutionären Joystick an Stelle der Steuersäule. Nur wenige Wochen später gingen der Kapitän und eine von ihm geflogene A320 durch die Weltpresse – er hatte die neue Maschine auf einem Schauflug in Mülhausen-Habsheim direkt in den Wald geflogen, und das auch noch fast voll besetzt. Drei Menschen kamen ums Leben, der Pilot kämpfte Jahre um seine Reputation, denn es gab viele Ungereimtheiten bei der Untersuchung. Tatsache war aber: Ein showfreudiger Kapitän hatte schlicht alle üblichen Vorsichtsregeln über Bord geworfen, um Passagieren und Zuschauern etwas Thrill zu bieten.

Im März 1996 war ich selbst mit einem Testpiloten-Team auf einer Reise unterwegs, die ich noch heute als spektakulär in Erinnerung habe. Die damals noch nicht zugelassene A319 weilte zu „Hot and High“-Tests in Südamerika. Eine kleine Journalistengruppe traf Flugzeug und Besatzung in Santiago de Chile, wo gerade die Fidae-Air-Show lief. Von da aus flogen wir in Richtung La Paz in Bolivien, wo die eigentlichen Höhentests auf dem über 4.000 Meter hoch gelegenen Flughafen stattfinden sollten.

Beim Start auf dem Los Cerrillos Airport in Santiago ging es offenbar mit dem Piloten ein wenig durch und er wollte den Leuten am Boden zum Abschied in Erinnerung bleiben. Jedenfalls legte er unmittelbar nach dem Abheben die A319 derart steil auf die Seite, dass die Slums von Santiago auf mich zurasten und wir fast auf der Flächenspitze standen. So nahe am Boden alles andere als ein komfortables Fluggefühl für nichts Böses ahnende Insassen. Zur „Entschädigung“ kreiste er später mit uns bei atemberaubender Aussicht um den Gipfel des fast 7.000 Meter hohen Vulkans Aconcagua, des höchsten Berges Südamerikas.

Eindrücke, die ich nie vergesse. Und der Pilot, würde ich sagen, war kein Draufgänger, sondern wirkte im Gespräch sehr besonnen. Selbst mit solchen Leuten aber scheint das Flugschau-Gen manchmal durchzugehen. Ganz zu schweigen von der Kühnheit manch russischer Piloten, die ich etwa bei Hubschrauberflügen in der Arktis erleben durfte.

An Bord des Superjets war ich auch schon – in Le Bourget, am Boden. Mit dem damaligen Malév-Chef Martin Gauss, dessen Firma den Flieger gekauft hatte. Damals machte alles einen guten Eindruck. Aber Malév ist jetzt schon Geschichte, der Superjet könnte es auch bald sein. Wie twitterte doch letzte Woche eine Aeroflot-Flugbegleiterin, die darauf sofort entlassen wurde? „Dieses Flugzeug ist beschissen, schade dass es nicht von Aeroflot war, dann wär’s eins weniger.“

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