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Sundair begibt sich in Schutzschirmverfahren

Die Corona-Krise bringt die viertgrößte deutsche Fluggesellschaft in Turbulenzen. Sundair begibt sich in ein Schutzschirmverfahren, ist aber nach Rücksprache mit Gläubigern zuversichtlich. Auch die Eigentumsverhältnisse bei der Ferienfluggesellschaft haben sich geändert.

Eine A320 von Sundair. © Sundair

Die deutsche Ferienfluggesellschaft Sundair hat sich in ein Schutzschirmverfahren begeben. Geschäftsführer Marcos Rossello habe beim Amtsgericht Stralsund einen entsprechenden Antrag gestellt, dem das Gericht bereits gefolgt sei, bestätigte die Fluggesellschaft gegenüber airliners.de.

In den kommenden Wochen soll nun ein Sanierungsplan in Abstimmung mit den Gläubigern finalisiert werden. Als gerichtlich bestellter Sachwalter fungiert einmal mehr Lucas Flöther, der die Position bereits im Schutzschirmverfahren der Condor bekleidete.

Zudem wurde bekannt, dass Rossello im Oktober die Anteile des Reiseveranstalters Schauinsland-Reisen an der Airline übernommen hat. Dieser war bisher mit 50 Prozent beteiligt. Rossello ist damit alleiniger Inhaber.

Zur Begründung für den Eintritt in das Schutzschirmverfahren, dass der Airline eine Sanierung in Eigenverantwortung bei weiter laufendem Flugbetrieb erlaubt, verweist Sundair auf die Folgen der Corona-Krise. Rossello zeigt sich dennoch zuversichtlich. "Unsere gute Entwicklung vor der Pandemie zeigt, dass Sundair ein tragfähiges Geschäftsmodell hat", so der Geschäftsführer. Seit Aufnahme des Flugbetriebs 2017 sein man konstant gewachsen und bereits im zweiten Jahr profitabel gewesen. Man plane, die Sanierung innerhalb eines halben Jahres abzuschließen.

Die rund 240 Mitarbeiter an den verschiedenen Standorten des Unternehmens seien über das geplante Vorgehen sowie die weiteren Schritte unterrichtet. Die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer sind während des Schutzschirmverfahrens über die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Zusätzlich habe man bereits Gespräche mit wichtigen Gläubigern und Partnern geführt, die sich sehr aufgeschlossen gezeigt hätten, so Rossello im Gespräch mit airliners.de.

Kein staatlicher Kredit

"Wir werden das ganze aus eigener finanzieller Verantwortung stemmen", so Rossello zu airliners.de. Einen staatlichen Überbrückungskredit, wie ihn vor einem Jahr Condor mit Eintritt in das Schutzschirmverfahren erhalten hat, gebe es nicht. Durch das Verfahren eröffne sich nun die Möglichkeit, Verträge mit Partnern und Dienstleistern neu zu verhandeln.

Der Geschäftsbetrieb soll normal weiterlaufen. Sundair fliegt mit zwei A319 und fünf A320 Urlaubsdestinationen ab sechs deutschen Flughäfen an. Basen befinden sich in Kassel, Berlin, Dresden und Bremen. Die Fluggesellschaft will auch weiterhin an ihren Wachstumsplänen festhalten.

Auch der Hauptvertriebskanal über Schauinsland laufe trotz deren Ausstieg als Gesellschafter normal weiter, so Rossello zu airliners.de. "Die Trennung war eine strategische Entscheidung vor dem Eintritt in das Schutzschirmverfahren." In den kommenden Wochen müssten zügig klare Entscheidungen getroffen werden. "Es ist leichter wenn das in einer Hand liegt."

Unterstützung bei den kommenden Verhandlungen zur Sanierung soll von dem Restrukturierungsexperten Thomas Mulansky von der Kanzlei Mulansky + Kollegen kommen. "Der Sanierungsplan bildet die Grundlage dafür, dass Sundair aus dem Schutzschirmverfahren als ein gesundes und langfristig profitables Unternehmen hervorgehen wird", so Mulansky.

Schutzschirmverfahren ist eine Besonderheit im deutschen Insolvenzrecht

Beim Schutzschirmverfahren handelt es sich um eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts ähnlich dem US-amerikanischen Chapter 11, das schon vielen Fluggesellschaften in den USA über Liquiditätsengpässe hinweggeholfen hat. Das Verfahren ist Teil des seit 2012 geltenden Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) in der deutschen Insolvenzordnung.

Vereinfacht gesagt bietet es Unternehmen die Möglichkeit, im Zuge einer drohenden Insolvenz beziehungsweise von Liquiditätsengpässen eine mehrmonatige Frist zur Vorlage eines Sanierungs- /Restrukturierungsplanes in Anspruch zu nehmen. Es befindet sich in dieser Zeit in Eigenverwaltung.

"Das Sanierungsrecht erlaubt dies in Fällen, in denen Unternehmen wirtschaftliche Probleme frühzeitig erkennen und ausreichend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht. Beides ist bei Sundair der Fall," so die Airline.

Von: dk

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