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Professor Georg Fundel, Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart GmbH. © airliners.de / David Haße

Professor Georg Fundel ist Schwabe und er ist Optimist. Als einer der dienstältesten Flughafenchefs der Republik hat Fundel seit 1996 zunächst eine grandiose Wachstumsphase mitgestaltet, bevor die Passagierzahlen durch die Konsolidierung in der Airlinebranche auch in Stuttgart zurückgingen. Jetzt sieht der Flughafenchef aber wieder deutlich mehr als einen Silberstreif am Horizont.

„Es geht uns gut in Stuttgart“, so Fundel: „Baden-Württemberg ist stark, in unserer Region brummt die Wirtschaft, es gibt so gut wie keine Arbeitslosen.“ Die günstigen lokalen Rahmenbedingungen würden sich auch auf den Flughafen auswirken. Mittelfristig erwartet der Flughafenchef mit der charakteristischen Fliege am Kragen zweieinhalb Prozent Wachstum.

Schon in diesem Jahr würden die Vorzeichen trotz des Verlusts der Newark-Verbindung auf Wachstum stehen, so der Flughafenchef: „In zehn Jahren werden wir in Stuttgart zwölf bis 13 Millionen Passagiere abfertigen.“ Dafür brauche der Flughafen aber keine neue Start- und Landebahn. Der Trend gehe in Richtung größerer Flugzeuge. Schon heute fertige man mit weniger Flugbewegungen deutlich mehr Passagiere ab als noch vor ein paar Jahren. Es gäbe auch mit einer Bahn noch deutlich Luft nach oben.

Fernbahn- und Fernbusbahnhof, Pipeline und Kongresszentrum in Planung

Dennoch oder gerade deswegen wird rund um den von Stadt und Land betriebenen Flughafen wieder kräftig investiert. So soll der Standort, der als einer der wenigen deutschen Flughäfen Gewinne erwirtschaftet, im Rahmen von „Stuttgart 21“ an die Fernbahn angeschlossen werden. Zudem baut die Stadt einen Fernbusbahnhof am Flughafen und schon bald werden die Bagger für den Bau eines neuen Kongresszentrums rollen.

Der neue Kongresszentrum-Komplex mit einem weiteren Hotel wird dann auch das derzeitige Verwaltungsgebäude der Flughafengesellschaft verdrängen - es steht genau auf dem landseitigen Flughafen-Filetgrundstück zwischen dem Areal der neuen Stuttgarter Messe und den Flughafenterminals.

Bis 2017 will der Flughafen zudem an eine Kerosin-Pipeline angeschlossen sein. Gleichzeitig gibt es eine Masterplanung für ein neues Terminal im Westen der bestehenden Terminalgebäude. „Noch benötigen wir die neuen Kapazitäten nicht“, so Fundel. Stuttgart habe Slots zu allen Tageszeiten frei und könne auf neue Marktbedingungen reagieren.

Die größten Airlines in Stuttgart

dpaFür das Jahr 2014 rechnet der Flughafen Stuttgart mit etwas unter zehn Millionen Fluggästen. Damit liegt er auf Rang sechs in Deutschland. Derzeit ist Germanwings nach Passagieren die wichtigste Fluggesellschaft am Platz, gefolgt von Air Berlin und TUIfly. Auf Platz vier kommt Lufthansa, dann Condor, SunExpress sowie Turkish Airlines.
Mehr zum Flughafen Stuttgart auf der Themenseite.

Eingekesselt von drei Lufthansa-Drehkreuzen

„Rund 60 Prozent der Baden-Württemberger fliegen ab Stuttgart“, sagt Lokalpatriot Fundel, dessen Vater Tiberius Fundel unter anderem Mitglied der verfassunggebenden Landesversammlung des Baden-Württembergischen Landtages war. Das könnte seiner Ansicht nach mehr werden. Aber die Lage von Stuttgart hat es in sich: „Wir liegen genau zwischen den großen Drehkreuzen Frankfurt, München und Zürich, unser Umfeld also von extremer Konkurrenz geprägt.“

Fundel weiß genau, dass der Flughafen mit seiner ganz speziellen Klientel trotz der Konkurrenz der Riesen-Hubs der Lufthansa-Group eine Chance hat: Immerhin fliegen ab Stuttgart die Mitarbeiter einiger der wichtigsten Global Player der Republik durch die Welt – sowohl dienstlich als auch privat.

Die besonderen Voraussetzungen in Stuttgart haben auch schon andere Fluggesellschaften erkannt. Emirates aus Dubai etwa will schon seit Jahren Stuttgart direkt bedienen, bekommt aber keine weiteren Landerechte in Deutschland. Auch Qatar Airways hat es bereits mit Stuttgart probiert, aber mangels Landerechtfrequenzen nur dreimal pro Woche. „Das war zu wenig für unsere anspruchsvollen Geschäftsreisekunden“, sagt Fundel.

Man wundert sich, wie viel Wettbewerbsfeindlichkeit sich Deutschland leisten will.

Flughafenchef Professor Georg Fundel

Dass Air Berlin nun ab Dezember im Codeshare mit Etihad eine tägliche Verbindung nach Abu Dhabi aufnimmt, freut den Flughafenchef umso mehr. „Die Umsteigeverbindungen über das Etihad-Drehkreuz bringen unserer exportorientierten Wirtschaft gute Anschlussmöglichkeiten“, so der Honorarprofessor für Luftfahrtmanagement an der Universität Stuttgart. Die restriktive Haltung der Bundesregierung gegenüber den Golf-Carriern kann der Flughafenchef aus dem Ländle dagegen nicht verstehen: „Man wundert sich, wie viel Wettbewerbsfeindlichkeit sich Deutschland leisten will.“

Die Wünsche der wohlhabenden Stuttgarter Klientel zu bedienen weiß natürlich auch Lufthansa. Die kurzen Hub-Hüpfer ab Stuttgart – nach Frankfurt und München sind es gerade einmal etwas über 20 Minuten – dienen in allererster Linie als Statuskunden-Feeder für die Hub-Langstrecken. Auch Zürich wird direkt angebunden, selbst wenn alle drei Mega-Hubs in einem Autobahnradius von rund zwei Stunden Entfernung liegen.

Profiteur der restriktiven Landerechte der Golf-Carrier in Bezug auf Stuttgart scheint bislang allerdings eine andere Airline zu sein. „Turkish Airlines ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen“, so Fundel. Die Kapazitäten der türkischen Fluggesellschaft hätten sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. „Die Airline ist beliebt und der Grund ist ganz einfach: Es stimmt die Frequenz, der Preis und die Leistung.“ Turkish fliegt derzeit bis zu viermal täglich nach Istanbul und setzt dabei sogar immer öfter einen Airbus A330 ein.

© Flughafen Stuttgart, Lesen Sie auch: Stuttgarter Flughafen wird nach Manfred Rommel benannt

Mit einem gesunden Mix aus Leisure-Verkehren und einem Businesstravel-Aufkommen, das sich sogar in rund 20 Prozent Businessjet-Traffic am Platz ausdrückt, sieht sich Stuttgart für alle Eventualitäten gut gerüstet. Nach fast zwanzig Jahren im Chefsessel des Flughafens bringt Fundel es dann auch ganz schwäbisch auf den Punkt: „Wir bauen auf die Zukunft, Wandel ist normal, er macht unsere Arbeit spannend.“

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