Stuttgart soll Airlines mit Vergünstigungen angelockt haben

Der Flughafen Stuttgart könnte möglicherweise Airlines mit fragwürdigen finanziellen Modellen an den Flughafen gelockt haben. Eine Anwaltskanzlei prüfe die Vorwürfe nun, teilt der Airport mit.

Das Terminal des Stuttgarter Flughafens. © Flughafen Stuttgart GmbH

Der Stuttgarter Flughafen prüft Vorwürfe, wonach der Airport möglicherweise mit rechtlich unzulässigen Mitteln Airlines den Angebotsausbau oder auch den generellen Einstieg am Airport erleichtert haben könnte. Der Sprecher der Geschäftsführung, Walter Schoefer, teilte mit, dass die Flughafen Stuttgart GmbH eine Anwaltskanzlei mit der Aufklärung beauftragt hat. Mit ersten Ergebnissen werde Ende Februar gerechnet.

Ende der vergangenen Woche berichtete die "Stuttgarter Zeitung", dass Airport-Geschäftsführerin Arina Freitag Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung aufgefallen seien. Diese habe sie anschließend den Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, dem Baden-Württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), mitgeteilt.

Airlines in Stuttgart
Angaben in Prozent
Eurowings 44.4
Easyjet 8.0
Lufthansa 6.7
Turkish Airlines 4.3
Austrian 3.1
Tuifly 2.6
Pegasus Airlines 2.4
Sun Express 2.1
KLM 2.1
Swiss 2.1
Ryanair 2.0
Übrige Airlines 20.2

Nach angebotenen Sitzplatzkapazitäten aktuell. "Übrige Airlines" mit jeweils weniger als zwei Prozent Anteil.Quelle: ch-Aviation

Es stehe die Frage im Raum, ob der Flughafen verschiedene Airlines mit unzulässigen Koppelgeschäften finanziell unterstützt habe, heißt es. Fluggesellschaften zahlen für die Leistungen des Airports Landentgelte, können aber auch ihrerseits finanzielle Zuschüsse vom Flughafen für Marketing und Werbung bekommen - wenn der Flughafen dafür eine Gegenleistung bekommt. Dass Letzteres so geschehen ist, wird aktuell bezweifelt.

Neue Entgeltordnung eingereicht

Unabhängig von dem Ergebnis hat der Flughafen der eigenen Darstellung zufolge bereits eine neue Entgeltordnung erarbeitet. Sie sei dem Verkehrsministerium des Landes als zuständige Behörde zur Genehmigung vorgelegt worden: "Die neue Entgeltordnung ermöglicht es dem Unternehmen, transparent und nachvollziehbar das qualitative Wachstum des Flughafens Stuttgart weiterzuführen und durch finanzielle Anreize den Einsatz modernen, lärmarmen Fluggeräts zu belohnen", betonte Schoefer.

Der ehemalige Flughafenchef und Freitag-Vorgänger Georg Fundel erklärte laut der "Stuttgarter Zeitung", dass alle Geschäfte stets intern und auch vor dem Aufsichtsrat offengelegt worden. Auch wäre bei Prüfungen durch Wirtschaftsprüfer, die Steuerbehörden oder Steuerberater nie etwas zu beanstanden gewesen.

Von: br

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