Streit der Eigentümer über Länge von BER-Nachtflugverbot

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke glaubt an den geplanten BER-Eröffnungstermin im Herbst 2020. Aber wieviel und zu welchen Uhrzeiten ab dann geflogen werden darf, ist für das Bundesland längst nicht geklärt.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (li.) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (beide SPD). © dpa / Jörg Carstensen

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke ist davon überzeugt, dass der neue Hauptstadtflughafen wie geplant im Oktober 2020 öffnet. "Nach jetzigem Kenntnisstand: Ein klares Ja", sagte Woidke der "Berliner Morgenpost". "Wir haben das vermeintlich unlösbare Problem, die Entrauchungsanlage, gelöst."

Zuletzt hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einem Brief an Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup Zweifel am geplanten Eröffnungstermin geäußert. Scheuer verwies in dem Anfang Juni bekannt gewordenen Schreiben auf schrumpfende Puffer im Zeitplan. "Diese Entwicklung gibt mir Anlass zur Sorge."

Brandenburg hat andere Interessen als Berlin beim Thema Fluglärm

Woidke erneuerte zudem die Forderung Brandenburgs, das Nachtflugverbot am BER um eine Stunde auszuweiten. Man sei in intensiven Gesprächen mit der Geschäftsführung, dabei gehe es vor allem um die Stunde zwischen fünf und sechs Uhr.

Es sind vor allem Einwohner Brandenburgs, die vom Fluglärm am BER betroffen sein werden, das Land dringt daher seit Jahren auf weniger Flüge am Tagesrand. Auch gibt es ein erfolgreiches Volksbegehren, das die Landesregierung dazu auffordert. Das Land ist ebenso Eigentümer der Flughafengesellschaft wie das Land Berlin und der Bund.

Laut interner Berechnungen der FBB würde jedoch eine Verlängerung der nächtlichen Flugpause bis sechs Uhr morgens dazu führen, dass zwischen 2020 und 2035 mindestens 57 Millionen Passagiere weniger den neuen Airport nutzen. Im schlimmsten Fall geht der Flughafenbetreiber sogar von 128 Millionen fehlenden Passagieren aus, was einen Einnahmerückgang von 1,4 Milliarden Euro bedeuten würde.

Zudem könnte der Kapazitätsrückgang laut Branchenkennern dazu führen, dass das Angebot am BER die Nachfrage in der Region nach Flugreisen nicht voll bedienen kann. Dafür sei der Flughafen schlicht zu klein dimensioniert.

Berlin und der Flughafen wollen eher kürzere Flugpause

Und so sind Teile der Berliner Landesregierung, aber auch Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup klar gegen eine zeitliche Ausweitung des Flugverbots. Er plädiert eher für eine verstärkte Nutzung der Randzeiten. Zusätzliche Flugverbote würden den Erfolg des Flughafens gefährden.

© FBB, Lesen Sie auch: Hohe Hürden für individuelle Lärm-Entgelte am BER

Wie sich die drei Eigentümer des BER im Endeffekt entscheiden, ist keineswegs sicher. Brandenburg ist für längere Pausen, der Bund hat sich noch nicht positioniert und die Berliner Landesregierung ist gespalten. Die SPD ist dagegen, die beiden Koalitionspartner Grüne und Linke verweisen jedoch auf den Koalitionsvertrag. Darin heißt es: "Ziel ist es, regelmäßig zu Lärmpausen von sieben Stunden in der Nacht zu kommen."

Von: dk mit dpa

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