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Piloten müssen Kernforderungen fallenlassen Streik-Vergleich stärkt Lufthansa

Der Pilotenstreik bei der Lufthansa ist beendet. Pilotenvereinigung Cockpit (VC) und Lufthansa haben sich am Montagabend vor dem Arbeitsgericht Frankfurt darauf verständigt, "bedingungslos" an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der Griff der Piloten nach Einfluss bei den ausländischen Konzern-Töchtern scheint damit vom Tisch.

Thomas von Sturm spricht im Februar 2010 mit Medienvertretern - damals war er noch bei der Vereinigung Cockpit. © dpa

Nach nur einem Tag wird der Pilotenstreik bei der Lufthansa ausgesetzt. Die größte deutsche Fluggesellschaft und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verständigten sich am Montagabend vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main überraschend auf die Aussetzung des Arbeitskampfes.

Eigentlich sollte das Gericht nur über die Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfes entscheiden. Gleichzeitig einigten sich beide Parteien auf eine unverzügliche Fortsetzung der Tarifverhandlungen. Nach dem Vergleich mit der Lufthansa müssen die Piloten nun unter Zugeständnissen an den Verhandlungstisch zurückkehren.

«Das ist unser Versuch, wieder ins Gespräch zu kommen», sagte der Vorsitzende der VC-Tarifkommission, Thomas von Sturm, zu der Aussetzung des Streiks. Die Lufthansa hatte sich zuletzt geweigert, mit den Piloten über mehr als tarifliche Frage wie Gehaltsanpassungen oder Arbeitsplatzgarantien zu verhandeln

Bis zum 8. März darf nun nicht gestreikt werden. Ursprünglich sollten die Arbeitsniederlegungen bis Donnerstagnacht dauern.

Piloten müssen Kernforderungen fallenlassen

Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte die Aussetzung des Pilotenstreiks am späten Montagnachmittag vorgeschlagen. Bei der Verhandlung regte die Arbeitsrichterin Silke Kohlschitter an, dass sich die Tarifpartner möglichst schnell wieder an den Verhandlungstisch setzen sollten. Dabei soll es nun ausschließlich um Entgelte gehen.

Airbus A319 der Lufthansa Italia, © AirTeamImages.com

Kernpunkt des Streites war allerdings für die Piloten die Anwendbarkeit von deutschen Tarifverträgen auch bei ausländischen Konzerntöchtern. Die Gewerkschaft musste diesbezüglich auch eine Forderung in Bezug auf die Lufthansa Italia fallengelassen.

Cockpit hatte gefordert, dass Piloten der italienischen Lufthansa-Tochter ähnlich wie die deutschen Flugzeugführer des Konzerns bezahlt werden. Anderenfalls sollte Lufthansa nach Vorstellung der deutschen Piloten Strafgelder in Millionenhöhe zahlen.

Die Forderungen der Pilotenvereinigung verstießen nach Lufthansa-Sicht allerdings gegen die unternehmerische Freiheit und gegen den Grundsatz der Niederlassungsfreiheit in der EU. Lufthansa Italia falle demnach unter italienisches Tarifrecht, weswegen italienische Gewerkschaften zuständig wären.

Lufthansa hatte am Montagmorgen beim Arbeitsgericht Frankfurt am Main einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik eingereicht.

Tarifvertrag aus dem letzten Jahrhundert

Die Vereinigung Cockpit bezieht sich bei ihren aktuellen Forderungen letztlich auf einen knapp 20 Jahre alten Tarifvertrag. Der Konzerntarifvertrag sollte 1992 das Überleben der Lufthansa retten. Dabei verzichteten die Piloten auf rund 30 Prozent des Gehalts - im Gegenzug sicherten sie sich weitreichenden Einfluss.

So dürfen de facto Flugzeuge mit mehr als 70 Plätzen bei den Lufthansa-Töchtern nur von Konzernpiloten geflogen werden. Bei Germanwings haben die Cockpitcrews auch vergleichbare Verträge. Anders ist es bei ausländischen Töchtern wie Lufthansa Italia oder auch bei den Frachtbeteiligungen AeroLogic (Kooperation mit DHL) sowie Jade Cargo (Kooperation mit Shenzhen Airlines), an die Anfang der 90er Jahre noch nicht zu denken war.

Air Dolomiti Embraer 195, © Lufthansa

Aber auch bei den klassischen Regionaltöchtern werden die kleinen Maschinen nach und nach durch größeres Fluggerät ausgetauscht. Sowohl die CityLine als auch Augsburg Airways und die italienische Tochter Air Dolomiti operieren bereits mit den 116-sitzigen Embraer 195-Jets - und das mit Piloten, die zu weit schlechteren Konditionen immer mehr Passagiere im Lufthansa-Netz bewegen.

Die Piloten der Muttergesellschaft befürchten nun vor allem, dass klassische Regionalverbindungen mehr und mehr von anderen Lufthansa-Regionaltöchtern übernommen werden könnten. In diesem Zusammenhang werden die "Lufthansa Italia"-Point-to-Point Verbindungen in Mailand auch kritisch gesehen, denn die Airbusse fliegen auch mit Personal der Lufthansa-Regionaltöchter - allerdings noch nicht nach Deutschland.

Die Gewerkschaft musste nun bei der von der Lufthansa angestrengten Gerichtsverhandlung ihre Kernforderung in Bezug auf die Lufthansa Italia fallengelassen. Bröckelt mit den Auslandsbeteiligungen der modernen Lufthansa nun der Konzerntarifvertrag von 1992?

Ohne Zweifel: Aus heutiger Sicht wirkt die Gesamtsituation der Airlinebranche damals zweifellos wie aus einem anderen Jahrhundert: In Deutschland gab es keine Lowcost Airlines und jedes Land hatte ihre eigenen Flagcarrier. Heute kämpft die Lufthansa auf vielen Srecken mit der billigen Konkurrenz und schwingt sich gleichzeitig mit Übernahmen auf, weltweit eine bedeutende Airline zu bleiben. Dass dies so bleibt, ist sicherlich auch im Interesse der Piloten.

Von: airliners.de, mit dpa, AFP, ddp

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