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Flugbewegungen: Billigflieger reduzieren, Legacy Carrier bleiben stabil

Easyjet und Ryanair reduzieren ihre Flugbewegungen erheblich. Die großen Carrier hingegen bleiben vergleichsweise stabil und British Airways hat nach Eurocontrol-Zahlen ihre Flugzeuge sogar deutlich öfter in der Luft.

In Genf abgestellte Flugzeuge von Easyjet © dpa / Salvatore Di Nolfi

Mit dem Ende der Reisezeit kommt es zu einer Verschiebung der Flugbewegungen, wie aus dem aktuellen Eurocontrol Comprehensive Assessment (PDF) hervorgeht. Betrachtet wurden diese Mal wieder Dienstage im Zwei-Wochen-Abstand. Am 6. Oktober 2020 verzeichnete Eurocontrol rund 10 Prozent weniger Flugbewegungen als am 22. September. Damit ist die Reduktion des Flugverkehrs im Vergleich zum Vorjahr von 54 Prozent auf 56 Prozent gestiegen.

Eurocontrol-Flugbewegungen vom 6. Oktober 2020 Foto: © Eurocontrol

Beide Werte sind dort, wo Eurocontrol sie mit dem neuen Erholungsszenario Mitte September prognostiziert hatte. Die Behörde musste ihre recht positiven Prognosen vom April deutlich anpassen, da mittlerweile klar ist, dass die Pandemie-Auswirkungen deutlich länger zu spüren sein werden.

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Große Low Cost Carrier mit weniger Aktivität am Himmel

Interessant an den Zahlen ist, dass es eine recht deutliche Verschiebung zwischen den Carriern gibt. Die Billigflieger haben ihre Flugbewegungen teils drastisch reduziert. Das wurde allerdings auch angekündigt. Die Bewegungen von Ryanair sanken um 31 Prozent auf 777 Bewegungen. Easyjet verlor sogar 38 Prozent und (335 Flüge) bei dem Vergleich der zwei Dienstage. Statistisch zu beachten ist, dass der Dienstag tendenziell weniger Flugbewegungen hat als andere Tage. Wizz Air und Eurowings haben nicht ganz so stark Flüge reduziert und liegen bei einem Minus von 18 Prozent auf 257 Flüge respektive 17 Prozent auf 194 Flüge).

Bei den großen Full Service Carriern ist diese deutliche Entwicklung nicht zu beobachten. Air France, KLM und Lufthansa verlieren nur zwischen 6 und 11 Prozent. Turkish Airlines konnte die Anzahl der Flüge im Eurocontrol-Bereich sogar um 1 Prozent steigern. British Airways konnte seine Flugbewegungen überraschenderweise sogar um 65 Prozent erhöhen.

Regionalairline Widerøe nahe dem Vorkrisenniveau

Im Jahresvergleich geht es aber fast allen Fluggesellschaften weiterhin sehr schlecht. Mit einem Minus von rund 90 Prozent stehen vor allem Maschinen von Brussels, El Al und Thomas Cook am Boden. Auch andere große Carrier liegen zwischen 60 und 80 Prozent. So hat die Lufthansa etwa ein Minus von 74 Prozent am 6. Oktober erreicht.

Ziemlich gut, zumindest gemessen an Flugbewegungen, geht es hingegen der norwegischen Regional-Airline Widerøe. Sie profitiert offensichtlich davon, dass sie nur ein kleines internationales Netzwerk hat und Norwegen auf den regionalen Flugverkehr angewiesen ist. Viele Strecken sind mit der Eisenbahn gar nicht erreichbar. Der nördlichste Bahnhof ist sogar nur über Schweden erreichbar. Mit dem PKW sind Fahrten ebenfalls mit großem Aufwand, wie etwa der Nutzung von Fähren, verbunden.

Widerøe hat derzeit 41 norwegische Destinationen und acht Ziele in Europa. Da Norwegen nur noch wenige Menschen aus anderen Ländern ohne Quarantäne einreisen lässt, wird der ohnehin niedrige Teil der internationalen Destinationen sich vorerst kaum erholen. Der Luftverkehr innerhalb Norwegens, also nicht nur Widerøe, ist sogar so aktiv, dass er Platz zwei der Inlandsstatistiken einnimmt. Nur das wesentlich bevölkerungsreichere Frankreich hat mehr Inlandsflugverkehr.

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Widerøe schaffte es immerhin auf 328 Flüge am 6. Oktober und ist damit nach Eurocontrol-Bewegungen sogar siebentgrößte Airline in Europa. Ähnlich auffällig ist Pegasus, die mit einem Minus von 34 Prozent im Jahresvergleich auch noch vergleichsweise gut dasteht und 306 Flüge vorweisen konnte.

Besonderheiten im Luftverkehr

Das Eurocontrol Assessment beinhaltet auch einige interessante Einzelwerte, allerdings ohne Vergleich. So schaffte Air France im August, also in einer wichtigen Reisezeit, nur einen Sitzladefaktor von 30 Prozent. Das ist besonders schlecht. Andere Airlines hatten im Zeitraum Juli bis August Werte von 50 bis 80 Prozent.

Internationale Flugbewegungen im Jahresvergleich. Foto: © Eurocontrol

British Airways fiel zudem durch eine Ausweitung der Interkontinental-Flüge auf. Turkish Airways plant Ähnliches für Dezember. Die Erholung ist allerdings weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Der Interkontinental-Markt ist in aller Regel weit schlechter aufgestellt als Städte-Paare innerhalb Europas. Das sogenannte Ecac-Areal liegt bei einem Minus von 57 Prozent im Jahresvergleich.

Flüge in den Südatlantik (Südamerika) fallen etwa mit einem Minus von 79 Prozent auf. Am 6. Oktober konnte Eurocontrol nur 41 Flüge in oder aus der Richtung feststellen. Weitere Ziele liegen zwischen minus 63 und minus 77 Prozent. Eine Ausnahme ist der Süden des afrikanischen Kontinents mit einem Minus von 47 Prozent, also weniger als in Europa.

Von: as

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