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Nicht erst beim Borden beginnt der Urlaub. © Hamburg Airport

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, spontan zu verreisen? Die Zeiten, da man so etwas aus Spaß tut, sind vorbei - jedenfalls für den Verbraucher. Erst recht, wenn er aufs Geld achten muss.

Die Reklamesprüche beginnen dennoch gern mit: "Wer zeitlich flexibel ist ..." Es winken günstige Preise und komfortabler Aufenthalt. Das stimmt aber nur, wenn der Passagier in spe früh mit der Planung beginnt. Schon das Wort "Planung" passt aber eigentlich nicht zum spontanen Reiseentschluss. Versuchen wir es trotzdem.

Spontanität in Reinstform: die Bahn

Noch am ehesten lässt sich Spontaneität in der Deutschen Bahn realisieren. Wer nicht jeden Cent zweimal umdrehen muss, der kann sich - bitte erst nachdem er diese Kolumne gelesen hat - auf den Weg zum Bahnhof machen und in den nächsten passenden Zug der Deutschen Bahn einsteigen.

In der Regel wird das aber relativ teuer, und zu bestimmten Zeiten muss der Spontanreisende sogar stehen. Aber im juristischen Sinn überfüllt sind Eisenbahnzüge äußerst selten, das Risiko, nicht mitzukommen, ist nahezu gleich Null.

Bei Flixtrain wird es schwierig

Das gilt aber nicht für die neue DB-Konkurrenz Flixtrain. Hier verabschiedet man sich von der Spontanität. Abgesehen davon, dass die Züge noch nicht immer täglich fahren, sondern nur um die Wochenenden herum, passiert es leicht, dass der Spontanreisende schon auf der Internetseite des Billigfahrers lesen muss: "Die Fahrt ist leider ausgebucht."

© Flixbus, Lesen Sie auch: Bahn-Konkurrent Flixtrain lässt mehr Züge fahren

Trotzdem eine Karte kaufen und dann eben im Zug stehen? Das gehe nicht, sagt die telefonische Auskunft bei Flixtrain, das sich mit Flixbus gerade als Erfolgsmodell am Markt zu etablieren scheint. Deshalb werden Fernbustickets auch gerade teurer.

Wer also sparen will, sollte sich den Fahrplan genau und vor allem rechtzeitig angucken. Auch beim Fernbus ist logischerweise die Zahl der möglichen Mitreisenden auf die Zahl der Sitze begrenzt. Es kommt schon vor, dass er ausgebucht ist.

Fliegen kann beim spontanen Buchen überraschen

Beim Fliegen kommt es auf die Jahreszeit und auf die wirtschaftlichen Umstände an. Im Sommer sieht es auf der Linie besser aus - bei Ferienfliegern wird es schon schwieriger. Es ist aber (jedenfalls bei innerdeutschen und -europäischen Flügen) auch wieder eine Frage des Geldes. Und der Geschwindigkeit beim Buchen.

Aber schnelles Buchen, "ehe ich es mir noch anders überlege" (und der Algorithmus den Preis anhebt), gehört ja eher zur Spontanität dazu. Ein spontaner Test am Mittag, ob am Nachmittag noch Flüge von Berlin nach München verfügbar sind, ergab: Erstens ja, und zweitens sogar unter 100 Euro one way.

Interkontinental drückt die Spontanität aufs Portemonnaie

Interkontinental spontan zu sein, fällt da wegen der spätestens seit dem 11. September verschärften Flug- und Einreisebestimmungen schon etwas schwerer, wenn man nicht zu den Glücklichen gehört, die über eine Unbedenklichkeitsbescheinigung à la ESTA oder ein längere Zeit gültiges Visum verfügen.

An unserem Testbuchungs-Tag gab es immerhin noch reichlich Plätze am Folgetag nach Seattle für weniger als 600 Euro one way, allerdings mit rund 24 Stunden Reisezeit. Mit normaler Flugzeit, also von Berlin zwölf bis 14 Stunden, wurden dann schon 1300 bis 1800 Euro für den Hinflug fällig. Da drückt die Spontaneität doch schon sehr aufs Konto. Buchen wir drei Monate im voraus, sinken die Preise drastisch: bis auf 399 Euro für den langen Flug.

Historisch gesehen nähert sich der Zeitpunkt, da das eigene Kraftfahrzeug das einzige Verkehrsmittel ist, mit dem der Reisende spontan zu einer Fernreise aufbrechen kann, jedenfalls auf diesem Kontinent. Ein paar Klamotten, Zahnbürste, Perso, Führerschein und Kreditkarte einpacken, Ölstand und Reifendruck prüfen, volltanken und los geht‘s. Wie lange noch? Beim Elektroauto wird es schon wieder kritisch.

Über den Autor

In seiner Mobilitätskolumne "Schiene-Straße-Luft" vergleicht und kommentiert Verkehrsjournalist Thomas Rietig auf airliners.de die Luftverkehrswirtschaft mit anderen Verkehrsträgern

Thomas Rietig Thomas Rietig ist freier Journalist und Blogger in Berlin. Einer seiner Schwerpunkte ist die Verkehrspolitik mit jahrzehntelanger Erfahrung als Nachrichtenjournalist bei der Associated Press. Er bloggt unter schienestrasseluft.de journalistisch und unter etwashausen.de satirisch. Kontakt: thomas.rietig@rsv-presse.de

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