Spohr sieht Nachhaltigkeits-Bemühungen durch Preiskampf in Gefahr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kritisiert erneut sehr billige Flugtickets und sieht die Branchenbemühungen um mehr Nachhaltigkeit dadurch in Frage gestellt. Allerdings mischt sein Konzern beim Preiskampf kräftig mit.

Carsten Spohr. © dpa / Sven Hoppe

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich für ein langsameres Wachstum des Luftverkehrs ausgesprochen. "Diese Branche braucht qualitatives Wachstum, kein blindes quantitatives Wachstum", sagte der Vorstandschef des Dax-Konzerns am Montagabend in Frankfurt.

Ohne den Namen des Konkurrenten Ryanair zu nennen, kritisierte Spohr den "weltweit einzigartigen Preiskampf", der in diesem Sommer auf dem deutschen und österreichischen Kurzstrecken-Markt stattgefunden habe. Der Lufthansa-Konzern sei aber stark genug, seinen Heimatmarkt zu verteidigen.

Im Juli hatte Spohr in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" auf den Einwand, dass auch die Lufthansa-Airline Eurowings Tickets teilweise für unter 35 Euro anbiete, erwidert, man könne sich dem Preisverfall nicht völlig entziehen, wenn Heimatmärkte verteidigt werden sollten. Die zwei größten Low-Cost-Carrier in Europa, gemeint sind hier wohl Ryanair und Easyjet, würden versuchen, ihre Marktanteile in Deutschland stark auszuweiten. Sie verlören dabei aber massiv Geld, mehr als die Lufthansa mit Eurowings. Diese Strategie wolle man solange durchhalten wie nötig, auch wenn der Preiskampf beim Kranich Spuren hinterlasse, so der Ober-Lufthanseat im Juli.

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Spohr kritisierte nun erneut die Kampfpreise der Konkurrenz. "Nicht nur, weil 5-Euro-Tickets das System verstopfen, sondern auch, weil 5-Euro-Tickets uns angreifbar machen für Kritik - und die vielen nachhaltigen Dinge, die wir tun als Branche, in Frage stellen." Er hoffe, dass sich der Preiskampf im nächsten Sommer nicht wiederhole. Die Lufthansa stehe zu ihrer Verantwortung in Sachen Klimaschutz und investiere laufend in neue, effizientere Flugzeuge, erklärte der Airline-Chef unmittelbar vor der nationalen Klimakonferenz an diesem Mittwoch in Leipzig.

Der Lufthansa-CEO wies darauf hin, dass Langstreckenflugzeuge wegen der notwendigen Energiedichte noch auf lange Sicht mit Kerosin betrieben werden müssten. "Der letzte Tropfen Benzin wird durch ein Flugzeugtriebwerk fließen", zeigte sich der Lufthansa-Chef überzeugt. Das Flugkerosin könne aber synthetisch hergestellt werden, wenn die entsprechende klimaneutrale Primärenergie vorhanden sei.

Spohr verlangte erneut Verbesserungen bei der Flugsicherung. Die Luftverkehrssteuer sollte für Forschungsprojekte genutzt werden, die der Luftfahrt zugute kommen. Eine nationale Kerosinsteuer, die von den Airlines leicht umgangen werden könne, sei glücklicherweise aus der politischen Diskussion verschwunden.

Von: hr, dpa

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