Spohr geht in der Klimadebatte in die Offensive

Lufthansa-Chef Carsten Spohr lenkt auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz den Blick auf den Nutzen des Luftverkehrs in einer globalen Perspektive. Der Fokus in Sachen Klimagasvermeidung liege in einer modernen Flotte und "Power-to-Liquid".

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa / Daniel Bockwoldt

Anlässlich der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr die aus seiner Sicht unverhältnismäßige Fokussierung auf die Luftfahrt in der öffentlichen Klimadebatte der letzten Monate kritisiert.

"2,8 Prozent sind 2,8 Prozent" sagte Spohr bei einem Panel mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), als der Anteil des Luftverkehrs an den globalen CO2-Emissionen zur Sprache kam.

Zwar sei klar, dass die Branche sich in Richtung CO2-Vermeidung entwickeln müsse und dass dafür auch erhebliche Anstrengungen nötig seien. Der Luftverkehr sei aber ein unverzichtbarer Teil der modernen Welt und werde auch künftig nahezu überall wachsen.

Dies gelte auch für Deutschland, das von der Vernetzung durch die Luftfahrt klar profitiere: "Wir leisten einen erheblichen Beitrag zur deutschen Exportstärke", so Spohr. Dem Wert nach werde beispielsweise knapp ein Drittel der internationalen Fracht auf dem Luftweg befördert.

Auch Stabilität und Sicherheit rund um den Globus sind laut Spohr entscheidend auf den Luftverkehr angewiesen. Entwicklungshilfe oder die Versorgung mit Medikamenten rund um den Globus wären ohne das Fliegen nicht möglich. Das gelte auch für den Tourismus, auf den viele Regionen wirtschaftlich angewiesen seien.

Nicht zuletzt sei zudem der kulturelle Austausch in der globalisierten Welt und ein damit einhergehender Fortschritt in Sachen Frieden und Lebensqualität rund um den Globus seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts ohne Flugverkehr kaum vorstellbar: "Ich glaube nicht, dass irgendein anderer Verkehrsträger einen ähnlich großen Beitrag für die ganze Welt geleistet hat," sagte Spohr.

Mit Blick auf den Verlauf der Klimadiskussion der letzten Monate zeigte sich Spohr jedoch zufrieden, "dass sich die Debatte immer mehr versachlicht." Dies mache ihn zuversichtlich, zu Lösungen zu kommen, die Innovationen beschleunigen und die Umweltverträglichkeit im globalen Maßstab vergrößern. Ohne dabei den Nutzen und die Chancen, die sich aus dem Luftverkehr ergeben, zu schmälern.

Fokus liegt auf "Power-to-Liquid"

Nachhaltigkeit sei seit vielen Jahren ein zentrales Leitmotiv von Lufthansa, ergänzte der Konzern in einer Mitteilung. In diesem Jahr verstärke das Unternehmen das Engagement für den Klimaschutz noch einmal deutlich. Wichtigste Maßnahme: Die Flottenerneuerung.

Die kontinuierliche Modernisierung der Flotte zahle sich aus: So benötigten die Airlines der Lufthansa Group 2018 im Schnitt nur noch 3,65 Liter Kerosin, um einen Passagier 100 Kilometer weit zu fliegen – gegenüber 1990 sei dies eine Verbesserung um rund 41 Prozent.

Laut Spohr liegt der Fokus von Lufthansa und der ganzen Branche zur künftigen CO2-Vermeidung mittlerweile auf "Power-to-Liquid"-Verfahren. Synthetisches Kerosin sei eine realistische Option für CO2-neutrales Fliegen in der Zukunft.

© Boeing, Lesen Sie auch: Synthetische Treibstoffe sollen Klimabilanz der Luftfahrt retten

Eine Absage erteilte Spohr dagegen am Abend im ZDF Heute-Journal den Biotreibstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Es sei nicht der richtige Weg, Ackerflächen für die Treibstoffproduktion zu nutzen. Batteriebetriebenes Fliegen wiederum komme aufgrund der geringen Energiedichte der zur Verfügung stehenden Akkus für die absehbare Zukunft höchstens für Kurzstreckenflüge infrage.

"Wir brauchen ein starkes, gemeinsames Engagement von Wirtschaft und Politik zur Förderung nachhaltiger Kraftstoffe", forderte Spohr und ergänzte, dass der Beginn des großflächigen Einsatzes synthetischen Kerosins technisch in zehn Jahren zu erreichen wäre.

Eine höhere Luftverkehrssteuer kommt für Spohr nicht infrage

Indem die Politik Finanzierungskreisläufe im Luftverkehr schaffe, könnte sie einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten. "Es wäre sinnvoll, die rund 1,2 Milliarden Euro, die der Bund jährlich durch die Luftverkehrssteuer einnimmt, in die Marktentwicklung CO2-neutraler Kraftstoffe oder andere Maßnahmen, die den Luftverkehr klimafreundlicher machen, zu investieren.", so Spohr.

Ein Vorschlag, den zuvor auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf die Themenliste der Nationalen Luftfahrtkonferenz gehievt hatte. Zudem sagte Scheuer unmittelbar vor dem Podiumsgespräch mit Spohr, dass er das Aufkommen aus der Luftverkehrsteuer vergrößern wolle, um noch mehr Mittel zur Erforschung und Entwicklung klimafreundlicher Innovationen im Flugzeugbau bereitstellen zu können.

Konkrete Zahlen nannte der Minister nicht. Man befinde sich aber bereits in "konstruktiven Gesprächen" mit der Luftverkehrsbranche für eine Anpassung der Steuer. Mit wem in der Branche diese Gespräche zuvor stattfanden, wollte der Minister jedoch nicht sagen. Lufthansa dürfte es jedoch kaum gewesen sein, wie auf dem Podium deutlich wurde.

© dpa , Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: Deutschland soll Vorreiter für klimaverträgliches Fliegen werden

Angesprochen auf Scheuers Vorschlag, reagierte Spohr jedenfalls deutlich kritisch. Die Frage sei, wie viel mehr Ungleichheit die deutsche Luftverkehrsbranche im internationalen Wettbewerb vertragen könne: Wenn es so weitergehe mit den einseitigen nationalen Steuerbelastungen, stehe er auf einer Konferenz wie dieser als Vertreter der deutschen Airline-Branche bald alleine da.

"Wenn wir mal ehrlich sind, wären zwei andere (Germania, Air Berlin, d. Red.) heute vielleicht noch dabei, wenn die Belastung eine andere wäre." Der Wettbewerber für die Lufthansa heiße nicht Deutsche Bahn, sondern Air France/KLM und Turkish Airlines. "Nationale Insellösungen sind der falsche Ansatz."

Vermeidung von Chaos-Sommer wird mit höheren Emissionen bezahlt

In diesem Zusammenhang verteidigte er auch die vielfach kritisierten Kurzstreckenflüge zu den Lufthansa-Hubs: "München-Nürnberg müssen wir fliegen, solange es keine Fernbahn-Anschluss am Flughafen München gibt." Man stehe im Wettbewerb mit allen europäischen Großflughäfen und brauche die eigenen Drehkreuze. Die föderale Struktur Deutschlands mache aber viele Zubringer nötig.

Einmal in Fahrt, wollte Spohr auch Scheuers Erfolgsmeldung des von der Branche und der Politik gemeinsam vermiedenen Wiederholung eines "Chaos-Sommers" nicht unkommentiert lassen: "Wir haben in diesem Jahr auch deswegen kein Flugchaos, weil jeder innerdeutsche Flug im unteren Luftraum durchgeführt wird, was ökologischer Wahnsinn ist. Jedes unserer Flugzeuge verbraucht zehn Prozent mehr Sprit als es müsste, wenn wir einen optimalen Luftraum hätten."

© dpa, Sven Hoppe Lesen Sie auch: Spohr sieht Nachhaltigkeits-Bemühungen durch Preiskampf in Gefahr

Von: dk

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