Spohr will für Frankfurt zwei Slots pro Stunde weniger

Lufthansa-Chef Spohr drängt als Lehre aus dem Verspätungssommer darauf, dass deutsche Airports nicht mehr wachsen sollen. Für den Kranich-Heimatflughafen Frankfurt bringt der Konzernlenker nun offenbar eine konkrete Zahl ins Spiel.

Carsten Spohr © dpa / Sven Hoppe

Lufthansa-Chef Carsten Spohr soll im Koordinierungsausschuss des Frankfurter Flughafens eine Begrenzung der stündlichen Starts und Landungen von jetzt 104 auf 102 vorgeschlagen haben. Dies berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Der Konzern will auf Anfrage von airliners.de die "vertraulichen Gespräche" nicht kommentieren.

Der Koordinierungsausschuss des Airports gibt dem hessischen Verkehrsministerium und dem Pendant auf Bundesebene zweimal jährlich eine Empfehlung ab, wie hoch die Eckwertbegrenzung sein sollte. In dem Gremium sitzen Vertreter der Airlines, des Flughafenbetreibers, der Flugsicherung (DFS) sowie von Behörden und Verbänden.

"Nicht die richtige Antwort"

Nach dem chaotischen Sommer im europäischen Luftverkehr hatte Spohr die Idee einer Begrenzung beziehungsweise gar Reduzierung als eine mögliche Antwort ins Spiel gebracht. Fraport-Chef und ADV-Präsident Stefan Schulte lehnt dies ab.

Grundsätzlich sei es "kein Ausweg aus dem von Reisenden viel beklagten Flugchaos des Sommers, weniger Flugzeuge landen zu lassen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Eine Eckwertereduzierung wäre in Frankfurt nicht die richtige Antwort auf die Erfahrungen dieses Jahres."

Zwar wolle Frankfurt die Zahl der stündlichen Starts und Landungen im kommenden Jahr konstant halten, doch langfristig strebe Frankfurt eine Erhöhung der Eckwerte an - konkret zum Sommer 2021, wenn das Terminal 3 in Betrieb geht. "Nach unserem aktuellen Plan werden wir eine Anhebung des Koordinierungseckwerts nach dem Bau des Flugsteigs G beantragen." Flugsteig G ist vor allem für Billigflieger vorgesehen.

Gipfel Anfang Oktober

Gleichzeitig pocht Schulte auf eine gemeinsame Lösung als Lehre aus dem Sommer, der von massiven Verspätungen geprägt war. Es sei "nie sinnvoll, nur punktuell anzusetzen, wenn es ein generelles Problem in ganz Europa gibt". Hier sieht er auch die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Nach zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen im zurückliegenden Sommer trifft die Luftfahrt-Branche am 5. Oktober in Hamburg mit Vertretern des Bundes und der Länder zusammen, um Lösungen zu finden. "Das, was dieses Jahr gelaufen ist, darf nicht Routine werden und wird sich nicht wiederholen", versicherte Schulte.

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Die Probleme führte er vor allem darauf zurück, dass Fluglotsen fehlten und dass die Fluglinien um die Kunden der insolventen Air Berlin rivalisierten. "Airlines waren natürlich versucht, maximal Marktanteile zu gewinnen. Nicht immer waren die Flugzeuge oder Crews rechtzeitig verfügbar."

Von: cs

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