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Carsten Spohr arbeitet seit 1994 für die Lufthansa. © Lufthansa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht in der Preispolitik der Billigflieger in Europa ein großes Problem. In einem Interview mit der "Neue Zürcher Zeitung" beklagt der Manager massive Überkapazitäten im Markt, die dazu führen würden, dass Flüge regelmäßig für unter zehn Euro angeboten werden. Dies würde den Luftraum verstopfen, da durch die niedrigen Preise eine künstliche Nachfrage geschaffen wird und die Branche zur Zielscheibe von Kritik machen.

Darauf angesprochen, dass auch die Lufthansa-Airline Eurowings Tickets teilweise für unter 35 Euro anbiete, erwiderte Spohr, dass man sich dem Preisverfall nicht völlig entziehen könne, sollten Heimatmärkte verteidigt werden. Die zwei größten Low-Cost-Carrier in Europa, gemeint sind hier wohl Ryanair und Easyjet, würden derzeit versuchen, ihre Marktanteile in Deutschland stark auszuweiten. Sie verlören dabei aber massiv Geld, mehr als die Lufthansa mit Eurowings. Diese Strategie wolle man solange durchhalten wie nötig, auch wenn der Preiskampf beim Kranich Spuren hinterlasse.

Kultureller Wert des Fliegens nicht ausreichend vermittelt

In dem Interview ärgert sich Spohr zudem, dass die Luftfahrtbranche in der Klimadebatte argumentativ so sehr in die Defensive geraten ist. Es sei nicht gelungen, der Welt zu erklären, wieviel Positives der Luftverkehr bewirke. Flugzeuge würden Länder, Ökonomien und Gesellschaften miteinander verbinden, sagte der Manager in dem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". Zudem sei die Branche die erste, die sich mit dem Corsia-Regelwerk zu einem internationalen Vertrag verpflichtet habe, der den CO2-Ausstoß begrenze.

Spohr sagte jedoch auch, dass es keinen erkennbaren Buchungsrückgang bei den Lufthansa-Airlines gibt, geschweige denn einen "Greta-Effekt". Im Vergleich zum Rekordjahr 2018 erwarte der Konzern in diesem Jahr einen weiteren Passagieranstieg um vier Prozent: "Die Menschen wollen fliegen. Immer mehr möchten die Welt entdecken und international Geschäfte machen." Diesen Drang mit dem erhobenen Finger aus Mitteleuropa einzuhegen, hält Spohr insbesondere mit dem Blick auf Schwellenländer offensichtlich nicht für erfolgversprechend: "Das wird nicht gelingen," so der ausgebildete Pilot.

Der Hub Zürich ist in Gefahr

Angesprochen auf die jüngsten Pläne für eine Umweltbesteuerung des Luftverkehrs in Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz mahnte der oberste Kranich-Manager supranationale Lösungen anstatt nationaler Alleingänge an. Diese würden lediglich zu Umgehungseffekten führen und damit zu mehr Umweltbelastung.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Eurowings gibt Langstrecken-Verantwortung ab und fliegt nur noch A320

In dem Interview mit der wichtigsten Schweizer Zeitung äußerte sich Spohr auch zur Heimatbasis der Swiss in Zürich. Die Entwicklung dort betrachte man im Konzern mit Sorge. Laut Spohr würden immer neue Restriktionen und Gebühren den Flughafen als Hub-Standort gefährden und damit auch das gesamte Swiss-Netzwerk. Aus den gegenwärtig 45 Interkontinental-Destinationen könnten so schnell zehn werden, insbesondere wenn das Nachtflugverbot weiter ausgeweitet werde.

© dpa, Sven Hoppe Lesen Sie auch: Lufthansa-Chef Spohr will Konsolidierung mitgestalten

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