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Lufthansa-Flugbegleiterinnen am Airport München. © dpa / Sven Hoppe

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo zeigt sich erbost über aktuelle Aussagen von Lufthansa-Chef Carsten Spohr im konzerninternen Format "Offen gesagt". Darin habe Spohr den Germanwings-Mitarbeitern Wankelmütigkeit vorgeworfen und die Auflösung der Tochter in einen direkten Zusammenhang mit einer hohen Streikquote gestellt.

Für die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Germanwings seien die Aussagen von Carsten Spohr ein Schlag ins Gesicht, entrüstet sich der Ufo-Vorsitzende Daniel Kassa Mbuambi. "Die Schließungen der Flugbetriebe von Germanwings und Sunexpress wurden durch Missmanagement bereits vor der Corona-Krise vorbereitet und dann just unter dem Deckmantel der Krise der bereits geplante Konzernumbau eingeleitet. Der Lufthansa-Konzern hat sich längst aus der sozialen Verantwortung gezogen", befindet er.

Auch habe Spohr grundsätzlich daran gezweifelt, dass die Tarifierung von Arbeitsplätzen einen positiven Beitrag zu deren Erhalt leiste. Das bewertet Ufo-Tarifvorstand Stefan Schwerthelm als "Schönreden prekärer Arbeitsverhältnisse. Nachdem zuvor tausende Arbeitsplätze abgebaut wurden, hätte Herr Spohr bei der Gestaltung von Arbeitsbedingungen und Löhnen gerne freie Hand." Das stehe im Widerspruch zum aktuellen politischen Diskurs in Berlin, in dem beispielsweise eine Tarifierung für alle in der Pflege arbeitenden Menschen vom Arbeitsministerium angeregt würde.

Buchungstrick rettet 2020er-Bilanz

Die Aussagen Spohrs kommen wenige Tage nach einem offenen Brief von Personalvertretern aus verschiedenen deutschen Airlines an politische Entscheidungsträger, in dem das Vorgehen des Lufthansa-Managements in der Corona-Krise offen kritisiert wird. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, "ihren Einfluss auf das Lufthansa-Management nach den Staatshilfen geltend zu machen." Sie solle dem "rücksichtslosen" Umgang des Konzerns mit den Angestellten in der Krise ein Ende bereiten.

Wenn im kommenden Jahr das Kurzarbeitergeld nicht mehr gezahlt wird, könnte für viele Lufthanseaten eng werden. Für besonderen Ärger sorgt daher die Gründung des neuen Flugbetriebs Eurowings Discover, der Fernstrecken zu mehr als 20 Prozent niedrigeren Betriebskosten anbieten soll als die Lufthansa-Kerngesellschaft, und der dafür auch externe Piloten rekrutiert.

Bis zum Ende des ersten Quartals 2021 haben innerhalb eines Jahres rund 30.000 von einst 140.000 Mitarbeitern den Konzern verlassen. Das Catering-Geschäft in Europa wurde verkauft, die Airlines Germanwings und SunExpress Deutschland geschlossen. Der Konzern hatte in der vergangenen Woche bekräftigt, allein in Deutschland weitere 10.000 Vollzeitstellen streichen zu wollen oder entsprechende Einsparungen zu benötigen. Ende März gab es noch 93.500 Vollzeitstellen im Konzern, von denen 52.200 auf Deutschland entfielen.

Unterdessen berichtete der "Der Spiegel" im Nachgang der Hauptversammlung in dieser Woche, dass nur ein Buchungstrick die letztjährige Bilanz vor noch größeren Problem bewahrt hat. Die Verschiebung der Schweizer Holding Air Trust AG, formale Eigentümerin der Konzern-Airlines Swiss und Edelweiss in eine Tochtergesellschaft, habe zusätzliche stille Reserven in Höhe von 5,6 Milliarden Euro in die Bücher gebracht, so das Magazin. Andernfalls wäre das Eigenkapital des Konzerns gefährlich abgeschmolzen und eine außerordentliche Hauptversammlung hätte einberufen worden müssen.