SPD-Landrat unterstützt Spohr-Idee

Lufthansa-Chef Spohr bekommt für seine Idee der Eckwerte-Begrenzung Zuspruch aus ungewohnter Richtung. Aber SPD-Landrat Will findet auch lobende Worte für eine Idee des Barig.

Thomas Will. © landrat-will.de

In der Diskussion um die Begrenzung von Eckwerten an Flughäfen unterstützt der Landrat von Groß-Gerau, Thomas Will (SPD), die Ansicht von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Eine schnelle Abhilfe über die Rekrutierung von mehr Fluglotsen scheint aktuell nicht möglich", sagte Will zu airliners.de. Spohr hatte daher ins Spiel gebracht, dass die Zahl der stündlichen Starts und Landungen an überlasteten Flughäfen nicht weiter steigen solle.

"Auch wenn es ungewöhnlich klingt, unterstütze ich diesen Vorstoß", so Will. Denn: "An erster Stelle muss der Schutz der Menschen vor Lärm- und Schadstoffemissionen stehen." Jede Abweichung vom eigentlichen Flugplan führe zu Umwegen, zeitintensiven Warteschleifen der Flugzeuge, die dann auch mehr Lärm produzierten, verspäteten Flügen, die das Nachtflugverbot brechen, und zu mehr verbranntem Kerosin, so Will.

Auch den Barig unterstützt der SPD-Mann

Wenn in drei bis fünf Jahren neue Fluglotsen zur Verfügung stünden, muss laut Will aber ein Umdenken eingesetzt haben. "Die künftigen zusätzlichen Kapazitäten bei der DFS sollten nicht nur für die Abwicklung von immer mehr Verkehr eingesetzt werden" - stattdessen müssten Verfahren eingeführt werden, die den Lärmschutz der Bevölkerung im Flughafen-Umland verbessern würden, "aber aktuell aus Kapazitäts- und Personalgründen nicht sicher umgesetzt werden können".

Auch unterstütze Will den Vorschlag des Barig. Der Verband der ausländischen Airlines in Deutschland hatte ebenfalls auf einen Expansionsstopp an manchen deutschen Flughäfen gepocht. "Jetzt sind alle Akteure der Branche sowie auch Behörden und Politik gefordert, gemeinsame Lösungswege zu finden", sagte Barig-Generalsekretär Michael Hoppe. Nötig seien effizientere Sicherheitskontrollen, eine modernere Infrastruktur und mehr Kapazität im Luftraum.

Schulte pocht auf Zusammenarbeit

Auch der Chef des Flughafens Frankfurt, Stefan Schulte, hatte in der vergangenen Woche auf die Idee von Spohr geantwortet. Kurzfristig wolle man nicht wachsen, jedoch die Eckwerte erhöhen, wenn das neue Terminal ab 2021 in Betrieb geht, sagte er der "FAZ". Aber: "Eine Eckwertereduzierung wäre in Frankfurt nicht die richtige Antwort auf die Erfahrungen dieses Jahres."

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Fraport-Chef Schulte reagiert auf Spohr-Vorschlag

Vielmehr fordert Schulte einen gemeinsamen Lösungsansatz der kompletten Branche. Es sei "nie sinnvoll, nur punktuell anzusetzen, wenn es ein generelles Problem in ganz Europa gibt". Vor dem Luftfahrtgipfel mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Anfang Oktober hofft er, dass die Phase der wechselseitigen Schuldzuweisungen zu Ende ist.

Von: cs

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