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So saniert der Frankfurter Flughafen seinen längsten Rollweg

Nach 20 Jahren muss der viel benutzte Rollweg Lima in Frankfurt saniert werden. 17 Fußballfelder, 2000 Tonen Material, ein Baustellenbericht.

Rollweg am Frankfurter Flughafen © Fraport

Das eine oder andere Flugzeug rollt noch vorbei, wenn die Bagger Kurs auf "Lima" nehmen. Da geht es dann aber höchstens um Positionsveränderungen, denn der Flugbetrieb muss ruhen, wenn es auf den Nachtbaustellen des Frankfurter Flughafens losgeht - das gilt umso mehr für die Rollbahn L (wie Lima), eine der beiden durchgängig von Ost nach West verlaufenden Rollbahnen des Frankfurter Flughafens und damit einer der Hauptrollwege.

Derzeit ist diese Rollbahn wieder fällig für eine Generalüberholung. Die Ingenieure gehen von einer "Lebenszeit" von 20 Jahren aus, bis die Bahn grunderneuert werden muss. Denn wenn täglich zwischen 1000 und 1500 Flugzeuge über die Bahn rollen, bleibt das nicht ohne Folgen: Abrieb auf der Oberfläche, Dellen im Beton und Asphalt. Bereits seit August 2019 wird saniert, Nacht für Nacht.

250 Nächte braucht die Sanierung

"Die Bauarbeiten sind für 250 Nächte geplant - das ist schon eine größere Maßnahme", sagt Alexander Betz, einer der zuständigen Projektleiter beim Flughafenbetreiber Fraport. Gebaut wird zwar eigentlich ständig - aber in der Regel sind die Bauprojekte nach 100 bis 150 Nächten abgeschlossen. Doch hier geht es immerhin um eine Gesamtsanierungsfläche von 120.000 Quadratmetern - das entspricht etwa 17 Fußballfeldern. Die Sanierung der West-Rollbahnen soll im Oktober fertig sein.

Der Auftakt der Baunacht, die pünktlich um 22.00 Uhr beginnt, ist ohrenbetäubend laut, wenn gleich mehrere Kettenbagger die Betondecke des Baufelds in Angriff nehmen und aufmeißeln. Staub liegt in der Luft, der Boden vibriert auch noch bei Sicherheitsabstand am Rand des Areals. In einer Nacht wird auf einer 600 bis 750 Quadratmeter großen Fläche gebaut - und dabei bleibt nichts dem Zufall überlassen, wie Betz betont: "Koordination, Organisation, Super-Vorbereitung der Maßnahme ist das A und O."

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Frankfurter Flughafen saniert während Corona-Flaute die Südbahn

Jeder der Arbeiter wisse: der Bagger muss dorthin fahren, der Lkw dahin, der nächste Bagger hierhin - das sei alles koordiniert. "Da kommt kein Lkw erst mal an die falsche Stelle", versichert Betz. Denn bei der Korrektur von falschen Positionen sei schnell mal eine halbe Stunde verloren - und das können sich Planer und Arbeiter nicht leisten. Morgens um sechs muss schließlich wieder mit der Aufnahme des Flugverkehrs das erste Flugzeug über die frische Asphaltdecke rollen können.

50 Zentimeter ist die Asphaltschicht dick

In der Tat greift in der Baunacht ein Arbeitsschritt in den nächsten - als ein Teil der Oberfläche aufgemeißelt ist, macht sich auch schon ein Raupengerät im Baufeld zu schaffen, schiebt den Abbruch zusammen. Lastwagen fahren vor, um das Material abfahren zu können. 80 Zentimeter werden ausgehoben, eine Lage von 30 Zentimeter Schotter ist die Basis, ehe im Laufe der Nacht 50 Zentimeter Asphalt in drei verschiedenen Lagen dazukommen.

Pro Nacht werden 750 Tonnen Asphalt beziehungsweise 2000 Tonnen Material umgeschlagen, erläutert Betz. Der vorbereitete Asphalt "wartet" bereits in Boxen in der Cargo City Süd. "Wir würden die Maßnahme nie anfangen, bevor wir nicht sicher sind, dass das gesamte Asphalt-Mischgut entweder in den Silos der Mischanlage oder hier am Platz ist", betont Betz.

Denn ein Lieferengpass, ein Unfall beim Transport oder ein Defekt an der Asphaltmischanlage könnte dazu führen, "dass wir ein Loch, das wir aufgemacht haben, nicht mehr geschlossen bekommen", begründet der Ingenieur. Ein Loch in der Start- und Landebahn oder Rollbahn "wäre natürlich der Super-GAU, denn das bedeutete ein längere Sperrung, bis der Asphalt drin ist. Das können wir uns nicht erlauben, deswegen ist das ganze Material vor Ort." Schließlich muss die Bahn fest und befahrbar sein, wenn um sechs Uhr morgens die ersten Flugzeuge wieder Richtung Startbahn rollen.

Von: dk, dpa

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