airliners.de Logo

So reagieren die Flughäfen auf den Corona-Stillstand

Mit zum Teil drastischen Einschränkungen reagieren die Flughäfen im deutschsprachigen Raum auf die Flugausfälle in der Corona-Krise. Die Maßnahmen gehen von Kurzarbeit bis hin zur Einstellung der Passagierabfertigung.

Ein Passagier durchläuft die Sicherheitssleuse. © dpa / Rick Bowmer/AP

Durch verschärfte Einreisebestimmungen und eine stark rückläufige Nachfrage aufgrund der Corona-Pandemie kommt der Flugverkehr derzeit nahezu zum Erliegen. An den Flughäfen sind die Terminals so leer wie im Supermarkt die Regale, fasst es der Flughafenverband ADV treffend zusammen.

Aus Sicht des Verbandes ist es nun notwendig, gemeinsam mit den Airlines eine Minimum-Konnektivität aufrechtzuerhalten. Die Priorität liege dabei auf den aktuell noch für rund zwei Wochen laufenden Rückholflügen sowie in der Aufrechterhaltung der Logistikketten und die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern.

Weltweit haben Flughafenbetreiber nun mit den Folgen der Flugeinstellungen zu kämpfen. Die Corona-Krise zwinge auch die deutschen Flughäfen zu drastischen zu Sparmaßnahmen, heißt es beim Flughafenverband. Allerdings könne der Einnahmerückgang nicht einfach durch Sparen aufgefangen werden. Der allergrößte Anteil an den Kosten der Flughäfen seien Fixkosten, insbesondere Kapitalkosten.

Von einer kompletten Schließung der ADV-Mitgliedsflughäfen sei dennoch nicht auszugehen teilt der Verband auf airliners.de-Anfrage mit. Die wirtschaftliche Lage der Flughäfen verschärft sich allerdings von Woche zu Woche. Um den Betrieb aufrecht zu halten, brauchten die Standorte jetzt schnell Liquidität: " Die Politik muss jetzt Maßnahmen ergreifen, um die wirtschaftliche Lage von Flughäfen zu stabilisieren."

Eingeschränkte Betriebspflicht an vielen Standorten

Viele Flughäfen haben nun bereits reagiert und zum Teil drastische Maßnahmen getroffen. So hat der Flughafen Dortmund einen Antrag zur befristeten Befreiung von der Betriebspflicht gestellt. Diesen hat die Bezirksregierung Münster heute genehmigt. Vom 1. bis 30. April können damit Flugzeuge nur noch innerhalb der Betriebszeiten von sechs bis 22 Uhr und nur nach vorheriger Genehmigung durch den Flughafen starten und landen.

Auch am Flughafen Bremen haben alle Fluggesellschaften ihre im Flugplan geplanten Flüge aus dem Programm genommen und bis mindestens zum 19. April gestrichen. Daher finde ab sofort keine Passagierabfertigung mehr statt, hieß es. Man könne aber jederzeit auf die Wiederaufnahme von Flügen reagieren. Die Betriebsfähigkeit des Flughafens sei jederzeit sichergestellt.

Betriebspflicht an Flughäfen

Verkehrsflughäfen haben eine Betriebspflicht. Sie sieht nach § 45 LuftVZO vor, den Flughafen in betriebssicherem Zustand zu halten und ordnungsgemäß zu betreiben. Nur die zuständige Genehmigungsbehörde können die Flughäfen von der Betriebspflicht befreien.

Das Verkehrsaufkommen am Flughafen Stuttgart liegt derzeit bei unter zehn Prozent des sonst für die Jahreszeit üblichen Volumens. Neben dem verbliebenen Linienverkehr liege der Fokus aktuell auf Nachtluftpost, Fracht-, Militär-, Einsatz- und Rettungsflügen, heißt es. In Nürnberg steht der touristische und der Linienflugbetrieb derzeit ebenfalls fast still, jetzt werden alle Ausgaben geprüft.

Mancherorts ist noch viel Frachtbetrieb

Auch die mitteldeutschen Flughäfen haben einen Maßnahmenkatalog zur Bewältigung der Corona-Krise aufgelegt, nachdem so gut wie alle Linienflugverbindungen mit Passagierflugzeugen eingestellt wurden. Hauptbestandteil in Leipzig/Halle und Dresden seien veränderte Betriebszeiten, wie die AG am Donnerstag mitteilte. In Leipzig spielt aber die Fracht noch eine große Rolle.

Wegen der weltweiten Reisebeschränkungen starten auch am Flughafen Hahn nur noch vereinzelt Passagiermaschinen. Der Platzhirsch am Hahn, Europas größte Billig-Airline Ryanair, hat wegen der Corona-Pandemie alle Flüge für mindestens zwei Monate gestoppt. Auch hier ist die Fracht ein Lichtblick: Das Geschäft zieht an, weil weltweit so viele Passagierflüge mit Frachtbeiladungen gestrichen wurden.

© AirTeamImages.com, ACEdwards Lesen Sie auch: In der Corona-Krise zeigt sich, wie unverzichtbar Luftfracht ist

Am Flughafen Saarbrücken gibt es derzeit noch täglich außer samstags eine Flugverbindung nach Berlin-Tegel mit Danish Air Transport (DAT). Alle anderen Verbindungen sind eingestellt. Damit hat es Saarbrücken derzeit sogar noch gut. Etliche kleinere Flughäfen haben den regulären Betrieb bereits eingestellt.

Der Flughafen Rostock etwa hatte bereits in der vergangenen Woche die Einstellung der Linienflug-Abfertigung bekanntgegeben. Gleiches gilt für Weeze, wo mit der Betriebseinstellung von Ryanair der gesamte Linienflugverkehr seit Mitte der Woche ruht. Mit der Genehmigungsbehörde sei eine sogenannte PPR-Regelung (Prior Permission required) in Abstimmung. Flugbewegungen wie Ausweichlandungen, Organtransporte oder Businessjets finden damit bis auf weiteres nur nach vorheriger Anmeldung statt.

Am zweitgrößten NRW-Flughafen Köln/Bonn finden derzeit nur etwa fünf Prozent der im März üblichen Passagierflüge statt. Die Frachtflüge liefen aber auch hier auf Hochtouren, hieß es. Jetzt beraten Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter über die Einführung von Kurzarbeit.

Betreiber und Dienstleister setzen auf Kurzarbeit

Kurzarbeit ist aktuell an den meisten Standorten ein Thema. Das Instrument kann in der Corona-Krise auch von Betrieben des Öffentlichen Dienstes genutzt werden, worunter viele Flughäfen und ihre Gesellschaften fallen. In der Kurzarbeit übernimmt der Staat einen Teil des Verdienstes und bezahlt die Sozialversicherungsabgaben.

Der Flughafen Münster/Osnabrück hat ebenfalls alle Mitarbeiter, sowohl Operative als auch in der Verwaltung Angestellte in Kurzarbeit geschickt. Auch am Bodensee-Airport Friedrichshafen sind mittlerweile die meisten Beschäftigten in Kurzarbeit.

Als erster Flughafen in Deutschland hatte der Flughafen Memmingen am Dienstag für seine rund 160 Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Die Entscheidung habe man in Absprache mit dem Betriebsrat und dem Aufsichtsrat entschieden, teilte der Airport mit.

Dabei betrifft die Flugeinstellungen nicht nur die Betreibergesellschaften. Auch zahlreiche Töchter und Drittanbieter, etwa bei den Bodenverkehrsdienstleistern, sind betroffen. So sorgt sich der an vielen Flughäfen tätige Bodenabfertiger AHS derzeit ums Überleben.

© AHS Berlin, Lesen Sie auch: AHS durch Coronakrise in Existenz bedroht

Die Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie Beeinträchtigen auch den Verkehr an den größeren Standorten. So haben die Streichungen der Airlines in Frankfurt und München die Passagierzahlen einbrechen lassen, weswegen auch die großen Standorte in Bereichen auf Kurzarbeit setzen.

Passagiereinbrüche auch an Großflughäfen

Am Flughafen Frankfurt war die Passagierzahl in der zwölften Kalenderwoche (16. bis 22. März) um knapp 74 Prozent auf rund 331.000 eingebrochen. Auch das Frachtvolumen fiel um rund ein Fünftel auf knapp 37.000 Tonnen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Anzahl der Flugbewegungen sank um rund 58 Prozent auf unter 4000.

Die Landebahn Nordwest am Flughafen ist temporär außer Betrieb genommen und wird zum Abstellen von Flugzeugen genutzt. In den Terminals sind bereits seit Mitte März schrittweise Bereiche außer Betrieb gegangen. So sind im Terminal 1 die Flugsteige A26 bis A40 außer Betrieb und auch im Bereich C alle Gates temporär stillgelegt. Auch im Terminal 2 gibt es bereichsweise Sperrungen. Die Skyline fährt weiter zwischen den Terminals, hält aber nicht am Flugsteig C.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Fraport fordert Zuschüsse für Frankfurt-Offenhaltung

Auch den zweitgrößten deutschen Flughafen trifft die Krise. In dieser Woche erreiche die Zahl der Starts und Landungen "nicht einmal mehr zehn Prozent des Vorjahresniveaus, teilte der Flughafen München mit. Das Passagieraufkommen liege bei rund fünf Prozent. Für Rückkehrer nach Deutschland und für wichtige Frachtgüter werde der Betrieb aber aufrechterhalten.

Nicht benötigte Teile der Terminals werden nun auch in München vorübergehend geschlossen. Wie der Flughafen mitteilte betrifft das die Bereiche A, B und D von Terminal 1 sowie das zum Terminal 2 gehörende Satellitengebäude.

In Berlin sind die Fluggastzahlen in der Corona-Krise um rund 90 Prozent eingebrochen. Pro Tag gibt es insgesamt rund 100 Starts und Landungen. Im Berliner Senat gibt es deshalb Überlegungen, den Flughafen Tegel vorübergehend zu schließen. Ein Antrag dazu wurde bei Berlins Luftfahrtbehörde aber noch nicht gestellt, wie die Senatsverkehrsverwaltung mitteilte.

© AirTeamImages.com, Carlos Enamorado Lesen Sie auch: Bund wehrt sich gegen Schließung von Flughafen Tegel

Am viertgrößten deutschen Luftfahrtstandort in Düsseldorf gibt es derzeit nur etwa 20 Prozent der für diese Jahreszeit üblichen Flüge. Die Terminals B und C sind geschlossen und der gesamte Flugverkehr wird über die Südbahn abgewickelt. Weil der Verkehr nach den Rückholflügen für Touristen in den kommenden Wochen nach Angeben der Betreibergesellschaft nahezu zum Erliegen kommen werde, hat der Flughafen nun ebenfalls Kurzarbeit für seine rund 2300 Mitarbeiter beantragt - und zwar gleich bis zum Jahresende.

Situation in Österreich und der Schweiz

Auch in Österreich und in der Schweiz schließen die Airports zumindest teilweise für den regulären Betrieb.

Der Flughafen Zürich schließt die Ankunftshalle 1. Terminal 2 bleibt eingeschränkt weiter geöffnet. Ähnlich reagiert der Flughafen Wien. Für die kommenden Wochen wird die Abfertigung von Linienflügen im Terminal 3 konzentrieren. Die anderen Bereiche des Flughafens werden vorübergehend geschlossen.

© dpa, Kin Cheung/AP Lesen Sie auch: Diese Flugverbindungen gibt es noch Analyse

Der Flughafen Salzburg schraubt seinen Betrieb gegen Null hinunter. Ab kommender Woche fährt der zweitgrößte Airport Österreichs nur mehr im Ein-Schicht-Betrieb, das heißt mit einer täglichen Betriebszeit von sechs Stunden. Am ersten April-Wochenende soll dann wahrscheinlich komplett auf Stand-by umgestellt werden.

Der Flughafen Innsbruck wird in der Corona-Krise derweil für ganze drei Monate den kommerziellen Betrieb einstellen.

Von: dh mit dpa, AFP

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Rahmenbedingungen Flughäfen Verkehr Politik Management Wirtschaft Strategie Netzwerkplanung Personal Corona-Virus