So reagiert die Branche auf das Germania-Aus

Zwischen Aktionismus und Hoffnung: Die Branche reagiert geteilt auf die Insolvenz von Germania. Während Veranstalter bereits auf Eurowings und Co. umbuchen, versuchen gerade viele Flughäfen der Lage etwas Positives abzugewinnen.

Airbus A319 von Germania. © AirTeamImages.com / Simone Ciaralli

Auch wenn sich für viele Beobachter die Insolvenz der Germania mindestens seit Wochen abzeichnete, ist die Branche dennoch bestürzt und verwundert über das Ende der Berliner Airline. "Wir bedauern die Entwicklung ausdrücklich", so ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf. Am NRW-Airport bot Germania die meisten ihrer Kapazitäten an.

Standorte von Germania
Anteil in Prozent
Düsseldorf 15.6
Berlin-Tegel 12.6
Nürnberg 11.2
Berlin-Schönefeld 9.7
Bremen 9.5
Dresden 9.3
Münster/Osnabrück 5.7
Hamburg 4.7
München 4.4
Übrige Airports 17.3

Nach angebotenen Sitzplatzkapazitäten in der Woche vor der Insolvenz.Quelle: ch-Aviation

Germania hat in Düsseldorf aktuell drei Flugzeuge stationiert und befördert damit nach Angaben des Airports 500.000 Passagiere zu 15 Zielen - das entspreche einem Markanteil von etwa zwei Prozent." Die Fluggesellschaft hatte im vergangenen Jahr eine gute Entwicklung an unserem Standort genommen", so der Sprecher weiter. Flughafenchef Thomas Schnalke betonte jüngst im Interview mit airliners.de, dass Germania beim Schließen der Air-Berlin-Lücke geholfen hatte.

Kleine Airports stark betroffen

Dennoch überwiegt in Düsseldorf der Optimismus der weiteren Entwicklung: "Der Großteil der angeflogenen touristischen Ziele wird auch von weiteren Fluggesellschaften bedient, sodass betroffene Passagiere auf diesen Strecken von anderen Airlines befördert werden können", so der Sprecher weiter. Sowohl für den laufenden Winter als auch für die nächste Sommersaison gebe es beim Flughafenkoordinator für Deutschland wieder eine lange Warteliste für Slots in Düsseldorf.

Andere Airports müssen um einen weit aus größeren Teil ihres Angebots fürchten. "Stark betroffen von der schwierigen Lage bei Germania sind viele Passagiere und zahlreiche, zumeist kleinere Flughafenstandorte", so ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel zu airliners.de. Deutschlandweit hat Germania mit zuletzt rund 3,4 Millionen Fluggästen zwar nur rund zwei Prozent des Angebots ausgemacht, doch Airports wie Erfurt (72,5 Prozent), Rostock/Laage (46 Prozent) und Friedrichshafen (37,1 Prozent) liegen weit über dem Durchschnitt.

Marktanteile an deutschen Airports
Airport Germania-Anteil Gesamtanteil
ERF 72.5 27.5
RLG 46 54
FDH 37.11 62.89
FMO 27 73
DRS 19.76 80.24
BRE 14.97 85.03
NUE 11.32 88.68
SXF 2.32 97.68
DUS 1.83 98.17
TXL 1.42 98.58

Quelle: ADV, Airport-Angaben

Dennoch ist man am Flughafen der Thüringer Landeshauptstadt verhalten optimistisch: "Die eingeleiteten Maßnahmen und die überdurchschnittlichen Buchungen für die Sommersaison sollten gewährleisten, dass der Flugbetrieb in Erfurt weitergeführt werden kann", so Geschäftsführer Uwe Kotzan zu airliners.de.

Münster-Chef ist verwundert

Auch der Flughafen Münster/Osnabrück ist von dem Aus deutlich getroffen - und zeigt sich überrascht. "Mit großem Bedauern hat der Flughafen die Insolvenz der Fluggesellschaft zur Kenntnis genommen", so Airport-Chef Rainer Schwarz. "Knapp zwei Wochen nachdem man die Lösung der Finanzierungsfrage bekannt gab, eine Insolvenz zu verkünden, verwundert doch sehr."

Man stehe seit Wochen in engem Austausch mit den großen Reiseveranstaltern. "Denn die entscheiden schließlich über das touristische Angebot", so Schwarz. "Wir werden nun alles daran setzen, schnellstmöglich das Touristikprogramm zu sichern."

Veranstalter buchen um

Einzelplatzverkäufe machen nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Germania-Geschäfts aus. So entfielen im vergangenen Jahr lediglich 14 Prozent der Buchungen auf dieses Segment. Den Großteil machen immer noch Buchungen von Reiseveranstaltern aus.

Der Reisekonzern Tui teilt auf Anfrage mit, bereits umzubuchen. So wolle man die Kapazitäten der hauseigenen Airline Tuifly stärker nutzen. Auch Alltours organisiert bereits eine Ersatzbeförderung, "sodass die Gäste planmäßig ihren Urlaub antreten können", sagte ein Sprecher zu airliners.de.

Dies gelte ebenso für die kurzfristig bevorstehenden Reisetermine. "Am heutigen Tag wird es jedoch zu einigen Einschränkungen und Verzögerungen kommen", so der Sprecher weiter. Man wolle die betroffenen Gäste aber proaktiv über Änderungen informieren.

Bei DER Touristik arbeite derzeit das Krisenmanagement "mit Hochdruck daran, die Einschränkungen für unsere Gäste gering zu halten", heißt es. Man buche die Pauschalreisegäste sukzessive auf beispielsweise Condor, Eurowings und Tuifly um Mehrkosten übernehme der Veranstalter.

© dpa, Malte Christians Lesen Sie auch: Das bieten Condor, Eurowings und Co. den Germania-Passagieren

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft fasst die Lage zusammen: "Die Germania-Insolvenz zeigt einmal erneut, wie intensiv der Wettbewerb im internationalen Luftverkehr ist", so BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow zu airliners.de. "Nationale Sonderlasten des Gesetzgebers, sei es mit der Luftverkehrsteuer oder den Luftsicherheitsgebühren, machen es unseren vor allem aus Deutschland herausfliegenden Unternehmen schwer, mitzuhalten", kritisiert der Verbandschef.

Germania hatte am Montagmittag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt und dies in der Nacht zu Dienstag mitgeteilt. Den Flugbetrieb stellte die Airline umgehend ein.

© Airport Nürnberg, Lesen Sie auch: Germania meldet Insolvenz an

Von: airliners.de

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