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Flugzeuge von Easyjet und Ryanair in Stansted. © Stansted Airport

Noch weiß keiner, wie der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union aussehen wird. Die Verhandlungen gestalten sich zäh. Und doch ist eines klar: Nach März 2019 sind die Briten nicht mehr Teil des Staatenverbundes und verlieren damit auch automatisch allerlei Rechte.

Open Sky

Bislang ist das Vereinigte Königreich Vollmitglied im weitgehend liberalisierten und vereinheitlichten europäischen Luftverkehrsmarkt. Damit können britische Airlines beispielsweise zwischen Deutschland und Spanien fliegen und andersherum. Gleichzeitig gelten die Open-Sky-Abkommen der EU etwa mit den USA auch für Großbritannien.

Mit einem harten Brexit scheint die Wiedereinführung von Marktzugangsbeschränkungen im Luftverkehr von und nach Großbritannien unausweichlich. Denn die Teilnahme an der sogenannten European Common Aviation Area (ECAA) ist auch für Nicht-EU-Mitglieder wie etwa Norwegen an zahlreiche Bedingungen geknüpft, unter anderem an eine Binnenmarkt-Teilnahme.

Viele Airlines der Insel warten gespannt darauf, ob Großbritannien und die EU ein umfassendes Verkehrsabkommen aushandeln. Allerdings gestalten sich die Brexit-Verhandlungen insgesamt schwierig, sodass erst kürzlich eine Übergangsfrist des Austritts bis Ende 2020 beschlossen wurde. Unter anderem soll Großbritannien solange auch Teil des EU-Binnenmarkts bleiben.

Harter Brexit brächte erhebliche Einschnitte

Falls dies jedoch den EU-Abschied der Briten nicht abfedert und nicht alle bilateralen Berührungspunkte neu verhandelt sind, droht mit dem unkontrollierten Austritt, dem harten Brexit, dass es zu erheblichen Einschnitten im Luftverkehr kommt, warnt auch Gerald Wissel von Airborne Consulting.

"Natürlich träfe ein solcher Fall nicht nur britische Carrier, allerdings könnten gerade die Billigflieger Easyjet und Ryanair sowie die IAG, weil sie den Großteil ihres Geschäftes auf der Insel haben, durch einen harten Brexit stark unter Druck geraten", so der Experte.

Nach Informationen des "Guardian" haben hochrangige EU-Beamte britische Airlines bereits darauf vorbereitet, dass sie ab 2019 ihre innereuropäischen Flüge nur noch anbieten können, wenn sie ihren Sitz in die EU verlagern und zudem mehrheitlich in der Hand von EU-Anlegern sind.

Billigflieger verlagern Kapazitäten

Dass sowohl Easyjet als auch Ryanair bereits ihre Kapazitäten deutlich vom britischen Markt entfernt haben, zeigen folgende beide Grafiken. Sind die Werte für die innerbritisch angebotenen Sitzplätze von 2016 und 2018 noch gut vergleichbar, klafft im Verkehr von und nach Großbritannien zwischen beiden Jahreswerten eine deutliche Lücke:

Kapazitätsverteilung von Easyjet und Ryanair

2016
innerbritisch von/nach Großbritannien sonstige Verbindungen
Easyjet 9.2 57.1 33.7
Ryanair 1.6 38.3 61.7
2018
innerbritisch von/nach Großbritannien sonstige Verbindungen
Easyjet 7.32 29.51 63.17
Ryanair 0.97 18.29 80.74

Die Grafiken zeigen die prozentuale Verteilung der von Easyjet und Ryanair von Juli bis Dezember 2016 (links) und 2018 angebotenen Sitzplatzkapazitäten hinsichtlich des britischen Markts. | Quelle: ch-Aviation

Kapazitätsverlagerungen sind aber nicht der einzige Schritt, wie Easyjet und Ryanair dem Brexit begegnen: Während die Briten alles dafür tun, eine neue Tochter-Airline in einem Mitgliedstaat der EU-27 aufzubauen, behelfen sich die Iren mit einem einfachen Trick:

Easyjet

Easyjet legt sein Geschäft auf drei Airline-Betriebe, um die Brexit-Folgen abzufangen: Easyjet, Easyjet Europe und Easyjet Switzerland. Alle drei treten unter dem Markennamen Easyjet auf.

  1. Der bisher als Easyjet operierende britische Flugbetrieb hat inzwischen ein britisches AOC beantragt und von den Behörden erhalten, denn: Easyjet UK soll im dortigen Markt operieren.
  2. Um auch die Europäische Union weiter abdecken zu können, hat Easyjet vergangenes Jahr einen österreichischen Ableger samt AOC gegründet (Easyjet Europe) und will noch in diesem Jahr 180 Flugzeuge dorthin umregistrieren lassen.
  3. Zudem existiert die Easyjet Switzerland, die das Geschäft in der Schweiz abdecken soll.

Ryanair

Konkurrentin Ryanair will da einen viel einfacheren Weg gehen: Airline-Chef Michael O'Leary kündigte bei Vorlage der Jahreszahlen in dieser Woche an, dass man höchstwahrscheinlich die Stimmrechte von Aktionären aus Nicht-EU-Staaten begrenzen müsse, um als EU-Airline zu gelten. Den britischen Markt verliert Ryanair aber nicht aus den Augen: Über Ryanair UK will man gegebenenfalls auch dort operieren können.

Airline-Vertraute berichten, dass diese Strategie allerdings aktuell zu einer Spaltung des Verwaltungsrats führe. Auf der einen Seite gebe es die "O'Leary-Jünger", die blind ihrem Chef und seinem über viele Jahre sehr erfolgreichen unkonventionellen Weg folgten. Auf der anderen Seite mehrten sich aber auch jene Stimmen, die einen Strategiewechsel forderten - so, wie er sich aktuell durch Gespräche mit Gewerkschaften auch schon abzeichne.

Experte Wissel schätzt die Chance, dass es zu einem harten Brexit kommt, jedoch nicht als sehr hoch ein. "Letztlich denke ich, dass es nicht so dramatisch wird, wie befürchtet, da ja alle verhandelnden Seiten ein Interesse an einer guten Lösung haben."

Allerdings wird der Brexit auch in seiner "soften" Version einen erheblichen Einfluss auf den Luftverkehr haben: Die IAG, der zweitgrößte Luftverkehrskonzern Europas, muss sich mit dem EU-Abschied der Briten komplett neu aufstellen. Das fängt bei der Gesellschaftsstruktur an und geht bis zu komplexeren Strukturen in Sachen Operations und der Neuordnung von Dingen wie etwa den zukünftig sicher unterschiedlichen Regelungen in Sachen Passagierrechte.

Zudem könnte der Brexit nur der Anfang sein und weitere Staaten könnten dem Beispiel Großbritannien folgen. Trotz der neuen rechtspopulistischen Regierung halten Experten jedoch einen Austritt Italiens aus der EU für unwahrscheinlich. Allerdings ist durch die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien Vorsicht geboten: Airlines wie Vueling könnten durch Neuverhandlung eines Abkommens der spanischen Region und der EU zu erhöhtem Planungsaufwand gezwungen sein.

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