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So groß ist der Billigflieger-Anteil an deutschen Flughäfen

Das kräftige Wachstum des europäischen Luftverkehrs wird häufig mit einer Allgegenwart der Low-Cost-Airlines in Verbindung gebracht. Das ist aber nur teilweise der Fall, wie eine Analyse der angebotenen Kapazität an den Flughäfen zeigt.

Flugzeuge von Easyjet und Ryanair in Stansted. © Stansted Airport

Rund ein Drittel aller Flüge ab deutschen Flughäfen wird derzeit von Low-Cost-Airlines durchgeführt. Wie eine airliners.de-Analyse auf Basis von Daten des Portals CH-Aviation und OAG ergibt, liegt die angebotene Kapazität in einer Referenzwoche im September an allen Flughäfen bei insgesamt rund 3,45 Millionen Sitzen, wovon knapp 1,13 Millionen auf das Konto der Günstig-Flieger gehen, was ziemlich genau 33 Prozent entspricht.

In der regionalen Verteilung ergeben sich dabei deutliche Unterschiede. So ist der Anteil an Billigflügen in Frankfurt und München überschaubar. An beiden Airports ist die Lufthansa Group der bestimmende Player.

Mit rund 1,6 Millionen Sitzplätzen wird über die beiden großen Drehkreuze fast die Hälfte der in Deutschland angebotenen Gesamtkapazität abgewickelt. Der Anteil der Low Coster daran beträgt nur sieben Prozent respektive 122.000 Sitze. In Frankfurt sind es sogar nur fünf Prozent, in München elf. In Frankfurt ist hauptsächlich Ryanair für das Billigflug-Angebot verantwortlich, in München Eurowings und in Teilen Easyjet.

An mittelgroßen Flughäfen steht und fällt der Billig-Anteil mit Eurowings

Beim Blick auf die Gruppe der größeren Flughäfen in Metropolregionen ohne Drehkreuzfunktion verschiebt sich das Bild in Richtung Low-Cost. In Hamburg (46 Prozent), Düsseldorf (47 Prozent), Berlin-Tegel (53 Prozent) und Stuttgart (57 Prozent) fallen rund die Hälfte der Flüge in diese Kategorie. An allen genannten Standorten ist die Lufthansa Group, im Gegensatz zu Frankfurt und München, mit ihrem Billig-Ableger Eurowings stark vertreten. In Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart ist Eurowings mit Abstand Markführer. In Berlin-Tegel fällt diese Rolle Easyjet zu, die seit 2017/2018 einen Großteil der Air-Berlin-Kapazitäten übernommen hat.

Dort wo Eurowings weniger Verkehr abwickelt sinkt auch der Billig-Anteil. In Leipzig und Hannover liegt er bei rund 25 Prozent. In Bremen, Nürnberg, Dresden, Paderborn und Münster/Osnabrück zwischen 30 und 50 Prozent.

Anteil von Low-Cost-Airlines an der angebotenen Sitzplatzkapazität deutscher Flughäfen
Flughafen Anteil Low Cost in Prozent
FMM 100
NRN 100
ERF 100
DTM 99
HHN 98
SXF 89
FKB 87
CGN 77
HDF 59
STR 57
TXL 53
NUE 52
DRS 49
GWT 49
DUS 47
HAM 46
BRE 44
RLG 36
FMO 35
FDH 32
PAD 30
HAJ 24
LEJ 23
SCN 14
MUC 11
FRA 5
KSF 0
MHG 0

Quelle: ch-aviation/OAG

Demgegenüber stehen die klassischen Low-Cost-Flughäfen Berlin-Schönefeld und Köln/Bonn. Am Rhein fallen 77 Prozent der angebotenen Kapazität in die Günstig-Kategorie. Der Löwenanteil geht dabei auf Eurowings, aber auch Ryanair ist am Konrad-Adenauer-Airport stark vertreten. In Schönefeld werden gar 89 Prozent im Billigflug-Segment abgewickelt, hauptsächlich von Ryanair und Easyjet.

In absoluten Zahlen bedeuten die Low-Cost-Anteile, dass in Düsseldorf und Berlin-Tegel mit derzeit rund 170.000 angebotenen Sitzen die meisten Billig-Flüge starten. Gefolgt von Köln/Bonn, Berlin-Schönefeld, Stuttgart und Hamburg mit ebenfalls über 100.000 Sitzen pro Woche. Erst dann folgen München mit rund 76.000 und Frankfurt mit 45.000 Sitzen.

Angebotene Low-Cost-Kapazität an deutschen Flughäfen
Flughafen Wöchentliches Angebot Low-Cost-Sitze in Tsd./KW36
DUS 169
TXL 168
CGN 139
SXF 111
STR 109
HAM 109
MUC 76
FRA 45
DTM 33
NUE 33
HAJ 22
FMM 22
FKB 16
NRN 16
HHN 16
BRE 13
DRS 9
LEJ 8
FMO 5
PAD 3
FDH 2
GWT 1
SCN 1
ERF 0,5
RLG 0,5
GTI 0,2
KSF 0
MHG 0

Quelle: ch-aviation/OAG

Einige Regional-Flughäfen werden nur von Low-Cost-Airlines angeflogen

Sehr eindeutig lässt sich das Verkehrsaufkommen an den Regionalflughäfen in Dortmund, Erfurt, Karlsruhe, Memmingen, Frankfurt-Hahn und Weeze zuordnen. Alle sechs sind fast vollständig in Low-Cost-Hand. In Dortmund ist Wizz Air die Nummer Eins, in Erfurt Laudamotion, an den anderen Ryanair. Die Iren sind aber gerade dabei, sowohl in Weeze als auch Hahn ihr Engagement kontinuierlich zurückzufahren.

Bei den kleinsten Verkehrsflughäfen in Deutschland wiederum sind die Billig-Flieger kaum vertreten. Zwar fliegt Eurowings einige von ihnen an, der hauptsächliche Verkehr wird jedoch von Nischenanbietern und Ferienfliegern dargestellt. In Saarbrücken, Rostock, Kassel und Westerland sind durchschnittlich 23 Prozent Low-Cost-Angebote. Etwas mehr in Friedrichshafen mit 32 Prozent.

Unter dem Begriff Low-Cost-Airlines sind in diesem Text Eurowings, Easyjet, Ryanair, Level, Corendon, Laudamotion, Norwegian, Pegasus Airlines, Scoot, Pobeda, Level, Vueling und Wizz Air zusammengefasst.

Von: dk

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