Analyse Billig-Töchter sichern Airline-Gruppen Marktführerschaft in den Heimatmärkten

Wo Ryanair und Easyjet den Low-Cost-Markt dominieren, verlieren die großen Airline-Gruppen Marktanteile. Ihre Heimatmärkte versuchen Lufthansa, Air-France/KLM und IAG daher mit eigenen Billigfliegern zu halten. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Leitwerke der Lufthansa Group Airlines. © Lufthansa Group
Zur Airline-Gruppe IAG gehören Aer Lingus, British Airways, Iberia und Vueling. © IAG
Flugzeuge von KLM und Air France. © Air France/KLM

Vergleicht man die Marktanteile der drei großen europäischen Airline-Gruppen in ihren jeweiligen Heimatmärkten, zeigen sich deutliche Unterschiede. Wir haben das Sitzplatzangebot von der Lufthansa Group, Air France-KLM und IAG mit den Kapazitäten der Konkurrenz verglichen. Basis der Daten sind die Angaben von CH-Aviation und OAG.

Lufthansa Group

Im drittgrößten europäischen Luftfahrtmarkt Deutschland ist die Lufthansa Gruppe stark vertreten. Rund 1,9 Millionen von den insgesamt zur Verfügung stehenden rund 3,5 Millionen ab Deutschland angebotenen Sitzplätzen werden von Airlines des Konzerns angeboten. Das entspricht einem Marktanteil von 54 Prozent.

1,15 Millionen Sitze oder circa 32 Prozent am deutschen Gesamtangebot entfallen dabei auf die deutsche Netzwerk-Airline Lufthansa Passage mit ihren Hubs in Frankfurt und München. Weitere rund 480.000 Sitze oder 14 Prozent gehen auf das Konto der Günstig-Tochter Eurowings. Die restlichen rund 250.000 Sitze verteilen sich auf weitere Konzern-Airlines.

© Flughafen München GmbH, Lesen Sie auch: So groß ist der Lufthansa-Anteil an den deutschen Flughäfen

Noch präsenter ist die Lufthansa Group in Österreich, vor allem vertreten durch den Heimat-Carrier der Alpenrepublik, Austrian Airlines und wiederum Eurowings. 46 Prozent respektive 217.000 der insgesamt angebotenen rund 475.000 Sitze kommen von Austrian, Eurowings steuert 42.000 bei. Insgesamt kommt der größte Luftfahrt-Konzern in Österreich auf einen Marktanteil von 60 Prozent.

Mit nur 48 Prozent Marktanteil ist die Schweiz der schwächste DACH-Markt der Lufthansa Group. Dies liegt vor allem darin begründet, dass Lufthansa-Low-Cost-Airline Eurowings mit einem Marktanteil von knapp über zwei Prozent nur schwach vertreten ist. Das Billig-Segment in der Schweiz liegt mit über 20 Prozent Marktanteil klar in der Hand von Easyjet, die von hier unter anderem mit Easyjet Switzerland abhebt.

Platzhirsch in der Schweiz ist mit insgesamt 35 Prozent Marktanteil (rund 270.000 der insgesamt angebotenen 770.000 Sitze) aber die zur Lufthansa Group gehörende Swiss. Weitere rund fünf Prozent zum Marktanteil der Lufthansa Gruppe steuert der Ferienflieger Edelweiss Air bei.

Auch in Belgien spielt Eurowings kaum eine Rolle, nachdem Brussels Airlines vom Lufthansa Konzern offiziell nicht mehr dem Punk-zu-Punkt-Verkehr hinzugerechnet wird. Brussels soll als Netzwerk-Airline mit eigenem Markenauftritt die wichtigste eigenständige Fluggesellschaft in Belgien bleiben. Mit einem Marktanteil von 36 Prozent ist die Lufthansa Gruppe in Belgien von allen Heimatmärkten am schwächsten vertreten. 140.000 der 165.000 angebotenen Sitze des Konzerns, rund 30 Prozent des Gesamtmarktes, kommen von Brussels Airlines. Low-Cost-Primus in Belgien ist Ryanair.

Airline LH Group (Legacy) LH Group Lowcost sonstige Lowcost Sonstige
Deutschland 40 14 19 27
Österreich 51 9 20 20
Schweiz 46 2 26 26
Belgien 36 0,2 28 36

Anteil des Sitzplatzangebots von Punk-zu-Punkt-Airlines ("Billigflieger") und sonstigen Airlines in ausgewählten europäischen Luftverkehrsmärkten in der KW37/2019.Quelle: airliners.de; OAG

Air France-KLM

Eine ähnliche starke Rolle wie Lufthansa im deutschsprachigen Raum spielt Air France-KLM in den Niederlanden. Mit einem Marktanteil von 55 Prozent ist die Gruppe klar an der Spitze im niederländischen Luftfahrtmarkt. Die große Präsenz ist einerseits auf den Home-Carrier KLM an ihrem Hub Amsterdam Schiphol zurückzuführen, die dort 411.000 Sitze oder 42 Prozent der wöchentlichen niederländischen Gesamtkapazität anbietet. Zum anderen besitzt Air France-KLM mit Transavia einen Billigflieger, der mit zwölf Prozent Marktanteil in den Niederlanden ähnlich stark ist, wie Eurowings in Deutschland.

Dieser Effekt der Beteiligung am Low-Cost-Markt verdeutlicht sich beim Blick auf Frankreich. Hier sinkt der Marktanteil von Air France-KLM auf 39 Prozent, wovon nur vier Prozentpunkte von der Billigtochter Transavia beziehungsweise ihrem französischen Pendant Transavia France angeboten werden. Größter Player im Punkt-zu-Punkt-Verkehr ist in Frankreich Easyjet - mit einem Marktanteil von rund 13 Prozent. 34 Prozent Marktanteil oder rund 850.000 der insgesamt gut 2,5 Millionen angebotenen Sitze pro Woche entfallen auf Home-Carrier Air France.

Airline Air France-KLM (Legacy) Air France-KLM Lowcost sonstige Lowcost Sonstige
Niederlande 43 12 18 27
Frankreich 35 4 29 32

Anteil des Sitzplatzangebots von Punk-zu-Punkt-Airlines ("Billigflieger") und sonstigen Airlines in ausgewählten europäischen Luftverkehrsmärkten in der KW37/2019.Quelle: airliners.de; OAG

International Airlines Group (IAG)

Mit nur 20 Prozent hat IAG den vergleichsweise schwächsten Heimatmarkt-Anteil aller Gruppen. Schon früh war das Land ein wichtiger Markt für die Low-Cost-Pioniere Ryanair und Easyjet. Im Billig-Segment kann IAG den beiden Point-to-Point-Konkurrenten bis heute nichts entgegensetzen. Aber British Airways hat auch im Legacy-Bereich einen starken Konkurrenten: Auf der Langstrecke heißt die Konkurrenz durch Virgin Atlantic. Hinzu kommt die große Zahl internationaler Fluggesellschaften, die London anfliegen. So entfallen gut 660.000 der rund 3,8 Millionen angebotenen wöchentlichen Sitzplätze in Europas größtem Luftfahrtmarkt auf British Airways, was einem Marktanteil von 17 Prozent entspricht.

Stärker ist IAG in Spanien vertreten, dem Heimatmarkt der zweitgrößten Airline der Gruppe: Iberia. Diese kommt zwar nur auf einen Anteil von 14 Prozent am zweitgrößten Markt des Kontinents mit seinen fast 3,6 Millionen angebotenen Sitzen pro Woche. Doch ist IAG hier mit einer eigenen starken Low-Cost-Marke vertreten. Die in Barcelona beheimatete Vueling Airlines ist mit 17 Prozent Marktanteil sogar größer als Iberia. Zusammen mit den weiteren IAG-Airlines hat die Gruppe einen Anteil von 33 Prozent.

Die höchsten Marktanteile erzielt IAG in ihrem dritten Heimatmarkt, Irland. Hier kommt die Gruppe auf 36 Prozent, wobei 35 Prozentpunkte die ehemalige National-Airline Aer Lingus beisteuert, rund 175.000 wöchentliche Sitze. Der Low-Cost-Bereich ist fest in Hand der ebenfalls aus Irland stammenden Ryanair, die auf einen Marktanteil von 41 Prozent kommt.

Airline IAG (Legacy) IAG Lowcost sonstige Lowcost Sonstige
Großbritannien 19 1 45 35
Spanien 16 17 38 29
Irland 35 1 42 22

Anteil des Sitzplatzangebots von Punk-zu-Punkt-Airlines ("Billigflieger") und sonstigen Airlines in ausgewählten europäischen Luftverkehrsmärkten in der KW37/2019. Quelle: airliners.de; OAG

Insgesamt zeigt sich: Wo die großen europäischen Airline-Gruppen nicht selbst mit Low-Cost-Angeboten stark vertreten sind, sinkt die anteilige Präsenz der ehemaligen National-Carrier in ihren Heimatmärkten deutlich. Besonders stark zeigt sich das in Großbritannien, dem Nukleus des europäischen Punkt-zu-Punkt-Geschäftsmodells. Das Engagement der Lufthansa beim schnellen Aufbau der Eurowings-Kapazitäten nach dem Wegfall von Air Berlin kann in Deutschland auch vor diesem Hintergrund betrachtet werden.

© AirTeamImages.com, Simone Ciaralli Lesen Sie auch: Billigflug-Anteil in Deutschland ist vergleichsweise niedrig Analyse

Diese Analyse beschäftigt sich mit dem Marktanteil von Low-Fare-Airlines in den 20 größten europäischen Luftverkehrsmärkten. Als Low-Fare-Airlines zählen dabei alle Fluggesellschaften mit Point-to-Point-Verbindungen im Liniendienst, die auf klassische Komfortmerkmale verzichten oder diese gegen Zusatzzahlungen anbieten, wie Ryanair, Easyjet, Eurowings, Transavia, Wizz Air und Norwegian. Nicht dazu gehören neben den klassischen Netzwerkairlines, Charterfluggesellschaften wie Tuifly oder die Thomas-Cook-Airlines sowie Linienfluggesellschaften mit regionalem Fokus.

Von: dk

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