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Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth im Gespräch mit Emirates-Chef Tim Clark.

Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth im Gespräch mit Emirates-Chef Tim Clark.Foto: © Andreas Spaeth

Andreas Spaeth befragt den britischen Manager und langjährigen Emirates-Airline-Chef über die Versäumnisse der Luftfahrtbranche vor und nach der MH17-Katastrophe. Spaeth fragt:

Sir Tim, Sie haben gesagt, MH17 wurde von einer Rakete und ganz bewusst abgeschossen nach Ihrer Meinung. Was könnte das Motiv gewesen sein?
Clark: Irgendwann werden das die dafür Verantwortlichen gefragt werden. Hoffentlich vor Gericht. Ich kann natürlich für die nicht sprechen. Alles was ich weiß ist, wie komplex die Waffen waren, die benutzt wurden: Die Notwendigkeit von Ortungsgeräten, um zu erfassen was sie abschießen wollten. Und solche, um es zu identifizieren und um die Daten vom Kontrollfahrzeug in die Raketensteuerung zu laden, damit sich die Rakete ans Ziel heften konnte. Dies war keine hitzesuchende Rakete. Sie konnte bis 79.000 Fuß (24.079 Meter) aufsteigen. Also gab es bis auf 79.000 Fuß ein Risiko, aber so hoch fliegen wir nicht, da hätte man fast einen Satelliten mit abschießen können. Wir müssen diese Fragen stellen und brauchen Antworten. Das war ein krimineller Akt, ich würde das vorsätzlichen Mord nennen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen bei Zeiten zur Rechenschaft gezogen werden.

Warum flogen denn dieses Flugzeug und andere überhaupt auf dieser Route?
Clark: Ich war extrem betroffen von dem, was auf dieser Route, auf dieser Höhe, im Juli passiert ist, und das besonders nach dem Verschwinden von MH370 kurz vorher. Wir hätten es als Branche besser machen können, in dem wir die Informationen zusammengetragen hätten, die bereits in der Industrie kursierten. Ich bin sehr erfreut, dass meine öffentliche Kritik an IATA und ICAO aufgenommen wurde und für Februar eine Sicherheitskonferenz angesetzt wurde. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich habe mit vielen anderen CEOs gesprochen, alles Konkurrenten, die der Meinung sind dass wir das, was wir tun, verbessern müssen.

Und was wäre das?
Clark: Es ist schön und gut zu sagen, dass der Luftraum von dem Land kontrolliert wird, über dem wir fliegen, und dass es dessen Entscheidung ist, was gemacht wird. Aber wenn ein Land durch einen Bürgerkrieg in zwei Teile gerissen wird, ändern sich die Dinge grundlegend. Als Airline-Gruppe hätten wir fragen sollen: „Sind wir sicher, dass die ukrainische Regierung wirklich die Kontrolle hat über den Luftraum, in dem wir fliegen und sind wir sicher, dass man uns nicht angreifen kann?“. Obwohl sie gesagt haben, ab einer gewissen Flughöhe sei es sicher. Und wenn das so ist, dann müssen wir absolut sicher sein, unsere Passagiere, Besatzungen und Flugzeuge keinem Risiko auszusetzen.

Hat Emirates den ostukrainischen Luftraum vor MH17 bereits gemieden und wenn ja, warum?
Clark: Nur sehr wenige unserer Flüge, wenn es überhaupt welche gab, sind da durchgeflogen. Wir haben damals Kiew bedient, was wir quasi sofort gestoppt haben. Und die Route dahin führte südlich über das Schwarze Meer und dann von Norden her nach Kiew. Damit konnten wir diesen Luftraum vermeiden.

Hatte Emirates irgendwelche Informationen über potenzielle Gefahren zum Zeitpunkt des MH17-Vorfalls?
Clark: Nein, ich persönlich hatte davon keine Ahnung, dass diese Art von Waffensystemen in den Osten des Landes verlegt wurden. Und hätte ich das gewusst, wäre ich definitiv nicht glücklich darüber gewesen. Heute ist aber klar, dass einige Leute davon wussten. Aber ich mache ihnen keine Vorwürfe, das ist sehr schwierig alles. Die Sensibilitäten, Informationen weiterzugeben, die von Geheimdienst-Apparaten verschiedener Länder stammen, sind schon von der Natur der Sache her geheimnisumwittert.

Wie kann man das überwinden?
Clark: Was ich versuche zu erreichen ist, dass die Airline-Industrie diese Informationen einfach nimmt, unabhängig von der Quelle, egal wie geheim sie sein mögen, und nicht fragt wo sie herkommen. Stattdessen lieber sagt: „Das wird vermutlich so sein, bitte helft uns, damit wir Entscheidungen treffen können“. Und daraus könnten dann Arbeitsgruppen von IATA und ICAO entstehen. Die Welt war wirklich tief geschockt von diesem Vorfall, alle Regierungen tief betroffen. Das war eine völlige Änderung der Ausgangslage und muss auf dieser Basis behandelt werden. Alle Beteiligten müssen sich verbessern.

Schon weil die Welt leider gerade nicht friedfertiger wird?
Clark: Unglücklicherweise ist die Welt heute voller Konfliktzonen. Da haben wir als Airline-Gemeinschaft manchmal wenig andere Möglichkeiten als da durchzufliegen, oder sie komplett zu vermeiden, also gar nicht zu fliegen. Wir haben aufgehört nach Erbil, Damaskus, Tripolis und seit kurzem auch nach Sanaa zu fliegen. Wir hatten ein Fragezeichen über Peshawar in Pakistan. Mit solchen Dingen schlagen wir uns als Management dauernd herum. Je mehr Informationen ich habe, desto einfacher wird mein Job. Wir haben nach allem die Entscheidung getroffen, nicht über den Irak zu fliegen, und die Leute fragen: „Wussten Sie etwas?“ Ich wusste nichts, es war einfach eine Risikoabwägung.

Warum waren es bisher die Airlines selbst, die entscheiden mussten wohin sie fliegen würden oder ob überhaupt?
Clark: Airlines in Ländern, die eine Luftfahrtbehörde haben wie die FAA in den USA oder unsere Zivilluftfahrtbehörde in den Arabischen Emiraten, bekommen von denen gesagt, wo sie fliegen können oder nicht. Meistens gibt es da einen Dialog zwischen uns und den Behörden. Manchmal aber wissen die Airlines mehr als die Behörden. Wenn wir dieses Wissen besser unter uns teilen würden, wäre das besser für uns alle.

Die Kreuzfahrtbranche musste mit Buchungseinbrüchen fertig werden nach der Havarie der „Costa Concordia“ 2012. Die Luftfahrt hatte keine derartigen Rückgänge zu verzeichnen nach den beiden Vorfällen von Malaysia Airlines dieses Jahr. Warum ist sie widerstandsfähiger?
Clark: Die Luftfahrt spielt vielleicht in dem, was sie tut, eine entscheidendere Rolle als die Kreuzfahrtindustrie. Die Kreuzfahrer sind nur für den Freizeitmarkt da und es ist eine großartige Branche. Aber sie hält nicht den Planeten zusammen. Das tut der Luftverkehr aber, die Luftfahrtbranche ist der physische Klebstoff von allem, was passiert. Ohne sie würde die Welt zu einem plötzlichen Halt kommen, wie wir das in der Vulkanasche-Situation gesehen haben.

Über den Autor

Regelmäßig veröffentlicht der Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth auf airliners.de Interviews und Kolumnen aus der Reihe "Spaeth fragt".

Andreas SpaethAndreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten. Als Autor zahlreicher Bücher und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen ist er weltweit unterwegs und trifft bei seinen Recherchen auf interessante Persönlichkeiten aus der Branche. Kontakt zu Andreas Spaeth.

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