Simulatorengpässe bedrohen schnelle 737-Max-Wiederinbetriebnahme

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Die Boeing 737 Max greift automatisch in die Flugsteuerung ein. Das konnten Piloten bislang nicht trainieren. In Erwartung neuer Schulungsvorgaben blocken Airlines nun Stunden auf den wenigen Max-Simulatoren. Denn die Geräte sind mehr als knapp.

Innenansicht eines Boeing 737-700 Simulators © Air Team Images / TT

Selbst wenn die Boeing 737 Max demnächst wieder für den kommerziellen Flugverkehr freigegeben wird, sorgen sich die Fluggesellschaften aktuell um weitere Verzögerungen. Denn wie airliners.de aus Branchenkreisen erfuhr, bereiten sich erste Airlines auf ein mögliches Stau-Szenario bei möglichen neuen Trainingsvorgaben für die Cockpit-Crews der neuesten Boeing-737-Version vor.

Bislang ist vorgesehen, 737-Max-Piloten auf den zahlreich vorhandenen Simulatoren für die „Next Generation“ (NG) genannten Vorgänger-Baureihen (737-600, -700, -800 und -900) zu trainieren. Zur Umschulung auf die Max gibt es lediglich ein Theorie-Training am Computer. Direkt im Anschluss können die Piloten den Angaben nach für kommerzielle Flüge auf der Max eingesetzt werden.

Sollte diese einfache Option für die Umschulung und das regelmäßige Training der Crews auf der Max künftig wegfallen, dürfte es kurz- und mittelfristig zu einem deutlichen Engpass der Simulatorkapazitäten kommen. Denn die Anzahl der weltweit ausgelieferten Max-Simulatoren kann derzeit noch an einer Hand abgezählt werden.

Airlines reservieren vorsorglich Trainings-Slots

Es sei durchaus denkbar, dass eine erneute Betriebserlaubnis für das Muster von den Behörden an ein Training auf speziellen Max-Simulatoren gebunden wird, sagte ein Pilot, der nicht namentlich genannt werden möchte, zu airliners.de.

Einige 737-Max-Betreiber hätten in den letzten Tagen bereits vorsorglich Trainingsslots reservieren lassen, falls mit der erneuten Betriebserlaubnis durch die Behörden auch ein spezielles Training der Piloten in einem Max-Simulator Vorschrift werden sollte.

© Air Team Images, Weimeng Lesen Sie auch: Piloten stellen Forderungen an 737-Max-Wiederzulassung

Eine behördliche Anordnung, zukünftig auf speziellen Max-Simulatoren zu trainieren, sei „durchaus vorstellbar“, so der mit der Materie vertraute Flugzeugführer. Immerhin habe Boeing die Philosophie bei dem neuen Flugzeug mit der Einführung des Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) grundlegend geändert. Ein Fakt, der selbst den Airlines erst nach den Ermittlungen zu den Max-Abstürzen bekannt wurde.

In der Folge gibt die Max den Piloten nicht mehr jederzeit die volle Kontrolle über das Flugzeug. Mit dem MCAS gebe es in den neuen Flugzeugen ein System, das unter bestimmten Bedingungen in die Flugsteuerung eingreife und dann teilweise sogar gegen die Eingaben des Piloten arbeite, so der Pilot. Dies erfordere „mindestens eine Anzeige des Steuereingriffs, idealerweise aber ein spezielles Training“.

Neue Regelungen werden aktuell definiert

Ob die Piloten-Trainings für die 737 Max nach wie vor auf den NG-Simulatoren stattfinden können, ist allerdings noch vollkommen offen. Derzeit beraten Vertreter verschiedener nationaler Luftsicherheitsbehörden über das weitere Vorgehen und die neuen Voraussetzungen für die Wiederzulassung und die Trainings.

Nach Einschätzung von Björn Reimer, Vorstand für Flight Safety bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), hängen die neuen Vorgaben in Sachen Simulatortraining für die Max vor allem davon ab, ob im NG-Simulator auch nach den neuen MCAS-Erkenntnissen weiterhin eine realistische Abbildung der Cockpitsituation in der Max gegeben sei.

Ein Training für verschiedene Typen desselben Flugzeugmusters sei dabei an sich erst einmal nichts Besonderes, erläutert Reimer. Diese Simulatoren könnten die wichtigen Spezifika aller unterschiedlichen Versionen realistisch abbilden, so Reimer.

Boeing hatte nach dem Update für die Flugsteuerung der Boeing 737 Max auch ein Update für die Flugsimulatoren vorgestellt. Damit räumte das Unternehmen erstmals ein, dass es zuvor nicht möglich gewesen war, Flüge in der Max adäquat im Simulator abzubilden. In wie fern es sich dabei um ein Update der wenigen Max-Simulatoren oder auch um die NG-Simulatoren handelte, wurde nicht bekannt.

Boeing teilte ebenfalls nicht mit, wann das Problem mit den Max-Simulatoren auffiel. Das Unternehmen versicherte allerdings, dass es bei den Veränderungen an der Software eng mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeite, um sicherzustellen, dass das Pilotentraining ungehindert fortgesetzt werden könne.

© dpa, Andrew Harnik/AP Lesen Sie auch: Boeing-Softwareupdate liegt FAA nicht vor

Von: dh, hr

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