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Luftsicherheit an Flughäfen ist weltweit unterschiedlich geregelt, © SITA
Hinweisschild am Flughafen Atlanta © SITA
Luftsicherheit an Flughäfen ist weltweit unterschiedlich geregelt, © dpa
Sicherheitspersonal am Flughafen Frankfurt/Main © dpa

Terroristen haben in Istanbul erneut einen Flughafen als Ziel für einen Anschlag gewählt. Nun geht die Kontroverse um Flughafen-Sicherheitsmaßnahmen in eine neue Runde.

Schon nach dem Anschlag auf den Flughafen Brüssel stand dabei eine Frage im Zentrum der Diskussion: Sollten Sicherheitsbereiche schon an die Gebäudeeingänge vorverlegt und alle Besucher durchleuchtet werden? Oder müssen ganz andere Ansätze her, da vorgelagerte Kontrollen zumindest in Istanbul offenbar nicht genug abgeschreckt haben?

Andere Kontrollen als in Deutschland

Die Terroristen in Istanbul starteten ihren Angriff bereits vor den Zugangskontrollen zum Terminal. In der Türkei sind solche Einlasskontrollen an jedem Flughafen Standard. Schon beim Eintritt ins Gebäude wird das Gepäck geröntgt, also Handgepäck und aufzugebende Koffer. Jeder, der in den Flughafen will, muss durch einen Metallscanner. Nach dem Check-in folgt eine zweite Sicherheitskontrolle, die der in Deutschland entspricht und die nur noch Fluggäste passieren dürfen.

Auch in Russland gibt es solche Vorkontrollen. Sie wurden nach einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo eingeführt. Wer heute einen der drei Moskauer Flughäfen betritt, wird schon am Gebäudeeingang kontrolliert: Reisende wie Besucher müssen Handtaschen öffnen, Hosen- und Jackentaschen leeren und durch einen Metalldetektor laufen. Das Hauptgepäck wird von einem Röntgengerät durchleuchtet.

In Staaten mit hoher Terrorbedrohung sind solche Kontrollen teils schon weit vor den Eingängen üblich. Am größten Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul etwa müssen Reisende vor der Ankunft im Terminal durch zwei Autokontrollen samt Sprengstoffspürhunden, drei Ticketkontrollen und fünf Körperkontrollen. Auch das Gepäck muss mehrfach zum Durchleuchten auf Bänder gewuchtet werden.

Israel hat die höchsten Sicherheitsstandards

Aber es geht sogar noch aufwändiger: Israels internationaler Flughafen Ben Gurion etwa wird besonders streng geschützt, da das Land seit Jahrzehnten mit einer Terrorbedrohung lebt. Nach einem Anschlag mit 26 Toten im Jahr 1972 baute Israel die Sicherheitsmaßnahmen aus. Dabei wird heute ein Ring von Kontrollen eingesetzt, der einer Zwiebel gleicht.

Passagiere am Ben Gurion Airport von Tel Aviv in Israel. Foto: © dpa - Bildfunk, EPA/JIM HOLLANDER

Passagiere werden bei der Ankunft im Auto schon Kilometer vor dem Terminal von bewaffneten Sicherheitskräften überprüft. Nach Passieren eines weiteren Wächters am Eingang folgen im kameraüberwachten Terminal selbst eine persönliche Befragung und eine gründliche Untersuchung des Gepäcks mit Durchleuchtungssystemen. Dabei werden Reisende in verschiedene Risikogruppen eingestuft. Bei den Kontrollen geht Sicherheit eindeutig vor Persönlichkeitsrechten - was immer wieder zu Beschwerden führt, vor allem von arabischen Reisenden.

Ex-Sicherheitschef am Hochsicherheitsflughafen Ben-Gurion:
"Wir arbeiten mit Sicherheitskreisen"

Der Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv gilt weltweit als führend in Sachen Luftsicherheit. Der ehemalige Sicherheitschef des Flughafens, Pini Schiff, plädiert im Interview für frühzeitige Kontrollen der Passagiere:

Was ist der Unterschied zwischen dem Atatürk- und dem Ben-Gurion-Flughafen?
Schiff: Natürlich muss man die Leute vor dem Gebäude überprüfen, damit man die Möglichkeit hat, einzelne Personen am Eintritt zu hindern. In der Türkei entstehen bei den Sicherheitskontrollen am Eingang aber lange Schlangen. Wir achten darauf, dass sich bei uns keine solchen Schlangen bilden. Das Problem jedes internationalen Flughafens sind Menschenansammlungen. Deswegen braucht es ein System, damit das Sicherheitspersonal Verdächtige entdecken und schnell reagieren kann. Unser System ermöglicht uns, jemanden, der schießt, sofort auszuschalten.

Wie ist das System aufgebaut?
Schiff: Wir arbeiten mit Sicherheitskreisen: Wir kontrollieren jedes Fahrzeug, das in das Gebiet um den Flughafen herum fährt. Der nächste Kreis ist der Eingang zum Flughafen, wo die Leute ebenfalls überprüft werden. Anschließend mischt sich Sicherheitspersonal unter die Passagiere - allerdings unerkannt. Man kann am Check-in stehen, und die Person neben einem ist ein Sicherheitswachmann, ohne dass man es weiß. Bei uns sieht man keine Soldaten mit Maschinengewehren im Flughafen. Am Ende kommt noch der Sicherheitscheck der Personen und des Handgepäcks.

Woher stammt das Personal?
Schiff: Wir haben Sicherheitsoffiziere, die aus den Elite-Kampfeinheiten der israelischen Armee stammen. Wir trainieren sie zudem an einer speziellen Akademie bis zu weitere sechs Monate dafür, wie sie im Fall eines Terroraktes reagieren müssen. Im Vergleich zu anderen Nationen haben wir viel Erfahrung damit, was man gegen Terrorismus tun muss.

Was können andere Flughäfen in Sicherheitsfragen von Israel lernen?
Schiff: Die israelische Philosophie lautet, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Passagier nicht wie in einem Militärcamp fühlt. Aber wir in Israel können auch Verfahren durchführen, die größere Flughäfen nicht machen können. Am Ben Gurion gibt es im Jahr 16 Millionen Passagiere. In anderen Airports sind es mehr als 60 Millionen.

In Europa ist das ganz anders. Selbst nach den Bombenanschlägen am Brüsseler Flughafen Zaventem im März wurden dort die Sicherheitsmaßnahmen nur kurzzeitig drastisch verschärft. So wurden Passagiere und ihr Gepäck bereits am Eingang zu den Terminals kontrolliert. Wer die Halle betreten wollte, musste seinen Ausweis und ein Flugticket vorzeigen. Nach Protesten von Reisenden in langen Warteschlangen wurden die Maßnahmen aber nach wenigen Wochen wieder gelockert.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Nach Brüssel: EU-Kommission beschäftigt sich weiter mit Flughafensicherheit

Als Reaktion auf die Anschläge von Brüssel hatte die EU-Kommission die Einführung von Sicherheitskontrollen erwogen, die bereits vor dem Betreten eines Flughafengebäudes stattfinden sollen. Das europäische Flughafenverband Airports Council International (ACI) sowie der deutsche Flughafenverband ADV hatten schon damals vor Aktionismus gewarnt. Zutrittskontrollen vor den Terminals würden die Gefährdung nur verschieben, die Einführung zusätzlicher Security-Checks sei "unrealistisch und ineffezient".

In Deutschland gibt es derzeit keinerlei Einlasskontrollen vor dem öffentlichen Terminalzugang. Der Sicherheitsbereich beginnt erst innerhalb der Terminals hinter den Personenkontrollstellen für den Flugbetrieb. Die davor liegenden Bereiche mit Geschäften, Schaltern und Lokalen werden von der Polizei und Bundespolizei mit Streifen und Video-Kameras überwacht.

Terroranschläge auf Flughäfen

Flughäfen geraten immer wieder ins Visier von Terroristen. Meistens überwinden die Angreifer dazu nicht die Sicherheitskontrollen, sondern greifen vom öffentlichen Bereich aus an. Einige Fälle:

März 2016 - Zwei Bomben explodieren in einer der Abflughallen des öffentlich zugänglichen Terminals des Brüssler Flughafens Zaventem. Auch in einem U-Bahnhof im EU-Viertel von Brüssel gibt es einen Anschlag.

März 2016 - Bei der Explosion einer Laptop-Bombe auf einem Flughafen im Krisenstaat Somalia werden mindestens sechs Menschen verletzt. Der Sprengsatz explodiert an einem Kontrollpunkt im Airport der Stadt Beledweyne.

Dezember 2015 - Militante Kurden greifen einen Istanbuler Flughafen mit Mörsergranaten an. Eine Reinigungskraft kommt ums Leben, mehrere Flugzeuge werden beschädigt.

Juli 2014 - Ein libanesischer Selbstmordattentäter sprengt sich in einem mit israelischen Touristen besetzen Reisebus am Airport von Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste in die Luft. Sieben Menschen sterben, mehr als 30 werden verletzt.

Juni 2014 - Taliban-Kämpfer greifen als Polizisten getarnt einen Flughafen in Karachi (Pakistan) an. Bei stundenlangen Gefechten werden die zehn Angreifer und Dutzende weitere Menschen getötet.

März 2011 - Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Airport zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. 2012 wird er zu lebenslanger Haft verurteilt.

Januar 2011 - Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Juni 2007 - Brandanschlag auf den Airport in Glasgow: Islamisten versuchen, mit einem brennenden Jeep in die Terminalhalle vorzudringen. Der Fahrer stirbt, es gibt mehrere Verletzte.

Dezember 2006 - Bei einem Bombenanschlag der baskischen Separatistenorganisation ETA auf dem Madrider Flughafen Barajas kommen zwei Menschen ums Leben. Parkdecks stürzen ein.

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