Schwieriges erstes Quartal für die drei großen Airline-Gruppen

Die drei großen europäischen Airline-Konzerne Lufthansa, International Airlines Group und Air France/KLM blicken auf ein schwieriges erstes Quartal zurück. Die finanziellen Ergebnisse werden von gestiegenen Treibstoffkosten und der Ausweitung der Kapazitäten belastet.

Lufthansa und British Airways am Flughafen Düsseldorf © AirTeamImages.com / Serge Bailleul

Gestiegene Kerosinpreise, größerer Preisdruck und das späte Ostergeschäft haben den großen drei Airline-Gruppen im ersten Quartal des Jahres die Bilanzen verdorben. Zwar konnten die Lufthansa Group, Air France/KLM und die International Airlines Group (IAG) ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Unter dem Strich blieb aber jeweils weniger als im vergangenen Jahr.

Beim Umsatz steht die Lufthansa-Group mit 7,9 Milliarden Euro dabei weiter an der Spitze. Air France-KLM kommt mit sechs Milliarden Euro auf Platz zwei. Beide Konzerne weisen damit gut drei Prozent Zuwachs aus.

IAG konnte beim Umsatz sogar rund doppelt so viel zulegen: Die kleinste der drei großen europäischen Airline-Gruppen, der Mutterkonzern von British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus und Level, konnte ihre Erlöse um rund sechs Prozent auf 5,3 Milliarden Euro steigern.

Quartalsergebnisse im Minus

Einzig die IAG kann im ersten Quartal 2019 vor Steuern einen kleinen Gewinn ausweisen, muss dabei aber einen herben Rückgang hinnehmen. Das Vorsteuerergebnis sank um knapp 63 Prozent auf rund 70 Millionen Euro. IAG-Chef Willy Walsh äußerte sich dennoch zufrieden. Die Quartalszahlen seien neben dem fehlenden Ostergeschäft durch Treibstoff- und Währungskosten sowie gestiegene Kapazitäten im Markt erklärbar, so Walsh laut Mitteilung des Unternehmens.

Die Lufthansa Group begründet ihre schlechten Quartalszahlen ähnlich. Zusätzliche Kosten in Höhe von gut 200 Millionen Euro für Kerosin und das große branchenweite Kapazitätswachstum in Europa hätten die Erlöse schrumpfen lassen, teilte der Konzern mit. Vor Steuern steht im ersten Quartal ein Verlust von 336 Millionen Euro in den Büchern. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe im traditionell schwächsten Quartal des Jahres noch einen kleinen Gewinn in Höhe von 52 Millionen Euro verbucht.

Ähnlich erging es auch der Air France-KLM-Gruppe. CEO Benjamin Smith verwies laut Unternehmensmitteilung auf ein substantielles Kapazitätswachstum in Europa, das Druck auf die Preise ausgeübt habe. Außerdem habe die Airline-Gruppe im ersten Quartal 140 Millionen Euro zusätzlich für Kerosin aufwenden müssen. Der netto Quartalsverlust betrug 320 Millionen Euro, ein Anstieg im negativen Sinne gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 51 Millionen Euro.

Stückkostenreduzierung bei allen Airline-Gruppen

Um den Herausforderungen zu begegnen, sind nun bei allen drei Konzernen Stückkostenreduzierungen angesagt. Bei der Lufthansa konnte die "fortgesetzte Reduzierung der Stückkosten" die Belastungen laut Unternehmen allerdings bislang nur teilweise kompensieren. Um Treibstoff- und Währungseinflüsse bereinigt sanken die Stückkosten der Lufthansa um 0,8 Prozent.

Air France-KLM vermeldet für das erste Quartal eine Reduzierung der Stückkosten um 0,4 Prozent. Die Fortschritte der operativen Performance von Air France sowie die verbesserte Pünktlichkeit wurden ebenfalls hervorgehoben. IAG konnte ihre Stückkosten den Angaben nach auf Basis konstanter Wechselkurse und ohne den Einfluss der Treibstoffpreise um 0,6 Prozent senken.

Verhaltener Ausblick

Die weitere Entwicklung des Jahres prognostizieren die Konzerne unterschiedlich. Die Lufthansa erwartet für die gesamte Gruppe bis Jahresende Umsatzsteigerungen im mittleren einstelligen Bereich. Eurowings soll allerdings dieses Jahr nicht weiter wachsen. 2018 war es bei der Integration von Air Berlin und dem damit verbundenen Kapazitätswachstum zu massiven Problemen im Flugbetrieb gekommen, was den Konzern viel Geld kostete.

© Lufthansa, Lesen Sie auch: Schwache Quartalszahlen: Lufthansa sagt weiteres Eurowings-Wachstum ab

Air France-KLM plant zwei bis drei Prozent Wachstum bei den Passagierzahlen, für die Billigtochter Transavia werden sogar zehn Prozent erwartet. Den wirtschaftliche Gesamt-Ausblick für das Jahr bestätigte das Unternehmen. Die Planung für das Jahr 2019 bei IAG bleibt unverändert, die Ergebnis-Prognosen für das Gesamtjahr sieht Unternehmenslenker Walsh nicht gefährdet.

Alle Airlines sind dabei weiterhin mit vielen Faktoren konfrontiert, die sich ihrem Einfluss entziehen. Der weitere Verlauf des Brexits, das Risiko weiter steigender Rohölpreise, auch vor dem Hintergrund steigender Spannung zwischen dem Westen und dem Iran, sowie Probleme bei den Flugsicherungen durch Personalengpässe oder Streiks könnten die Situation weiter belasten.

Von: hr

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