Schwierige Verhandlungen um Rettung von Lufthansa-Töchtern

Der angekündigte Job-Kahlschlag bei Brussels und Austrian Airlines setzt die Regierungen der deutschen Nachbarn bei den Verhandlungen um Staatshilfen für die Lufthansa-Airlines unter Druck. Belgien stellt jetzt schärfere Bedingungen.

Airbus A320 OE-LZD der Austrian © Austrian Airlines / Hannes Winter

In Belgien und Österreich laufen die Verhandlungen über staatliche Rettungspakete für die Lufthansa-Töchter Brussels Airlines und Austrian Airlines auf Hochtouren. Beide Fluggesellschaften befinden sich derzeit am Boden und waren auch vor der Corona-Krise wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet.

Die belgische Regierung hat nun Bedingungen für eine staatliche Unterstützung genannt. Belgien könne nur bei Vorlage eines "realistischen und zukunftsorientierten Geschäftsplans" in die Fluggesellschaft investieren, erklärte das belgische Wirtschaftsministerium. Lufthansa-Chef Carsten Spohr war zu Gesprächen mit Regierungsvertretern und Chefs von Brussels Airlines nach Brüssel gereist.

Brussels Airlines hatte am Dienstag angekündigt, wegen der Corona-Krise voraussichtlich rund tausend Stellen zu streichen - rund ein Viertel der Belegschaft - und die Flotte von 54 auf 38 Maschinen zu reduzieren. Die Fluggesellschaft warte weiterhin auf Hilfen der belgischen Regierung. Die Verhandlungen darüber dauerten an, erklärte das Unternehmen.

Profitabel, ökologisch und arbeitsplatzerhaltend soll Brussels agieren

Die Ankündigung hatte in Belgien Entsetzen ausgelöst. Gewerkschaftsvertreter warfen der Lufthansa vor, allen Beteiligten von Regierung bis Belegschaft "das Messer an die Kehle zu setzen".

"In den letzten Wochen waren die Gespräche schwierig, auch wenn es Fortschritte beim Geschäftsplan gegeben hat", erklärte das Ministerium nun. Das Treffen mit Spohr habe gezeigt, dass "sowohl der Lufthansa-Konzern als auch die belgische Regierung die Bedeutung von Brussels Airlines als wirtschaftliches Drehkreuz mit umfangreichen europäischen Verbindungen anerkennen".

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Die Verhandlungen "über Form und Bedingungen möglicher staatlicher Investitionen" sollen weitergeführt werden. Die Regierung erwartet demnach einen Plan, der sich auf "profitables Wachstum, ökologische Verantwortung und Beschäftigungsaussichten konzentriert". Eine Vereinbarung werde zudem nur bei einer Einigung der Sozialpartner von Brussels Airlines möglich sein.

Bei Austrian drängt die Zeit

Auch die Suche nach zukunftsfähigen Lösungen für die österreichische Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) dauert an. Am heutigen Freitag trafen sich der österreichische Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit Vertretern der Airlines, des Flughafens Wien, der Gewerkschaften, der Bundesländer Wien und Niederösterreich sowie der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Öbag und der Finanzierungsagentur Cofag. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen, hieß es. Details wurden nicht genannt.

Die Zeit drängt, denn die Unternehmensberatung PwC will Anfang kommender Woche ihre Einschätzung zu den wirtschaftlichen Aussichten der Lufthansa-Tochter vorlegen. Diese Fortbestandsprognose soll Staatshilfen und ein Sparprogramm bei der Belegschaft berücksichtigen. Am Mittwoch soll der AUA-Aufsichtsrat dann Entscheidungen zur Zukunft der Airline treffen.

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"Ich habe bei allen Beteiligten den Willen für konstruktive Lösungsansätze gespürt", sagte Minister Blümel nach dem Treffen. Austrian-Chef Alexis von Hoensbroech sprach von einer "sehr konstruktiven Atmosphäre" bei dem Treffen. Blümel stellte klar, dass österreichisches Steuergeld nur fließen werde, wenn es im Gegenzug rechtsverbindliche Garantien zum Erhalt des Standorts, zu Nachhaltigkeit und Arbeitsplätzen gebe.

Die AUA hat ihren Linienflugbetrieb am 19. März eingestellt und seitdem nur mehr Sonderflüge absolviert. Die Airline hat in Österreich inzwischen 767 Millionen Euro an Staatshilfen beantragt. Sollte das Unternehmen die kommenden Wochen überstehen, dürfte es letztlich mit deutlich weniger Mitarbeitern und auch deutlich weniger Flugzeugen aus der Corona-Krise hervorgehen.

Von: dk, afp, dpa

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