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Schweizer Bahn meldet Interesse an Swiss-Piloten

Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland mangelt es an Lokführern. Die Idee, neue Mitarbeiter im Pilotenkorps schrumpfender Airlines zu rekrutieren, liegt nahe. Doch ein wichtiger Punkt spricht gegen viele Wechsel.

Verschiedene SBB-Garnituren im Züricher Hauptbahnhof © Privat / Andreas Sebayang

Die schlechte Lage im Piloten-Arbeitsmarkt hat laut einem Bericht der "Luzerner Zeitung" die Schweizerische Bundesbahnen (SBB) auf den Plan gerufen. Wie das deutsche Pendant DB sucht diese händeringend Lokführer.

Abhilfe könnten Piloten schaffen, die im schrumpfenden Luftfahrtmarkt Gefahr laufen, ihren Job zu verlieren. Es gebe nun Überlegungen für mögliche Kooperationen mit der Swiss, berichtet ein Sprecher der SBB der Zeitung. Bei geringerem Pensum in der Luft könnten Piloten nebenher bei der Bahn als Lockführer eingesetzt werden. Es sollen bereits erste "unverbindliche" Kontakte stattgefunden haben, schreibt "20 Minuten".

Die Swiss wollte dazu keine Angaben machen. Grundsätzlich stehe es zwar Swiss-Beschäftigten frei, eine Nebenbeschäftigung anzunehmen, hieß es von der Airline. Wichtig sei aber, dass die gesetzliche Höchstarbeitszeit nicht überschritten werde.

In Deutschland werden für den Lufthansa Konzern betriebsbedingte Entlassungen nicht mehr ausgeschlossen. Auch wenn die Schweizer Tochter trotz Corona versuchen möchte, Entlassungen zu vermeiden, sollen die Ausgaben bei Swiss um bis zu 20 Prozent sinken. Die Personalsituation bei der SBB ist dagegen aktuell so angespannt, dass in verschiedenen Schweizer Regionen etliche Zugverbindungen ausfallen - darunter auch die "Flugzüge" zwischen Basel und Zürich, wie die Aargauer Zeitung berichtet.

Schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt

In der Tat scheint die Idee zum "Job-Sharing" nicht abwegig und könnte Piloten in Not helfen. Denn Piloten haben in der Regel für Ihren Job bei der Airline lediglich eine sehr fachspezifische Schulung durchlaufen. Ohne zusätzlichen Abschluss oder Weiterbildungen ist es für arbeitslose Piloten auf dem normalen Arbeitsmarkt daher oft schwer, neu Fuß zu fassen.

Piloten müssten zwar auch die rund zweijährige Ausbildung zum Zugführer absolvieren, könnten jedoch durchaus von einem vereinfachten Einstellungsverfahren profitieren. Denn die intellektuellen und physischen Voraussetzungen für den Beruf dürften sie in aller Regel haben, wird ein SBB-Sprecher zitiert.

Viele freiwillige Wechsel seien jedoch nicht zu erwarten, heißt es in der Schweiz. Wer die Swiss als Pilot komplett verlässt und zur SBB geht, müsste für sehr viel weniger Lohn arbeiten gehen. Und auch (vorübergehende) Teilzeitmodelle seien schwierig. Zwar sei rund ein Drittel der Swiss-Piloten in Teilzeit beschäftigt. Doch die von Swiss geforderte Flexibilität bei den Arbeitszeiten schließe weitere geregelte Arbeit oftmals aus.

Der Karriereweg vom Cockpit in den Bahnführerstand sei aber keineswegs neu. Auch jetzt würden schon ehemalige und aktive Flugzeugpiloten als Lokführer beschäftigt, heißt es bei der SBB. Man erhalte derzeit viele Bewerbungen aus dem Großraum Zürich.

Auch Eurowings verweist auf die Bahn

Auch in Deutschland ist die Nachfrage nach Arbeitskräften im Bahnverkehr weiterhin sehr groß. 100.000 neue Mitarbeiter will allein die Deutsche Bahn in den kommenden fünf Jahren insgesamt einstellen. Ein Teil davon sollen auch Germanwings-Flugbegleiter als Service-Personal sein. Jedenfalls wird bei den derzeit beschäftigungslosen Kabinenmitarbeitern intern für einen Wechsel geworben.

© Deutsche Bahn AG, Oliver Lang Lesen Sie auch: Germanwings wirbt für Wechsel von Kabinenmitarbeitern zur Bahn

Bei den Lokführern ist der Mangel eklatant und hat sich im vergangenen Jahr laut dem Fahrgastverband "Allianz pro Schiene" noch verschärft. Auf 100 offene Stellen für Lokführer bei Bahnunternehmen in Deutschland kämen nur noch 25 Arbeitssuchende. Piloten, zumal aus dem Lufthansa-Konzern, würden vielerorts wohl mit Kussmund genommen.

Doch auch in Deutschland müssten sich Piloten in einem harten Lohnverzicht üben. Das Einstiegsgehalt für Lokführer bei der Bahn liegt üblicherweise bei rund 30.000 Euro im Jahr. Im Cockpit einer Lufthansa-Airline sind es mindestens 50.000, deutliche Steigerungen entlang der Karriere inklusive.

Von: dk

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