Schutzschirmverfahren weiter "realistische Option" für Lufthansa

Die Insolvenz in Eigenregie soll bei Lufthansa noch nicht vom Tisch sein. Mitunter könnte es sogar sehr schnell gehen und ein alter Bekannter zum Sachwalter auch der größten deutschen Airline werden.

Flugzeuge der Lufthansa stehen im April 2020 am Flughafen Frankfurt im Storage. © AirTeamImages.com / Markus Mainka

Bei der Lufthansa drängt zunehmend die Zeit, eine Lösung für die aufziehende Liquiditätskrise des Konzerns zu finden. Laut übereinstimmender Medienberichte peilt das Unternehmen eine Entscheidung bis zur Mitte dieser Woche an.

Dabei ist auch weiterhin der Einstieg in ein Schutzschirmverfahren eine realistische Option, wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" schreibt. Im Konzern heiße es, dass man einen entsprechenden Antrag innerhalb weniger Tage einbringen könne. Die Einschätzung der Bundesregierung, dass das von Carsten Spohr Ende April ins Spiel gebrachte Insolvenz-Instrument lediglich ein Bluff war, sei laut Unternehmenskreisen nicht zutreffend.

Flöther auch bei Lufthansa?

Mit dem Schutzschirmverfahren könnte Lufthansa einen direkten Staatseinstieg umgehen. Die Geschäftsführung würde im Amt bleiben, jedoch einen Sachwalter zur Seite gestellt bekommen. Laut dem Wirtschaftsmagazin wird dafür abermals Lucas Flöther in Auge gefasst. Der Sanierungsexperte ist auch Sachwalter im Schutzschirmverfahren der Condor und Insolvenzverwalter bei Air Berlin. Bereits jetzt arbeitet der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz als federführender Sanierungs-Berater eng mit dem Lufthansa-Vorstand zusammen, so der Bericht.

Unterdessen ist in der großen Koalition der Streit über die Frage, ob der Staat im Rahmen des ins Auge gefassten Neun-Milliarden Rettungspakets, eine Sperrminorität in dem Großkonzern erhalten soll, erneut deutlich aufgebrochen. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, kommentierte CSU-Chef Markus Söder die Verhandlungen des SPD-geführten Finanzministeriums mit der Lufthansa. Die CSU sei gegenüber einem "Halbverstaatlichungsmodell" wie diesem sehr skeptisch. Die SPD beharre jedoch weiter auf einem Mitspracherecht im Konzern im Gegenzug für Staatshilfen.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansa fordert harte finanzielle Einschnitte von Kabinenmitarbeitern

Ein weiteres Problem sei der Umstand, dass der für die Finanzierung des Lufthansa-Pakets vorgesehene Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) auch nach zwei Monaten noch immer nicht einsatzfähig ist, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Der mit bis zu 400 Milliarden Euro ausgestattete Fonds soll große Unternehmen und Aktiengesellschaften in der Corona-Krise unterstützen. Das Gesetz vom 28. März sei von der EU noch nicht bestätigt worden, was bei Staatshilfen in dieser Größenordnung jedoch notwendig sei, antwortete die Bundesregierung auf eine Anfrage.

Von: dk

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