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Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. © airliners.de

Letztes Jahr war ich in Barcelona, um eine Geschichte über den Flughafen El Prat zu recherchieren. Natürlich ist mir jeder Grund recht, diese tolle Stadt zu besuchen, aber ich war auch beeindruckt vom grandiosen Terminal 1 des lokalen Architekten-Stars Ricardo Bofill. Solche kühnen Konstruktionen findet man heute sonst eher am Persischen Golf oder in Südostasien. Aber El Prat hat noch etwas Besonderes, das Passagieren zumindest am Boden verborgen bleibt bisher: Das öffentlich nicht zugängliche Gelände grenzt direkt ans Mittelmeer, und auch ein wunderbarer, aber naturgemäß menschenleerer Strand gehört dazu. Ich wurde damals mit einem knallgelben Land Rover an dieser Küstenidylle entlang gefahren und fragte mich schon, ob man die nicht irgendwie nutzen könnte.

Mein Gedanke wurde offenbar erhört: Jetzt wurde bekannt, dass der Flughafen dort im nächsten Jahr den weltweit ersten Airport Beach Club eröffnen will und 2014 dann sogar einen Neun-Loch-Golfplatz. Beides ist explizit für abfliegende und ankommende Passagiere gedacht, auch wenn lokale Gäste gegen Eintritt ebenfalls Zugang haben sollen. Eine geniale Vorstellung und völlig neuartige Möglichkeit, den seltenen Standortvorteil eines Flughafens am Meer auszuspielen. Statt in künstlich tiefgekühlten, oft fensterlosen Lounges mit mehr oder weniger gleichem Angebot wie überall seinen Abflug herbeizusehnen, könnte man sich in Barcelona extra früh nach El Prat begeben und noch einige Stunden Sonne tanken im Beach Club, bevor man sich in den Flieger quetscht. Oder man plant eine Reise bewusst mit Umsteigen in Barcelona und freut sich, wenn zwischendurch einige Stunden am Strand oder dem Golfplatz dabei herausspringen.

Ich kann mir auch schon alle möglichen anderen Flughäfen auf der Welt vorstellen, wo dieses Beispiel Schule machen könnte, weil sie am oder sogar im Wasser liegen: Sydney, New York-JFK, Boston, Hongkong, Lanzarote, Tokio-Haneda, Male auf den Malediven und einige mehr. Ein weltweites Netz von Airport-Beach-Club-Lounges, das wäre noch eine echte Geschäftsidee in der Luftfahrt.

Fast zeitgleich kam die Nachricht, dass Virgin Atlantic Airways, die in ihren „Club House“ genannten Lounges schon immer extrem innovativ war, dem Streben nach Exklusivität jetzt die Krone aufsetzt. Zwar kann London-Heathrow, der Hub von Virgin, naturgemäß nicht mit Sonne und Strand aufwarten, aber dafür gibt es dort in der Lounge jetzt tatsächlich ein voll funktionsfähiges Tonstudio! „Es fliegen oft Musiker mit uns in der Upper Class nach New York und LA, da können die Künstler hier die Zeit nutzen für Aufnahmen oder um Musikproduktionen nachzubearbeiten“, sagt Virgin.

Faszinierende Idee, die ihren Charme gerade darin hat, dass sie im völligen Gegensatz zum Produkt Fliegen genau das Gegenteil von Massenabfertigung ist und genau auf eine kleine, aber wichtige Zielgruppe fokussiert. Ich singe als Hobby leidenschaftlich gern als Tenor in einem Popchor. Bisher bin ich noch nie mit Virgin geflogen, aber die Vorstellung, vor dem Boarding nochmal eben ein professionell gemischtes Demo meines Lieblingssongs „Addicted to Love“ von Robert Palmer aufzunehmen, das hätte schon was.

Vor solchen wegweisenden Innovationen verblassen dann selbst die ausgefallensten Zeitvertreibe, die es bisher auf Flughäfen zu erleben gibt. Gut zum Beispiel, dass jüngst der alte Don Muang Airport in Bangkok wieder aufgemacht hat – dort kann man zwischen den beiden Pisten Golf spielen auf einer Anlage des Militärs, nach Anmeldung sogar als Zivilist, sagen Eingeweihte. In Amsterdam, ohnehin wegweisend mit Ideen wie einer Filiale des Rijksmuseums mit Alten Meistern im Terminal, gibt es neuerdings eine wunderbare Bibliothek in hippem Ambiente, mit spannenden Büchern in vielen Sprachen. Toll, so die Leute zum Lesen zu verführen. Ich wäre allerdings zu sehr abgelenkt durch die Panoramascheiben davor mit grandiosem Vorfeldblick.

Den abgefahrensten Zeitvertreib am Flughafen habe ich neulich in Singapur ausprobiert, wo der Changi Airport mit Open-Air-Pool und Schmetterlingsgarten ebenfalls zu den Weltmeistern in Passagier-Innovationen zählt: das Fish Spa. Man setzt sich an ein kleines Wasserbecken und hält die bloßen Füße hinein. Im Nu kommen Schwärme kleiner schwarzer Fischchen und nagen abgestorbene Hautzellen ab. Erst ein bisschen seltsam und kitzelnd, dann sehr entspannend. Wenn sich also bitte Barcelona ein Beispiel daran nehmen könnte und auch so ein Becken in seinem Airport Beach Club einrichten würde? Muchas gracias.

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