Schnellere Flugzeugentwicklung durch virtuelle Bauteilzulassung

Das DLR eröffnet in Bremen ein Zentrum für virtuelle Tests und Zertifizierung von Flugzeugbauteilen. Im "Virtual Product House" soll die technologische Entwicklung der Luftfahrt beschleunigt werden.

DLR-Luftfahrtvorstand Rolf Henke © DLR

Schneller dank Computer: Bau und Zulassung von Flugzeugen können aus Sicht des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Hilfe von Simulationen im Computer deutlich beschleunigt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat am Freitag in Bremen ein neues Testzentrum seine Arbeit aufgenommen, teilte das DLR mit.

Im sogenannten Virtual Product House will das DLR mit Partnern wie Airbus und Testdienstleister IABG an der virtuellen Simulation und Zertifizierung von Komponenten und Technologien arbeiten, sagte DLR-Sprecher Jens Wucherpfennig. Neben der Zulassung geht es auch um die Integration in das Gesamtflugzeug.

Bislang werden den Angaben zufolge die meisten Bauteile durch Tests geprüft und zugelassen. "Das wollen wir in den Rechner verlagern", erläutert DLR-Luftfahrtvorstand Rolf Henke. Durch Computer-Simulationen könnten Geld und Zeit gespart werden. Flugzeugkomponenten müssten nicht zuerst gebaut und dann bei Tests gebrochen werden. Zudem gebe es am Computer eine größere Kombinationsvielfalt.

Hohe Hürden im Flugzeugbau

Entwicklung, Erprobung und Fertigung neuer Flugzeuge sind mit hohen zeitlichen, technologischen und finanziellen Risiken verbunden, insbesondere beim Einsatz neuartiger Technologien und unkonventioneller Flugzeugkonzepte.

Ein Problem, dass durch virtuelle Tests angegangen werden soll, ist, dass Leistungsdefizite teilweise erst während der ersten Testflüge erkennbar werden. Die resultierenden Verzögerungen bei der Zulassung können zu erheblichen Mehrkosten führen.

Laut DLR soll die virtuelle Entwicklung Innovationen in der Luftfahrt beschleunigen und technologische Risiken reduzieren.

Virtuelle Zulassung bereits möglich

Kleinere Flugzeug-Bauteile können DLR-Vorstand Henke zufolge bereits am Computer getestet und zugelassen werden. Das Virtual Product House soll nun helfen, dass dies auch bei größeren Komponenten möglich wird.

Das Startprojekt konzentriert sich auf eine multifunktionale Steuerfläche eines Flugzeugflügels. Für diese spezifische Komponente werden virtueller Entwurf, virtuelle Fertigung sowie virtuelle Testverfahren bis hin zur Zertifizierung mit den beteiligten DLR-Instituten und Projektpartnern bearbeitet und miteinander verknüpft.

Das Testzentrum wird dem DLR zufolge vom Land Bremen inklusive EU-Mittel mit rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr gefördert - zunächst für eine Laufzeit von drei Jahren.

Ziel sei, diese Zeit zu nutzen, um das Virtual Product House (VPH) zu einer dauerhaften Einrichtung zu machen, sagte Henke. Das virtuelle Produkthaus ist im Bremer Forschungs- und Entwicklungszentrum ECOMAT angesiedelt.

© dpa, Lesen Sie auch: DLR gründet sieben neue Institute

Von: hr, dpa

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