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Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. © airliners.de

Als ich letzten Mittwoch die Wettervorhersage für den nächsten Abend in Genf anschaute, hatte ich gleich ein ungutes Gefühl. Dabei war zunächst nur nachmittags gefrierender Regen vorhergesagt, nach klirrender Kälte. Mein Rückflug nach Hamburg sollte erst abends um 20.10 Uhr abheben. Beim Genfer Dezember-Wetter kann ich sogar auf so etwas wie eine eigene Versuchsreihe zurückgreifen, schließlich bin ich seit Jahren immer Mitte des Monats beim Medientag der IATA dabei, als Tagestrip aus Hamburg. Bisher ist nie etwas schief gegangen. Ich habe mich immer dafür entschieden, lieber drei Stunden vor Ort zu warten, dafür aber den Nonstop-Rückflug in meine Heimatstadt zu nehmen. Anstatt irgendwo umzusteigen - denn gerade das kann im Winter ordentlich schiefgehen.

Zuerst schien auch alles gut, von Eisregen keine Spur, alle Flüge pünktlich. Doch kaum war die Veranstaltung am Nachmittag vorbei, draußen war es schon dunkel, kam was kommen musste: Heftiges Schneetreiben. Trotzdem landete meine CRJ900 aus Hamburg kommend pünktlich, auch für den Abflug wurde keine Verspätung angezeigt. Aber glauben konnte ich das beim Blick aus dem Fenster nicht.

Zu recht. Denn wie sich an diesem Abend zeigte, ist und bleibt Wetter die große Unbekannte in der sonst so exakten Fliegerei. Umso größer der Unmut bei vielen Leuten, wenn auf sonst akkurate Abfluganzeigen kein Verlass mehr ist. Am Gate erklärte der Agent allen Passagieren persönlich, dass er keine Durchsagen machen würde, weil er auch nicht wisse wie es weitergeht. Auf jeden Fall hätten wir eine feste Abflugzeit um 21.55 Uhr spätestens, das sei sicher. Vielleicht auch früher.

Angezeigt wurde diese Verzögerung auf den Bildschirmen nie. Fast alle Passagiere wussten, dass die Zeit drängte, denn in Hamburg herrscht ab Punkt Mitternacht striktes Nachtflugverbot. Es kam schon vor, dass Endanflüge um 0.01 Uhr unter Verursachung großen Lärms abgebrochen wurden und der Flieger nach Berlin-Schönefeld ausweichen musste. Und siehe da: Um kurz nach neun stiegen wir tatsächlich in den Bus und dann ins Flugzeug. Das brachte uns dem Abflug allerdings erstmal nicht näher. Es kam keine Enteisung, es schneite heftig, und die Bahnen waren zeitweise zur Räumung gesperrt.

Unser Pilot gab in kargen Ansagen auch nur zu erkennen, dass er nicht mehr wusste. Allerspätestens um 22.40 Uhr, so bestätigte er, mussten wir in der Luft sein, um noch in Hamburg landen zu können. Die Zeit verrann. Nichts tat sich. An Bord wurde schon gerätselt, wo wir landen würden. Hannover? Münster/Osnabrück?

Dann das erste kleine Wunder: Der Kapitän erklärte, er habe eine der ganz seltenen Ausnahmegenehmigungen erhalten, bis 0.30 Uhr zu landen. Dafür müssten wir aber bis 23.10 Uhr in der Luft sein. Und –leider, sobald die Bahn wieder offen wäre- seien wir dann Nummer zehn zum Start. Mission Impossible. Um 22.45 Uhr wurde enteist. Wir rollten sofort zur Bahn. Weiter noch heftiges Schneetreiben. Immer wieder Warten auf landende Flieger. Dafür vor uns doch nur drei Maschinen.Die Zeit verrann.

Dann, endlich, 23.08 Uhr, voller Schub, wir heben ab! Nur weg aus Genf. Bei aufgeblendeten Landescheinwerfern wirkte der Steigflug durch die dichten Flocken beim Blick aus dem Fenster wie ein surreales Kunstwerk. Später Happy End, Aufsetzen in Fuhlsbüttel um 0.22 Uhr. Soviel Glück hat man nicht oft.

Wie es auch gehen kann, habe ich 1992 erlebt. Damals wurde der Aero Lloyd-Flug von München-Riem nach London-Gatwick zur 15-Stunden-Odyssee. Erst Gatwick gesperrt, ins Holding. Dann Umleitung nach Manchester. Dort Chaos, Überfüllung und auch Schnee. In England reichen schon ein paar Millimeter Flocken für den Ausnahmezustand, bis heute. Dann per Bus nach London. Erster Bus brach schon bei Birmingham zusammen. Stundenlanges Warten auf Ersatzbus am Straßenrand, im kalten kaputten Bus.

Ankunft in Gatwick schließlich statt morgens um acht abends um acht. Damals habe ich meine Odyssee auch in einem Artikel beschrieben. Ich weiß, dass der in einigen Airline-Büros an die Wand gehängt wurde, ein so absurdes Lehrstück für die Unberechenbarkeit modernen Lebens war das. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass ich letzte Woche so erpicht darauf war Genf zu verlassen, weil ich am nächsten Nachmittag schon nach Dubai musste. Da habe ich ausnahmsweise den Wetterbericht weniger genau studiert vorher, Schnee war ja nicht zu erwarten. Da ist es ja eigentlich immer sonnig. Tja, von wegen. Es hat nämlich plötzlich in Strömen gegossen. Nicht mal in der Wüste ist mehr auf das Wetter Verlass.

In diesem Sinne, frohe Weihnachten und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr, die nächste Spaethfolge erscheint am 2. Januar 2013.

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