Schnalke: "Hauptproblem liegt in der Luft"

Düsseldorfs Flughafenchef Schnalke spricht in einem Interview über die Gründe der aktuellen Probleme im Luftverkehr. Zudem warnt er vor einer Abhängigkeit von Lufthansa.

Thomas Schnalke, Chef des Flughafens Düsseldorf. © airliners.de

Der Chef des Flughafens Düsseldorf, Thomas Schnalke, sieht keine Verantwortung der aktuellen Verspätungsprobleme im Luftverkehr bei den Airports. "Ich sehe die Hauptprobleme unserer Branche daher aber ganz klar in der Luft und nicht bei den Flughäfen", sagte er der "Rheinischen Post". Frankfurt-Chef Stefan Schulte hatte vergangene Woche eine gemeinsame Antwort der Branche bei dem Thema gefordert.

Zwischen Januar und Juli sind laut Schnalke 3000 Flüge in Düsseldorf gestrichen oder umgeleitet worden - über 60 Prozent davon gingen auf das Konto von Lufthansa-Airlines. "Das ist auch nachvollziehbar, wenn man um die Komplexität und Schwierigkeiten weiß, die mit der Übernahme der Air-Berlin-Anteile im laufenden Betrieb einhergehen." Performance-Probleme durch die Integration von Teilen der Konkurrentin hatte Eurowings bereits selbst eingeräumt.

Die hohe Zahl der Verspätungen im Sommer hat nichts mit Versäumnissen in Düsseldorf zu tun.

Thomas Schnalke, Chef des Flughafens Düsseldorf

Die Probleme sind laut Schnalke aber auch auf mangelnde Kapazitäten bei der Flugsicherung zurückzuführen: "Europas Luftraum wird zudem ineffizient gemanagt, es gibt zu wenige Fluglotsen und Flugkorridore."

Lufthansa dürfe nicht Wachstum bestimmen

Insgesamt sei der Sommer aber "sehr gut gelaufen". Nach der Pleite von Homecarrier Air Berlin - die Airline wickelte in Spitzenzeiten immerhin jeden dritten Flug am Airport ab - habe man die durch den Ausfall entstandene Lücke beinah wieder geschlossen. Nach 24,5 Millionen Passagieren erwartet Schnalke nur ein leichtes Minus auf rund 24,4 Millionen im Gesamtjahr 2018.

Gleichzeitig lobt Schnalke Eurowings für ihr Engagement: "Es war ein riesiger Kraftakt seiner Mannschaft, hier mit mittlerweile 38 Jets ein breites Angebot aufgebaut zu haben." Seit diesem Sommer bietet die Lufthansa-Billigtochter auch Langstreckenflüge ab dem NRW-Airport an - durchgeführt vom Kranich-Zukauf Brussels Airlines. Im kommenden Jahr stationiere Eurowings zehn Langstreckenjets in Düsseldorf, so Schnalke.

Dennoch dürfe das Wachstum des Luftverkehrs in NRW "nicht nur von der Lufthansa bestimmt werden". Eurowings und Lufthansa seien mit einem Marktanteil von 45 Prozent "zweifelsohne unser wichtigster Partner". Doch der Flughafen ist laut Schnalke "ausgesprochen attraktiv für viele Fluggesellschaften"; und: "Vielfalt ist gut für die Reisenden und gut für NRW."

Airlines in Düsseldorf
Angaben in Prozent
Eurowings 33.4
Lufthansa 7.7
Condor 7.1
Sun Express 5.0
Tuifly 4.3
Lauda Motion 4.2
Übrige Airlines 38.3

Die Grafik zeigt die Anteile verschiedener Airlines am Flughafen Düsseldorf im aktuellen Sommerflugplan. Angaben gerundet. "Übrige Airlines" sind jene mit jeweils weniger als drei Prozent Anteil. Quelle: ch-Aviation

Indes wartet der Flughafen weiterhin auf die Bewilligung der beantragten Kapazitätserweiterung. Die Zahl der stündlichen Starts und Landungen soll von 47 auf 60 steigen. Die Infrastruktur sei darauf vorbereitet, so Schnalke: "Das heutige Terminal reicht völlig aus." Der Airport habe keine "Engpässe bei der Infrastruktur und wir würden sie auch bei höheren Kapazitäten nicht haben".

© Flughafen Düsseldorf, Lesen Sie auch: Düsseldorf darf das Vorfeld erweitern

Von: cs

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