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Schichtwechsel Grund für Münchner Security-Debakel?

Ein Schichtwechsel des Kontrollpersonals ist angeblich der Grund für die Ausmaße der Sicherheitspanne am Münchner Flughafen. Nach einem Personalwechsel erkannte niemand den verdächtigen Mann unter den wartenden Passagieren. Das Bundesinnenministerium will nun eventuelle "strukturelle Probleme" der Sicherheitsabläufe prüfen und beheben.

Sicherheitskontrolle am Flughafen München © dpa

Das Münchner Security-Debakel wird immer obskurer. Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass der verdächtige Mann den Flughafen nie verlassen hatte kommt nun eine weitere Windung der Unzulänglichkeiten ans Licht.

Der weiterhin unbekannte Passagier, dessen Laptop am vergangenen Mittwoch Sprengstoffalarm auf dem Münchner Flughafen ausgelöst hatte, wurde wegen eines Schichtwechsels des Kontrollpersonals nicht erkannt. Das berichtet die Tageszeitung «Die Welt» (Dienstag).

Zwar lagen den Kontrolleuren Bilder und Personenbeschreibungen des Mannes vor. Doch zwischenzeitlich hatte das Wachpersonal gewechselt, und die neuen Kräfte erkannten den Mann trotz dessen sechseinhalbstündigen Aufenthalts auf dem Flughafen nicht. Deshalb konnte das Sicherheitspersonal den Verdächtigen auch nicht festhalten, berichtet die Zeitung.

Politik prüft strukturelleProbleme bei Passagierkontrollen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) will nach der schweren Sicherheitspanne nun die Passagierkontrollen an deutschen Airports unter die Lupe nehmen.

Es gehe München darum, die genauen Abläufe zu beleuchten und zu «prüfen, wo es über das menschliche Verhalten im Einzelfall hinaus strukturelle Probleme geben könnte», sagte der CDU- Politiker der in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse» (Dienstag). Der Vorfall werde jetzt mit allen Beteiligten ausgewertet, «und dann werden wir entscheiden, ob und was wir verbessern können».

Auch die bayerische Landesregierung hat Konsequenzen aus den beim Sprengstoff-Fehlalarm am Münchner Flughafen offenkundig gewordenen Sicherheitslücken angekündigt. Bis Februar werden alle zuständigen Verkehrs- und Sicherheitsbehörden die Passagierkontrollen überprüfen, kündigte die Staatskanzlei am Dienstag in München an.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) erklärten dazu, es solle unter anderem geprüft werden, wie im Notfall ein Fluggast gestoppt werden kann, der bereits durch die Sicherheitskontrolle gelangt ist. "Denkbar wäre zum Beispiel die Einführung eines optischen oder akustischen Melders beim unerlaubten Verlassen des Sicherheitsbereichs."

Zudem solle untersucht werden, wie Bundespolizei und Kontrollfirmen besser vernetzt werden könnten. Denkbar seien organisatorische, technische oder bauliche Maßnahmen. Zuletzt hatte die Bundespolizei gefordert, wieder die alleinige Zuständigkeit für die Sicherheitsabfertigungen zu erhalten.

Einführung von Körperscannern frühestens 2011

Die viel diskutierten Körperscanner werden derweil wahrscheinlich nicht so bald Verwendung finden, wie von der Politik ursprünglich angeregt. Entgegen ursprünglichen Planungen seien die Geräte, die derzeit bei der Forschungs- und Erprobungsstelle der Bundespolizei in Lübeck getestet würden, für den Einsatz in der Praxis noch nicht geeignet, berichtete «Der Spiegel» in seiner neuesten Ausgabe.

So sei es bei Versuchen gelungen, unter bestimmten Voraussetzungen Sprengstoff unerkannt durch die Kontrolle zu bringen. Außerdem sei bislang ungeklärt, ob die Strahlung der Scanner für Fluggäste und Bedienpersonal gesundheitliche Schäden verursachen könne.

Im Bundespolizeipräsidium in Potsdam werde deshalb intern damit gerechnet, dass die Geräte frühestens im Sommer 2011 an deutschen Flughäfen installiert werden könnten, berichtete das Magazin.

Von: dpa, ddp

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