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Scheuer kündigt Gipfeltreffen zur Rettung der Luftverkehrswirtschaft an

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat neue Corona-Hilfen für die Luftfahrtbranche angekündigt. Geplant ist ein Luftverkehrsgipfel zu allen Segmenten der Branche - und ein Hilfskonzept speziell für die Flughäfen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, links). © BMVI

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat der angeschlagenen Luftverkehrsbranche weitere Unterstützung zugesagt. Der CSU-Politiker geht von einer globalen Neuverteilung der Luftverkehrswirtschaft aus. "Wir werden über einen gewissen Zeitraum nicht mehr die ganze Bandbreite der Mobilität in der Luft haben. Manche freuen sich darüber, ich nicht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Scheuer: "Ich werde schnellstens zu einem Luftverkehrsgipfel einladen, der sich mit den Folgen der Corona-Krise für die gesamte Luftverkehrswirtschaft beschäftigt." In der aktuellenSituation müsse die dramatische Lage der ganzen Luftverkehrswirtschaft "vom Flugzeugbauer bis hin zur Airline" betrachtet werden, sagte Scheuer.

Scheuer verwies auf das milliardenschwere staatliche Hilfspaket für die Lufthansa. "Aber wir denken natürlich auch an die Flughäfen. Wir bereiten gerade ein Konzept für die Regionalflughäfen vor und thematisieren die großen Verkehrsflughäfen. Wenn wir an dieser Stelle wichtige Infrastruktur verlieren, können wir sie nicht mehr reaktivieren." Das Ziel sei es, Struktur zu erhalten. "Alles, was schließt, was nicht mehr am Netz ist, wird nicht mehr aufmachen." Scheuer kündigte an, zu einem Luftverkehrsgipfel einladen zu wollen.

Die 22 Flughäfen in Deutschland beschäftigten 180.000 Menschen. Bei einem deutlich geringeren Passagieraufkommen habe er sehr große Sorge, dass der Erhalt dieser wichtigen Infrastruktur in Gefahr sei. Allein für die drei Lockdown-Monate rede man von Vorhaltekosten von rund 700 Millionen Euro, die den Flughafenbetreibern jetzt für Investitionen fehlten.

© dpa, Óscar J.Barroso Lesen Sie auch: EU setzt Corona-Beihilfen für Flughäfen einen engen Rahmen

In der aktuellen Situation müssen man die "dramatische Lage der ganzen Luftverkehrswirtschaft" betrachten, sagte Scheuer. "Sie erwirtschaftet massive Defizite. Wenn in diesem Mosaik ein kleiner Teil wie ein Bodenabfertigungsdienst herausbricht, dann steht der Passagier ohne Koffer da. Deshalb müssen wir unseren Fokus darauf lenken, dass wir auf dem Weg durch die Krise niemanden verlieren. " Es gehe um die gesamte Luftverkehrswirtschaft "vom Flugzeugbauer bis hin zur Airline". Dazu gehörten auch die Flugsicherung und die Abfertigungsdienste

Flughafenverband begrüßt Ankündigung

Der Flughafenverband ADV begrüßte die Ankündigung Scheuers, ein Hilfskonzept für die Airports zu prüfen. "Die Flughäfen stehen mit dem Rücken zur Wand", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Ein Flugbetrieb ohne Einnahmen lasse sich auf Dauer nicht durchhalten. Die von den Flughäfen eingeleiteten Sparmaßnahmen könnten den Einnahmerückgang nicht auffangen. Die kumulierten Verluste der deutschen Flughäfen summierten sich bis Ende nächsten Jahres auf über 2,2 Milliarden Euro.

Scheuer sagte: "Wenn Airlines wie die Lufthansa mit nur 30 Prozent fliegen, dann haben sie viel höhere Kosten." Mit Blick auf Airbus sagte er, ein europäischer Flugzeugbauer sei im Gesamtsystem Luftverkehrswirtschaft genauso wichtig wie die Flugsicherung und die Gepäckabfertigung. Wenn weniger geflogen werde, habe dies zudem Auswirkungen auch auf Shops im Flughafen bis hin zum Bodenabfertiger. "Das ist ein Gesamtsystem in der Krise."

© AirTeamsImages.com, Carlos Enamorado Lesen Sie auch: Zur Lage der Lufthansa: Ein Trauerspiel Kommentar

Der Verkehrsminister sagte: "Wir werden weniger fliegen, weil sich das Verhalten verändert. Der Geschäftsführer eines Unternehmens in Düsseldorf wird seine Kurztrips nach Berlin einschränken und durch Videokonferenzen ersetzen. Und das ist völlig okay." Diese Veränderungen hätten aber Folgen. "Auch spontane Kurztrips übers verlängerte Wochenende ins europäische Ausland werden für eine ganze Zeit deutlich weniger stattfinden."

Bereits 2018 und 2019 gab es Luftverkehrsgipfel. Damals ging es im Wesentlichen um die Wachstumsschmerzen der Branche nach den "Chaos-Sommer" in der deutschen und europäischen Luftfahrt.

Nun gehört der Luftverkehr zu den Branchen, die in der Corona-Krise am schwersten belastet sind. Die Buchungen sind stark gesunken. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Dies verschärft den Spardruck. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hatte zuletzt deutlich gemacht, die bislang geplanten Einschnitte beim Konzern in Flotte und Belegschaft reichten nicht aus.

Von: dh mit dpa, AFP

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