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Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. © airliners.de

Hat die Branche nichts anderes zu tun? „Der fruchtige Economy Class Champagner, mit einer zarten Röstnote und dem klassischen Aroma von grünem Apfel, verspricht höchsten Trinkgenuss über den Wolken“, säuselte die Pressemitteilung vor wenigen Tagen. Die Botschaft: Schaut her Leute, wir lassen uns nicht lumpen, wir kleckern nicht, sondern wir klotzen, und reichen jetzt auch in der Holzklasse Schampus aus Plastikbechern, damit ihr die Enge der Sitze weniger merkt.

Qatar Airways gibt sich die Ehre - wer sonst, wenn nicht die aufstrebende Golf-Linie, würde heute noch mit Luxus um sich werfen, könnte man meinen. Schon erstaunlich, dass ausgerechnet Fluggesellschaften aus Ländern, in denen Alkohol zu trinken nun so gar nicht zur Tradition gehört, jetzt mit französischem Edel-Schaumwein ihr Economy-Produkt aufzuwerten versuchen. Das haben schon ganz andere probiert – und bald wieder aufgegeben.

Ich muss erstmal vorausschicken, dass ich Champagner außerordentlich schätze und ihn besonders beim Fliegen gern genieße. Man wird davon nicht schnell betrunken, sondern döst nach einigen Gläschen angenehm weg auf langen Flügen. Der Preis dafür kann allerdings ein pelziges Gefühl auf der Zunge und starker Durst am Morgen danach sein – beides keine angenehmen Reisebegleiter.

Jedenfalls erinnere ich mich gut, dass ich nach dem Abitur mit dem Rucksack billig mit Air France durch Europa gedüst bin in den späten achtziger Jahren. Damals waren die Franzosen noch Staatsairline und hoch subventioniert – kein Wunder also, dass die französischen Champagner-Kellereien wiederum von Air France Großaufträge erhielten.

Jedenfalls bekamen die Passagiere damals auf Europa-Flügen in Economy Class Champagner aus eckigen Plastikbechern gereicht. Wenn man mit radebrechendem Schulfranzösisch freundlich nachfragte gab es meist auch noch einen Nachschlag. Da kam ich mir richtig weltläufig vor.

Mitte der Neunziger wagte dann Singapore Airlines den Schritt, in der Touristenklasse Champagner auszuschenken. Erst eine große Werbewelle, dann wurde das ganze heimlich und sehr schnell wieder abgeschafft, ich glaube es dauerte kaum ein Jahr. Als ich nachfragte hieß es knapp: „Budgetgründe“. Aber dass Schampus teurer als Rotkäppchen-Sekt ist wusste SIA vermutlich vorher. Also viel PR-Strohfeuer um nichts.

Doch ich denke bei Qatar Airways besteht diese Gefahr nicht. Man braucht sich nur mal nachts zur Hauptverkehrszeit auf dem Flughafen in Doha umzusehen, was da für Menschenmassen die Korridore und Gates bevölkern. Da findet sich viel sogenannter ethnischer Verkehr und viele Anhänger von Religionen, die grundsätzlich Alkohol ablehnen. So wird ein bedeutender Anteil der Qatar-Airways-Passagiere den gebotenen Schampus ohnehin nicht anrühren. Und die anderen werden sich freuen und für die Abstinenten ein Becherchen mittrinken, solange der Vorrat reicht. Die Blöße von „Budgetgründen“ und einer baldigen Wieder-Abschaffung wird sich Qatar Airways nicht geben. Aber auch hier gilt: Holzklasse bleibt Holzklasse, ob mit oder ohne zarter Röstnote.

Wie man aus noch weniger Inhalt trotzdem eine PR-Meldung stricken kann, machte auch gerade United Airlines deutlich, die ihre Kunden zuletzt mit massiven Computer-Problemen verärgert hat. „United führt Turn-Down-Service in First Class ein“, verkündete die größte Airline der Welt letzte Woche.

Wer schon mal in Amerika oder Asien in einem Luxushotel gewohnt hat, kennt das. Immer im falschen Moment kommt am frühen Abend das Zimmermädchen, um das Kissen aufzuschlagen für die Nacht und Schokolade auf den Nachttisch zu platzieren. In der First Class erwartet man selbstverständlich, dass einem auf Wunsch die Flugbegleiter die Suite für die Nacht herrichten.

Die eigentliche Neuigkeit ist daher auch „ein neues Schlafkissen mit einem hochwertigen Bezug“. Aha. Zusätzlich zur „flauschigen Bettdecke“ und „weichen Kopfkissen“. So so. Aber erstens ist es an Bord eh immer zu warm für eine richtige Bettdecke und zweitens hat offenbar, genau wie oft in Luxushotels, nun auch United Airlines in First eine unsinnige Überzahl an Kopfkissen dabei. Und das alles richtet nun auch offiziell die Crew her. Erst dieser neue Service ermögliche es dem Reisenden, „erholt und startbereit an der Zieldestination anzukommen“, erkärt die Pressemitteilung.

Und was bitte war bisher? Kam der First-Gast da mangels Kissenschüttler übernächtigt am Ziel an? Auf soviel aufgeblasene Airline-Prosa brauche ich jetzt dringend ein Glas Schampus, aber bitte mit zarter Röstnote und einem Hauch vom Aroma grüner Äpfel, wenn’s möglich wäre.

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