Ryanair wappnet sich mit neuem Geschäftsmodell für die Zukunft

Der irische Billigflieger Ryanair splittert seine Operations immer mehr auf und hat mittlerweile vier Töchter in Europa. Die Gründe für die Strategie liegen vor allem in Kundenanforderungen und Tariffragen.

Alle Marken der Ryanair-Gruppe. © Ryanair, Boeing

Das ursprüngliche Ryanair-Konzept einer einzigen sehr günstigen Airline mit schlanken Strukturen, die in ganz Europa operiert, wird durch die Übernahme anderer Fluggesellschaften zunehmend aufgeweicht.

Nach der endgültigen Übernahme von Laudamotion Anfang 2019 und der Ankündigung, die polnische Ryanair Sun ab Herbst als Buzz starten zu lassen, haben die Iren sich jetzt auch noch das maltesische Start-Up Malta Air einverleibt.

Ging der Kauf von Laudamotion noch zu einem großen Teil auf attraktive Verkehrsrechte in Düsseldorf und Wien zurück, sieht Luftfahrtexperte und Aviation-Management-Professor Christoph Brützel noch weitere Gründe für die neue Strategie. Unterschiedliche Kundenanforderungen und Tariffragen seien für die Iren die wichtigsten Treiber.

Verschiedene Airlines für verschiedene Märkte

Laut Brützel will Ryanair mit der neuen Strategie zunehmend Ferienflieger und Geschäftsreise-Carrier angreifen. Bei derlei hybriden Geschäftsmodellen bestehe allerdings die Gefahr, wie Air Berlin zu enden, weshalb separate Betriebe gegründet würden, die auf ihren jeweiligen Markt besser zugeschnitten sind als es eine einzelne Airline sein könnte.

Ein weiterer Grund liege im klassischen Ryanair-Geschäftsmodell selbst, da es für den touristischen Pauschalreisemarkt nicht geeignet sei. Die Veranstalter wollten meist komplette Leistungspakete, also einen Flug inklusive Gepäck, Flughafen-Check-in und Bordservice kaufen. Bei Ryanair herrscht aber normalerweise ein "à la carte"-Angebot, in dem jede Leistung einzeln bezahlt werden muss. Die Mischung von "à la carte" und Full Service bedeute immer Probleme, so Brützel.

Passend dazu wird die polnische Charter-Tochter Ryanair Sun ab Herbst als Buzz starten. Die Marke Buzz besitzen die Iren seit der Übernahme des gleichnamigen Billigfliegers im Jahr 2003. Buzz wird Charter- und Linienflüge für Ryanair durchführen.

Tarifrechtliche Hintergründe

Der irische Low-Coster ist für einen rauen Umgang mit Arbeitnehmern und deren Rechten bekannt, beispielsweise mit "Pay-to-Fly"-Modellen für First Officer. Laut Brützel geht es bei allen Auslandsgründungen daher auch darum, einen Konzerntarifvertrag zu vermeiden.

Dieser würde sich am Ende am größten gemeinsamen Vielfachen der nationalen Gewerkschaften und Arbeitsgesetzgebung orientieren.

Spekulationen zu Hub nach Afrika

Und zu guter Letzt könnte Ryanair auch darüber nachdenken, Umsteigerverkehr Richtung Afrika über Malta laufen zu lassen. Die sei zwar derzeit nur eine Spekulation, so Brützel, allerdings könne Ryanair auf diese Weise in einer Nische einen Fuß in die Türe des Netz-Carrier-Models bekommen. Malta würde an einem solchen Modell und an Verkehrsrechten nach Afrika ein nationales Interesse haben, was die Beteiligung des Staates erklären könne.

In der "Times of Malta" wurde ebenfalls über die Positionierung des Inselstaates als Luftfahrtdrehkreuz spekuliert. Die Regierung wolle das Land von einer Urlaubs- zu einer Transitdestination machen.

Aber auch politische Gründe führen bei Ryanair zu einer weiteren Aufsplittung. Die britische Ryanair UK musste der Billigflieger vor dem Hintergrund drohender Flugverbote für EU-Airlines von und nach sowie innerhalb Großbritanniens im Zuge des Brexits gründen.

Von: hr

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