airliners.de Logo

Ryanair stellt sich auf weitere Verzögerungen der 737 Max ein

Europas größter Billigflieger Ryanair könnte erst im Spätsommer 2020 die ersten Boeing 737 Max bekommen. Airline-Chef Michael O'Leary rechnet mit Mehrkosten von 100 Millionen Euro pro Jahr.

Visualisierung einer Boeing 737-Max-200 der Ryanair © Ryanair

Durch weitere Verzögerungen bei der Wiederzulassung der Boeing 737 Max in Europa könnte Großkunde Ryanair bis zum Anfang der kommenden Sommersaison keine einzige Maschine erhalten. Das sagte Airline-Boss Micheal O'Leary gegenüber "Reuters". Sein Unternehmen rechne mit Mehrkosten durch den Ausfall der Boeing 737 Max in Höhe von 100 Millionen Euro pro Jahr.

Ryanair wolle jedoch, sofern es möglich sei, fünf bis 20 Flugzeuge im Mai oder Juni, also vor der Sommersaison, übernehmen. Dann könne man Erfahrungen mit dem Muster sammeln, so O'Leary gegenüber "Flight Global". Während der Hochsaison will der CEO jedoch keine Auslieferungen annehmen: "Das ist einer der Gründe, warum wir Boeing sagen, dass wir im Juli und August keine Flugzeuge nehmen – wir sind zu beschäftigt."

In Europa dauert's länger

Man wolle sich nun Mitte Januar mit Boeing treffen, so O'Leary. "Wir gehen davon aus, dass die Max Anfang Januar wieder fliegen wird, vor allem in Nordamerika." In Europa wird es nach Ansicht des Chefs des größten europäischen Billigfliegers hingegen länger dauern. Bei der europäischen Luftfahrtbehörde Easa sieht O'Leary einen gewisse Unmut. Es könne daher zu Verzögerungen kommen, die Behörde ziere sich ein wenig.

Ryanair hatte bereits in der vergangenen Woche die Passagierprognose für das laufende Geschäftsjahr von 157 auf 156 Millionen Passagiere gesenkt, nachdem diese im November schon von 162 um fünf Millionen gesenkt wurde. Der Flugplan für den kommenden Sommer wurde nur noch mit zehn verfügbaren Boeing 737 Max geplant. Zuvor war die Airline von 20 Maschinen ausgegangen.

O'Leary rechnet nun damit, dass die Flugzeuge bis April oder Mai am Boden bleiben. Zur Präsentation der Halbjahreszahlen im November war Ryanair noch davon ausgegangen, dass die 737 Max im vierten Quartal wieder in die Luft kommt und die Airline die ersten Maschinen im März entgegennehmen könnte.

Keine Info für die Passagiere

Unterdessen wurde bekannt, dass Ryanair seinen Passagieren nicht mitteilen will, ob ein Flug mit einer 737 Max oder einer 737-800 durchgeführt wird. Wie "Flight Global" berichtet, sehe das Buchungssystem nicht vor, dass die Flugreisenden darüber informiert werden, in welchem Flugzeug sie fliegen werden.

Michael O'Leary sieht darin auch keinerlei Problem. Passagiere würden das neue Flugzeug lieben, da es leiser sei, mehr Platz biete und über eine bessere Kabine verfüge. Diejenigen, die sich erkundigen, ob ein Flug mit einer Max durchgeführt werden, würden sowieso nicht damit fliegen wollen. Für alle anderen werde das aber kein Faktor sein.

Der Ryanair-Chef geht davon aus, dass das Vertrauen in das Muster schnell wiederhergestellt sein wird, sobald es wieder fliegt. Die Max werde der am besten untersuchte und regulierte Jet der Geschichte sein und nach Indienststellung im täglichen Einsatz schnell tausende Flugstunden sammeln. Damit werde das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückkommen.

Ryanair ist Europas größter Betreiber der 737 und hat inklusive der Töchter Buzz und Malta Air rund 450 Flugzeuge der Version 737-800 in der Flotte. Von der spritsparenden Neuauflage hat die Ryanair-Gruppe 135 Maschinen fest bestellt und weiter 75 Optionen gezeichnet. Sobald das Grounding aufgehoben wird, könnte die Wahrscheinlichkeit, in einer Max durch Europa geflogen zu werden, für Ryanair-Passagiere also schnell ansteigen.

Basis-Schließungen wegen fehlender Max

Die Low-Cost-Airline begründete zuletzt immer wieder Basis-Schließungen und Routen-Streichungen mit den fehlenden Kapazitäten der Max. So kündigte Ryanair kürzlich an, mit Beginn des Sommerflugplans die Station in Nürnberg zu schließen. Die Iren hatten ihre dortige Basis 2016 eröffnet. Zuvor wurde Mitte Oktober mitgeteilt, dass die Hamburger Basis zum Jahresende geschlossen wird.

© Ryanair, Lesen Sie auch: Ryanair schließt Nürnberg-Basis und kürzt Angebot deutlich

Ryanair ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das zunehmend unter der Boeing-Krise leidet. Auch für den weltgrößten Reisekonzern Tui hat das Flugverbot der 737 Max erhebliche Auswirkungen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September brach der auf die Aktionäre entfallende Überschuss um rund 43 Prozent auf 416 Millionen Euro ein. Das Unternehmen gibt als einen zentralen Grund die Mehrkosten durch die Max an.

Tui-CEO Fritz Joussen richtet sich auch für das neue Geschäftsjahr 2019/2020 auf weitere Belastungen ein. In der neuen Gewinnprognose sind 130 Millionen Euro vorgesehen für den Fall, dass die 737-Max-Maschinen bis Ende April wieder abheben dürfen. Sollte das Flugverbot über die kommende Sommersaison anhalten, erwartet Joussen zusätzliche Kosten von 220 bis 270 Millionen Euro. Dabei hatte der Konzern bereits vor Monaten mit Boeing über einen finanziellen Ausgleich verhandelt. Solche Entschädigungen hat der Tui-Vorstand in seine Prognosen aber nicht eingerechnet.

© AirTeamImages.com, Jan Severijns Lesen Sie auch: Tui-Gewinn bricht wegen gegroundeter 737 Max ein

Von: hr

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Fluggesellschaften Wirtschaft Industrie Boeing 737 MAX Ryanair