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Alle Marken der Ryanair-Gruppe. © Ryanair, Boeing

Mit Ryanair, Laudamotion, Buzz und Malta Air besteht die Ryanair Group mittlerweile aus vier verschiedenen Marken. Das neue Geschäftsmodell soll Ryanair aber nicht nur zu weiterem Wachstum verhelfen, sondern auch zu höherer Profitabilität.

So verkündete Ryanair-Boss Michael O’Leary bei der Telefonkonferenz zur Vorstellung der Quartalszahlen Anfang der Woche, dass die Tochter-Airlines miteinander konkurrieren sollen. "Die Gruppenstruktur ist gut für Ryanair," so der CEO. Sie schaffe niedrigere Kosten und garantiere weiterhin niedrige Ticketpreise.

Laut Luftfahrtexperte und Aviation-Management-Professor Christoph Brützel will Ryanair neben seinem klassischen Billigflieger-Modell verstärkt Ferienflieger und Geschäftsreise-Carrier angreifen. Bei derlei hybriden Geschäftsmodellen bestehe allerdings die Gefahr, wie Air Berlin zu enden, weshalb separate Betriebe gegründet würden, die auf ihren jeweiligen Markt besser zugeschnitten sind als es eine einzelne Airline sein könnte. Daher seien unterschiedliche Kundenanforderungen und Tariffragen für die Iren die wichtigsten Treiber.

Drohkulisse durch internen Wettbewerb

Neben der Anpassung an Kundenwünsche ist der Schwenk vom großen Billigflieger mit nur einer Marke hin zu einer Airline-Gruppe aber auch dem Ausspielen der Tochtergesellschaften untereinander dienlich.

Hier ist vor allem der Tarifrechtliche Aspekt ein wichtiger Bestandteil der Neuausrichtung, denn O’Leary baut mit verschiedenen Fluggesellschaften gegenüber den Belegschaften eine Drohkulisse auf. Wenn stets die Gefahr im Raume steht, dass eine Schwester-Airline billiger sein und Strecken übernehmen könnte, wird es zumindest nicht einfacher für die Mitarbeiter, ihre Interessen durchzusetzen.

Mit dieser Taktik sieht sich derzeit die Belegschaft von Laudamotion konfrontiert. CEO Andreas Gruber schrieb in einem Mitarbeiterbrief, dass Ryanair selbst vier Flugzeuge an der Lauda-Heimatbasis Wien stationieren werde, sollten die Kosten bei der österreichischen Tochter nicht schnell sinken.

Das eigentlich bei Lauda versprochene Wachstum würde dann von der Mutter übernommen, die effizienter und zu niedrigeren Kosten fliege. In der Folge würde die Belegschaft in Österreich reduziert.

Internen Stellenausschreibungen zufolge, die airliners.de vorliegen, sucht die polnische Ryanair-Tochter Buzz derzeit sogar bereits Piloten für die Station in Wien.

© APA/dpa, Herbert PfarrhoferLesen Sie auch: Krise bei Laudamotion erzwingt massiven Sparkurs

Nach Angaben von Janis Georg Schmitt, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, seien solche Vorgehensweisen gegen die Belegschaft in der Branche durchaus üblich. Unter anderem kennen auch die Mitarbeiter bei Laudamotion dieses Spiel schon. Vor Jahren sei Air Berlin genauso vorgegangen. Damals war allerdings noch die Laudamotion-Vorgängering Niki das Druckmittel gegenüber der Stammbelegschaft.

Heute seien viele ehemalige Pilotinnen und Piloten der Air Berlin und anderer Pleite gegangener Airlines wie Germania und Small Planet bei Lauda beschäftigt. Die Drohungen des Managements, Jobs abzubauen, seien deshalb zu verurteilen.

Lauda hat ein finanzielles Problem

Dass Lauda ein finanzielles Problem hat, lässt sich indes nicht bezweifeln. Anders als Buzz in Polen, die laut Mutterkonzern bereits im zweiten Jahr profitabel operiert, muss Ryanair ihrer Tochter in Österreich in diesem Jahr nochmals bis zu 50 Millionen Euro überweisen. Das sind zwar rund 100 Millionen Euro weniger Zuschuss als im Vorjahr, langfristig ist dieses Minus für O’Leary aber nicht länger haltbar.

© Flughafen Frankfurt-Hahn, Lesen Sie auch: Ryanair-Passagierzahlen steigen, während Gewinne sinken

Allerdings kämpft Ryanair nach eigenen Angaben auch selbst mit den Kosten. Der Airline-Chef hatte Anfang der Woche gesagt, dass in den kommenden Wochen Entscheidungen zu Basen- und Personalkürzungen verkündet werden sollen. Davon werden voraussichtlich auch deutsche Standorte betroffen sein, denn hier und in Österreich ist der Wettbewerb momentan besonders hart.

Nach dem Marktaustritt von Air Berlin sieht sich Laudamotion in Wien in der Tat mit einem immer stärker werdenden Wettbewerb im Billigpreis-Segment konfrontiert. Neben der Lufthansa-Tochter Austrian haben vor Ort zudem die Billigflieger Wizz Air, Level, Eurowings und Easyjet Basen aufgebaut und zum Teil zuletzt stark erweitert. Die Passagierzahlen wachsen am Flughafen seitdem kräftig, die Preise sinken.

VC-Sprecher Schmitt bezweifelt indes die Aussagen des Ryanair-Managements. Vielmehr würde mit den fehlenden Boeing 737 Max nun eine Krise genutzt, um unliebsame Entscheidungen gegenüber der Belegschaft durchzudrücken. Gleichzeitig äußerte Schmitt die Vermutung, Ryanair könne mit Kompensationen von Boeing wegen der nicht gelieferten Flugzeuge und der deshalb ausgefallenen Umsätze rechnen.

Malta Air soll deutsche Basen betreiben

In Deutschland hatte sich Ryanair gerade mit den Gewerkschaften auf deutliche Lohnerhöhungen geeinigt. Nach den Streiks im Vorjahr geht die Umstrukturierung nun aber auch hierzulande weiter. So soll die neue Ryanair-Tochter Malta Air künftig alle deutschen Basen betreiben. Gleiches gilt für die Basen in Frankreich und Italien. Dafür sollen über 50 Maschinen, die in Frankreich, Deutschland und Italien fliegen, von Ryanair auf Malta Air umgeschrieben werden.

Für die Beschäftigten ist diese Umregistrierung im Zweifel sogar von Vorteil, denn als Arbeitnehmer bei einer maltesischen Firma können sie ihre Steuern und Sozialabgaben an ihren jeweiligen Standorten zahlen.

Zuvor mussten die deutschen Crews ihre Abgaben in Irland einreichen, da sie auf dem irischen AOC (Betreiber-Zertifikat) eingesetzt waren und Irland andere Steuergesetzgebungen hat. Zudem sind in Irland die Sozialabgaben und Unternehmenssteuern zwar für den Arbeitgeber günstig, die Einkommensteuern für die Arbeitnehmer dagegen hoch.

Die deutsche Pilotengewerkschaft gibt sich bezüglich der Verlagerung aller deutscher Ryanaor-Basen weg vom irischen AOC dennoch zurückhaltend. Man begrüße es, wenn die Zusagen eingehalten und die Abgaben tatsächlich lokal gezahlt werden könnten, heißt es. Laut VC-Sprecher Schmitt wäre ein deutsches AOC zwar im Sinne der Beschäftigten am besten. Solange die Verlagerung auf das maltesische AOC allerdings keine Verschlechterung bedeute, könne die Gewerkschaft grundsätzlich damit auskommen.

© Ryanair, Lesen Sie auch: Ryanair registriert 50 Jets bei neuer Tochtergesellschaft "Malta Air"

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