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"Ryanair wollte den Streik herbeireden", © dpa/Andreas Arnold
Markus Wahl, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). © dpa / Andreas Arnold
"Ryanair wollte den Streik herbeireden", © AirTeamImages.com/Carl Ford
Boeing 737 der Ryanair. © AirTeamImages.com / Carl Ford

Ryanair-Piloten in fünf europäischen Ländern bestreiken am Freitag den Billigflieger. Mit dabei sind auch die rund 400 deutschen Cockpit-Crews. Nach einem kurzen Warnstreik Ende vergangenen Jahres ist es der erste "richtige" Ausstand für sie. Regisseure des Ausstandes ist die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Wir erreichen VC-Vizepräsident Markus Wahl am Morgen in Frankfurt - denn ganz nebenbei muss er an diesem Freitag auch noch selbst fliegen.

Herr Wahl, ist es ein schlechtes Zeichen, dass die Piloten sich am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden dem Streit verweigern?
Markus Wahl: In Karlsruhe werden einige Flüge zum einen von sogenannten Managementpiloten, Managern mit Pilotenlizenz, übernommen und zum anderen werden auf den entsprechende Fliegern französische Piloten eingesetzt. Da es sich nur um eine Handvoll Flieger handelt, sind diese natürlich schnell besetzt und Ryanair kann das für die eigene PR ausschlachten. Ein durchschaubares Manöver.

Das ist nur eine Basis von Ryanair in Deutschland. Gestreikt wird seit drei Uhr heute Nacht noch an neun anderen. Wie laufen die Streiks an?
Auch wenn es noch ein wenig früh ist, um ein abschließendes Urteil fällen zu können, sind unsere Rückmeldungen bisher sehr gut. Bis jetzt sind wir mit dem Streikverlauf absolut zufrieden.

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Markus Wahl ist seit Ende Mai ehrenamtlicher Vizepräsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Selbst sitzt der heute 38-Jährige seit 15 Jahren im Cockpit, aktuell bei Lufthansa. Mit Streiks kennt der Langstreckenpilot sich aus, denn vor seinem jetzigen Amt war er Pressesprecher der VC und begleitete die 14 Streikrunden beim Lufthansa-Konzern.

Worauf pochen Sie bei Ryanair? Die Bezahlung steht nicht im Vordergrund …
Genau, ein noch wichtigerer Punkt sind die Arbeitsbedingungen. Ein Beispiel: Es kann nicht sein, dass Ryanair die Möglichkeit hat, Piloten von heute auf morgen ohne deren Zustimmung quer durch Europa zu versetzen. Heute ist der Heimatflughafen noch Frankfurt, in drei Tagen soll der Heimatflughafen dann zum Beispiel Lissabon sein. Wie der Pilot diesen Umzug so schnell bewerkstelligen soll, ist sein Problem. Piloten brauchen Sicherheit und Planbarkeit und sind keine Nomaden, die überall da ihre Zelte aufschlagen, wo Ryanair Geschäft vermutet. Diese Zwangsversetzungen nutzt Ryanair bisher auch dazu, Mitarbeiter unter Druck zu setzen: Wer nicht spurt, wird von heute auf morgen als Bestrafung weit weg versetzt. Das muss ein Ende haben - nicht zuletzt zum Wohle der Flugsicherheit.

Apropos wirtschaftlicher Druck: Der ist immens bei 400 Annullierungen. Warum sollte Ryanair nicht einfach alle streikenden Piloten entlassen?
Natürlich ist es denkbar, dass Ryanair viele Kollegen entlässt. Aber wer soll dann die Flugzeuge fliegen? Gut ausgebildete und professionelle Piloten werden mehr und mehr Mangelware - nicht umsonst sucht Ryanair in Südamerika und Südafrika nach Piloten, während der Airline im letzten Jahr knapp 700 Piloten davon gelaufen sind. Aber auch die Kollegen aus dem Süden rennen bei den schlechten Bedingungen der Ryanair nicht gerade die Tore ein.

© dpa, Andreas ArnoldLesen Sie auch: Ryanair wird großflächig bestreikt

Haben Sie Angst vor Repressalien, wie sie die irischen Piloten bekommen haben?
Mit ähnlichen Konsequenzen wurden auch die deutschen Ryanair-Piloten schon bedroht. Doch die Kollegen lassen sich nicht erpressen. Und auch aus meiner Sicht hat diese Erpressung wenig mit der Sozialpartnerschaft zu tun, die sich Ryanair so gerne in der Öffentlichkeit auf die Fahnen schreibt.

Das ist die Situation bei Ryanair; aber mit den Streiks an den Basen Berlin-Tegel und Düsseldorf treffen Sie auch oder vor allem Lauda Motion, die dort auf einen Ryanair-Wet-Lease setzen. Wieso lassen Sie die Airports nicht außen vor?
Bei diesem Streik wollen wir ein deutliches Zeichen setzen. Das geht natürlich umso besser, wenn auch wirklich alle Basen zum Streik aufgerufen sind - ohne Ausnahmen.

War der Streiktermin vielleicht taktisch unklug gewählt, weil Ryanair schon seit einer Woche davon ausgeht und dies in den Medien kund tut, dass auch die deutschen Piloten am 10. streiken? Nun tun Sie es wirklich und Ryanair ist vorbereitet …
Angekündigt haben wir den Streik mit einem Vorlauf von ca. 36 Stunden. Alles andere waren immer nur Behauptungen der Ryanair. Anscheinend hat man den Streik dort herbeireden wollen. Aber: Der Streik wird Ryanair treffen, egal wie gut sie vorbereitet sind. So oder so müssen Flüge gestrichen und Flugpläne umgestrickt werden. Buchungen entfallen. All das erzeugt wirtschaftlichen Druck, der bald dazu führen sollte, dass Ryanair am Verhandlungstisch ernsthaft gemeinsam mit ihren Piloten nach Lösungen sucht. Hier muss allerdings wirklicher Wille erkennbar sein, weitere heiße Luft, so wie bisher, ist mit Sicherheit keine Option, die wir mitgehen werden.

Die Eskalation in der Wortwahl war in den vergangenen Tagen ungewohnt hart - sowohl von der VC als auch von Ryanair. Wie soll man da wieder zu einer vertrauensvollen Ebene kommen?
Die Piloten hatten dem Management bereits im Dezember mit einem kurzen Warnstreik zu verstehen gegeben, dass sie sich fürs Zeitspiel nicht hergeben werden. Trotzdem hat sich Ryanair im vergangenen halben Jahr seitdem kaum bewegt. Insofern ist der Streik nun die logische und konsequente nächste Eskalationsstufe, die einzig und allein das Management zu verantworten hat. Trotzdem sind wir natürlich jederzeit zu Gesprächen bereit, allerdings muss nun endlich der Willen seitens des Managements erkennbar sein, wirklich Lösungen zu finden. Ohne das wird’s schwer.

Ohne das gibt es bei Ryanair 14 Streikrunden wie zuletzt bei Lufthansa?
Wir hoffen, dass das deutliche Zeichen jetzt reicht, um Ryanair zur Vernunft zu bringen. Sollte das nicht der Fall sein, werden wir anschließend die weiteren Optionen bewerten. Da wird es in keine Richtung Denkverbote geben.

Herr Wahl, vielen Dank für das Gespräch.

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