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Leitwerke von Flugzeugen der Ryanair © AirTeamImages.com / Bill Blanchard
Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs © dpa / Thomas Frey

Die angeblichen Ryanair-Langstreckenambitionen sorgen weiter für Aufsehen. Marketing-Chef Kenny Jacobs bekräftigte jetzt in einem airliners.de-Gespräch in Berlin die Planungen der Iren für Transatlantikverbindungen. Es sei korrekt, dass der Ryanair-Aufsichtsrat Pläne über zukünftige Langstreckenengagements diskutiert habe. Es sei aber nicht korrekt, dass dies Ryanair selbst betreffe.

Vielmehr würden die Planungen vorsehen, eine Langstreckenairline unter anderem Namen aufzubauen. In wie weit die Langstreckenflugzeuge dann lediglich unter einer anders lautenden Firmierung operieren sollen oder tatsächlich auch der Markenname am Flugzeugrumpf anders lauten würde, ließ Jacobs offen.

Die Pläne könnten in vier bis fünf Jahren umgesetzt werden. Als Ziele stünden Metropolen in Nordamerika auf der Agenda. Geplant sei ein Produkt aus Economy- sowie Premiumeconomy.

Einziges Hinderniss sei derzeit die Möglichkeit, günstig an eine ausreichend große Anzahl neuer Langstreckenflugzeuge zu kommen. "Sobald eine andere Airline einen größeren Posten bei Boeing oder Airbus storniert, ergibt sich eine Gelegenheit für uns", so Jacobs.

Gebrauchte Flugzeuge sind keine Option für uns.

Kenny Jacobs, Ryanair Chief Marketing Officer

Vor zwei Monaten hatten der "Guardian" und die "Financial Times" über die geplanten Langstreckenflüge berichtet. Der Verwaltungsrat der Billigairline habe schon zugestimmt, hieß es. "Aufgrund der Medienberichte möchten wir klarstellen, dass der Vorstand keine Transatlantik-Projekte beschlossen hat oder auch nur darüber nachdenkt", hieß es kurz darauf von Ryanair. Langstreckenflüge mit Ryanair werde es auch in Zukunft nicht geben.

Diese Aussagen würden nach wie vor stimmen, sagte Jacobs nun. Auch wenn die neu zu gründene Langstreckenairline dann eng mit Ryanair verknüpft werden soll. Vor diesem Hintergrund könnte Ryanair dann auch erstmals Umsteigeverbindungen mit ins Portfolio nehmen. Bislang hätte Ryanair vor der Komplexität zurückgeschreckt, mittlerweile sei man aber bereit, Umsteigeverkehre problemlos zu handhaben.

London-Stansted soll Drehkreuz werden

"London-Stansted würde sich hervorragend eignen, um Europa etwa mit New York zu verbinden", so Jacobs. Anders als von den etablierten europäischen Drehkreuzen gäbe es dort in Kombination mit Ryanair weit über 200 Verbindungen von und nach ganz Europa. Man plane aber auch Transatlantikverbindungen aus weiteren Ryanair-Hubs. In Deutschland würden sich dafür etwa Berlin oder auch Köln/Bonn eignen. Ryanair will hierzulande stark wachsen und Air Berlin vom Platz zwei verdrängen.

© Köln Bonn Airport, Lesen Sie auch: Ryanair beginnt Angriff auf Air Berlin schon früher

Ryanair ist nicht die erste Billigfluggesellschaft, die transatlantische Langstreckenflüge anbieten will. Norwegian fliegt bereits seit einiger Zeit zwischen Skandinavien und Nordamerika. Die komplexen Ausflaggungs-Strukturen, die die Lowcost-Airline für ihren in Dublin zugelassenen Langstreckenableger "Norwegian Air International" plant, stoßen allerdings in Norwegen und in den USA auf heftigen Widerstand.