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Ryanair Group gibt Düsseldorf auf

Ryanair schließt Ende Oktober die Basis ihrer Tochter Lauda am Flughafen Düsseldorf. Alle Flüge der Gruppe an den Airport werden gestrichen, alle Lauda-Angestellten entlassen. Schuld seien der Flughafen und die Politik.

Ein Airbus A320 von Lauda am Flughafen Düsseldorf. © Flughafen Düsseldorf

Nach dem Aus für die Stuttgarter Basis der Ryanair-Tochter Lauda, ist nun auch das Ende für das zweite deutsche Standbein in Düsseldorf beschlossen. Ryanair teilte mit, dass sämtliche Flüge der Gruppe an den größten NRW-Flughafen mit Beginn des Winterflugplans am 25. Oktober gestrichen werden. Die Schließung Düsseldorfs bedeute, dass man den Flugbetrieb in Deutschland Ende Oktober vollständig einstelle, verkündete die Airline. Grund seien die hohen Gebühren des Flughafens und eine ankündigte 30-prozentige Gebührenerhöhung des Bodendienstleisters Acconia.

Als Folge gehen in Düsseldorf 200 Arbeitsplätze beim Flugpersonal verloren. Betroffene Passagiere erhielten in den kommenden Tagen eine volle Rückerstattung, heißt es vonseiten Rynairs. Alle Lauda-Piloten sowie das Kabinenpersonal in Düsseldorf hätten heute die Mitteilung über die Schließung der Basis mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze Ende Oktober erhalten.

Lauda betreibt derzeit von Düsseldorf aus noch sieben A320 zu Zielen in Europa. Laut Daten des Portals "CH-Aviation" bietet man mit diesen in der kommenden Woche eine Kapazität von knapp über 9.000 Sitze ab Düsseldorf auf 50 Flügen an. Die Ryanair-Gruppe kommt damit auf 6,8 Prozent Marktanteil am durch die Corona-Krise derzeit arg geschrumpften Gesamtaufkommen in Düsseldorf.

Stuttgarter Crews sollten eigentlich teils nach Düsseldorf wechseln

Eigentlich sah es für die Lauda-Angestellten in Düsseldorf noch vor Kurzem so aus, als ob es weitergehe. Im Gegensatz zur Situation in Stuttgart konnten sich am Rhein offenbar mehr Angestellte in Cockpit und Kabine mit einer Lohnminderung um 20 bis 30 Prozent abfinden, die Lauda als Krisenbeitrag von ihnen verlangte. Lauda hatte im Anschluss Mitte August die Schließung der Basis in Stuttgart verkündet und dortigen Kabinen-Angestellten, die zum Lohnverzicht bereit waren, einen Wechsel nach Düsseldorf in Aussicht gestellt. Die zuständige Gewerkschaft Verdi empörte sich über die "Bestrafung kritischer Mitarbeiter".

© AirTeamImages.com/Chris Jilli, Serge Bailleul [M], Lesen Sie auch: Lauda bietet Stuttgarter Kabinen-Crews Wechsel nach Düsseldorf an

Mitte Juni wurde zudem bekannt, dass Konzernmutter Ryanair ihre österreichische Tochter in Deutschland zum Wet-Lease-Provider für Ryanair degradierte. In einer internen Mail des Lauda-Managements hieß es damals, dass der eigene Ticketverkauf an den Basen in Stuttgart und Düsseldorf zum 1. Juli eingestellt werde. Künftig solle Lauda in Deutschland nur noch Flüge für Ryanair durchführen. Begründet wurde dieser Schritt unter anderem damit, dass Deutschland Lufthansa rund neun Milliarden Staatshilfe gewähren würde.

"Steuern und Gebühren von 40 Euro pro Passagier"

Auch in der Begründung zum aktuellen Rückzug aus Düsseldorf gehen sowohl Ryanair als auch Lauda nicht auf die gescheiterten Tarifgespräche ein, sondern führen die Gebührenpolitik des Flughafens und die Staatshilfen für Lufthansa als Auslöser der Entscheidung an.

Überhöhte monopolartige Flughafengebühren in Düsseldorf und eine jüngste Forderung des Abfertigungsanbieters Acciona nach einer sofortigen Preiserhöhung um 30 Prozent mitten in der Covid-19-Krise ließen keine andere Wahl, teilte die Gruppe mit. Der daraus entstehende dramatische Kostenanstieg, die sich zu der erhöhten deutschen Luftverkehrsabgabe und einer - unterstellten - Wettbewerbsverzerrung zugunsten Lufthansas durch die deutschen Staatshilfen gesellen, machten es unmöglich, in diesem Winter in Düsseldorf rentabel arbeiten zu können.

Ein Flughafensprecher betonte, Ryanair habe "drastische Nachlässe" bei den Flughafenentgelten gefordert. "Diesem Wunsch konnten wir nicht nachkommen, da es sich nicht um frei verhandelbare Preise, sondern um behördlich festgesetzte Entgelte handelt", die bei allen Airlines zur Anwendung kämen.

"Weder Ryanair noch Laudamotion können die unvermeidbaren Verluste tragen, die in diesem Winter in Düsseldorf entstehen werden, wo Gebühren und Steuern mehr als 40 Eurp pro abfliegenden Passagier betragen", beklagt hingegen Jason McGuinness, Commercial Director bei Ryanair. "Wir überprüfen derzeit unseren Flugplan für den Winter 2020 und verhandeln mit den Flughäfen über wichtige Preisnachlässe, um niedrigere Tarife finanzieren zu können, die notwendig sind, damit Ryanair während der Covid-19-Pandemie weiterhin Menschen durch Europa fliegen kann." Man bedauere den Verlust der Arbeitsplätze.

Von: dk

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