Ryanair fordert höhere Luftverkehrsteuer nachträglich ein

Mit der kurzfristigen Erhöhung der Luftverkehrsteuer zum April bleiben Fluggesellschaften auf den Mehrkosten für eine Million frühzeitig gebuchte Tickets sitzen. Ryanair will das nicht akzeptieren und fordert jetzt die Steuer-Differenz von den betroffenen Kunden nach.

Passagiere boarden eine Ryanair-Maschine © dpa / Andreas Arnold

Fluggesellschaften in Deutschland haben mit der kurzfristigen Erhöhung der Luftverkehrsteuer ein neues Problem. Alle Tickets, die bereits vor dem Beschluss der Bundesregierung im November für Flüge ab dem 1. April ausgestellt wurden, sind mit einem zu geringen Steuersatz verkauft worden. Da die Steuer erst mit Abflug fällig wird, müssen Fluggesellschaften bei diesen Tickets nun deutlich höhere Steuern abführen.

Das will Ryanair nicht auf sich sitzen lassen. Die Fluggesellschaft kontaktiert derzeit Passagiere und fordert sie zur Nachzahlung auf, wie der MDR berichtet. In einer E-Mail würden Kunden mit entsprechenden Buchungen zur Nachzahlung der Differenzbeträge aufgefordert. "Andernfalls werden Sie nicht in der Lage sein, für Ihren Flug einzuchecken", heißt es in den Anschreiben.

Laut MDR ist das Vorgehen aufgrund einer speziellen Klausel in der AGB des Billigfliegers rechtens, wenn auch Verbraucherschützer ihren Unmut über die Nachforderungen äußern.

Über eine Million Tickets mit zu geringen Steuersätzen

Auf airliners.de-Nachfrage bestätigten die deutschen Fluggesellschaften im Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), dass sie keine Nachforderungen stellen würden. Wie hoch der Schaden sei, könne noch nicht genau beziffert werden, hieß es. Insgesamt seien weit über eine Million Tickets mit zu geringer Steuerbelastung ausgestellt worden.

Auch Easyjet bestätigte gegenüber airliners.de, von Nachforderungen abzusehen. Angaben über den Umfang und die Kosten aus den zu geringen Steuersätzen bei Frühbuchertickets wollte eine Sprecherin nicht machen.

Die Steuern auf Flugtickets steigen zum April. Die Luftverkehrsteuer für Flüge im Inland und in EU-Staaten wird dann um mehr als fünf Euro auf 13,03 Euro pro Ticket angehoben. Für längere Flüge bis 6000 Kilometer werden dann 33,01 Euro und somit knapp zehn Euro mehr fällig. Bei noch weiteren Flügen werden 59,43 Euro pro Ticket berechnet, etwa 18 Euro mehr als bislang. Das Gesamtaufkommen aus der Steuer soll von 1,2 auf fast zwei Milliarden Euro steigen.

Der straffe Zeitplan der Regierung hatte dabei für Ärger bei den Lobby-Organisationen gesorgt. Sie hatten diesmal nur sehr wenig Zeit für die im Gesetzgebungsprozess vorgesehenen Konsultationen und Kommentierungen der Kabinettsvorlage.

Neben den Verbänden der Luftverkehrswirtschaft hatte auch der Deutsche Reiseverband bereits im Laufe der Diskussion um die neuen Steuersätze eine Änderung des Gesetzentwurfs gefordert, um rückwirkende Besteuerungen auszuschließen. Die Reiseveranstalter könnten diese nachträglich nicht mehr auf die Kunden umlegen.

© BMU, Thomas Koehler Lesen Sie auch: Bundestag nickt höhere Luftverkehrsteuer ab

Verärgerung herrscht auch über die geplante Verwendung der zusätzlichen Einnahmen. Der Großteil soll für eine Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Bahntickets verwendet werden. Erste Ankündigungen aus der Politik im Frühjahr und Sommer sahen noch die Verwendung der Einnahmen für die Erforschung und Markteinführung strombasierter Kraftstoffe vor.

Von: dh

Lesen Sie jetzt
Themen
Ryanair Recht Rahmenbedingungen Politik Luftverkehrsteuer Marketing Management Fluggesellschaften