Analyse Ryanair bezahlt im EU-Emissionshandel mehr als alle anderen Airline-Gruppen

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Die Ryanair Group musste im vergangenen Jahr am meisten für die Emissionen im EU-ETS bezahlen. Das liegt nicht nur an der Größe. Denn der Anteil der kostenlosen Zertifikate ist je Airline sehr unterschiedlich. Ein Überblick zu den großen Gruppen.

Flugzeuge der irischen Airline Ryanair © dpa / Marcel Kusch

Über eine halbe Milliarde Euro mussten die Fluggesellschaften in Europa im vergangenen Jahr für Zertifikate im EU-Emissionshandel (EU-ETS) ausgeben. Drei Viertel davon entfallen nach airliners.de-Berechnungen auf die großen europäischen Airline-Gruppen.

Noch vor der Lufthansa Group mit 80 Millionen Euro Kosten ist die Airlingruppe mit den höchsten Zahlungen im EU-ETS die Ryanair Group. Rund 85 Millionen Euro bezahlten die Iren und ihre Tochter Laudamotion im vergangenen Jahr für Emissionszertifikate.

Von den rund 5,6 Millionen an den Emissionshandelsbörsen zugekauften Zertifikaten entfallen 5,2 Millionen auf Ryanair selbst. Die österreichische Tochter Lauda musste knapp 400.000 Zertifikate erwerben. Ryanair Sun (Buzz) und auch die neueste Tochter Malta Air sind in der aktuellsten Ausweisung für 2018 noch nicht enthalten.

Die dritthöchsten Kosten hatte 2018 die International Airline Group (IAG), gefolgt von der Easyjet Gruppe und Air France/KLM, die jeweils rund 50 Millionen Euro für den Zukauf von Emissionszertifikaten bezahlen mussten.

Emissionen und Zertifikats-Zukäufe im EU-ETS
Gruppe Emissionen 2018 davon Zukauf Kosten in Mio. €
Ryanair Group 10.258.044 55% 84,7
Lufthansa Group 8.570.750 62% 79,6
International Airline Group 6.965.848 49% 51,4
Easyjet Group 6.321.813 52% 49,4
Air France/KLM 5.882.828 53% 46,6
Norwegian Gruppe 2.782.002 70% 29,4
Wizz Air Group 2.349.909 69% 24,2
Scandinavian Airlines System 2.466.820 48% 17,9
Tui Airline-Group 1.757.922 32% 8,5
Thomas Cook Gruppe 1.116.856 32% 5,3
Die Zertifikatzukäufe ausgewählter Airline-Gruppen im Rahmen des EU-Emissionshandels und die Kosten dafür bei einem Durchschnittspreis von 15 Euro pro Zertifikat im Berichtszeitraum 2018. Ohne eventuelle Zukäufe aus EUAA-Versteigerungen. Quelle: EU-ETS, EXX

Die unter der Marke Norwegian fliegenden Airlines kauften Zertifikate für knapp 30 Millionen Euro, Wizz Air gab laut den Berechnungen auf Basis der EU-Daten im vergangenen Jahr rund 25 Millionen Euro für ETS-Zertifikate aus.

Als Einzelairline mit den höchsten Zukäufen im europäischen Emissionshandel haben wir auch SAS mit in die Liste der Airline-Gruppen aufgenommen. Die Skandinavier, die mittlerweile als eine Fluggesellschaft operieren, kauften 2018 Emissionsrechte für knapp 18 Millionen Euro.

Die Fluggesellschaften der großen europäischen Tourismuskonzerne Tui und Thomas Cook kommen auf acht beziehungsweise drei Millionen Euro. Die zwei Airline-Gruppen müssen aber auch nur rund ein Drittel ihrer Emissionen durch Zertifikatszukäufe decken.

Das liegt aber nicht nur an den unterschiedlichen Wachstumsraten sondern am System der Zuteilung kostenloser Zertifikate im EU-ETS.

Neue Airlines bekommen keine Zertifikate umsonst

Während nämlich alteingesessene Fluggesellschaften bis heute kostenlose Zertifikats-Allokationen auf Basis eines Referenzzeitraums vor 15 Jahren erhalten, müssen Neugründungen Zertifikate für alle ihre Emissionen dazu kaufen.

In der Folge decken Norwegian und Wizz Air jeweils satte 70 Prozent ihrer Emissionen mit zugekauften Zertifikaten, denn nicht alle Einzelairlines der Gruppen existierten bereits vor dem Start des EU-ETS.

Bei Ryanair fallen dagegen nur 55 Prozent der Zertifikate kostenpflichtig an, wobei auch die durch den Einstieg von Ryanair deutlich gewachsene ehemalige Bedarfsfluggesellschaft Laudamotion mittlerweile ihre Emissionsertifikate zu annähernd 100 Prozent zukaufen muss.

Aber auch der Lufthansa-Konzern muss zukaufen. Für Eurowings fallen aktuell fast genauso hohe Kosten an wie für die Lufthansa-Passage-Airline, obwohl der Billigflieger nur halb so viele innereuropäische Emissionen verursacht.

Das liegt daran, dass es Eurowings im EU-Erhebungszeitraum für die Verteilung der kostenlosen Zertifikate noch nicht gab und sämtliche Zertifikate gekauft werden müssen. Der Anteil der Emissionszertifikat-Zukäufe in der Lufthansa Group liegt in der Folge bei insgesamt rund 62 Prozent und somit deutlich über dem Durchschnitt.

© Adobe Stock 186565804, alfexe Lesen Sie auch: So bezahlen die Fluggesellschaften für den EU-Emissionshandel Hintergrund

Im Durchschnitt beziehen die betrachteten Konzerne mittlerweile weniger als die Hälfte ihrer Zertifikate kostenlos. Den Rest kaufen Sie an den Börsen hinzu. Der Anteil von 55 Prozent Zukauf entspricht im Übrigen auch dem Gesamtdurchschnitt aller Flugzeugbetreiber im EU-ETS.

Durch die hohen Zukäufe im EU-Emissionshandelssystem kompensieren die Fluggesellschaften die Klimafolgen ihres Wachstums. Das funktioniert, indem die Airlines Betreibern in anderen Sektoren deren nicht mehr gebrauchte Zertifikate abkaufen.

Emissionen der Top-5-Airlinegruppen im EU ETS
Jahr Ryanair Group Lufthansa Group International Airline Group Easyjet Group Air France/KLM Weitere
Emissionen 2013 6614091 6634299 5502973 4457689 5260609 19486325
Emissionen 2014 6645285 6683299 5791373 4642630 5158950 20494313
Emissionen 2015 7406227 6832181 6217241 4925429 5247274 21765374
Emissionen 2016 8446770 7030404 6585641 5306113 5523652 23736131
Emissionen 2017 9254289 7672414 6635806 5694905 5791070 25535940
Emissionen 2018 10258044 8570750 6965848 6321813 5882828 27284225

Die Gesamtemissionen der Fluggesellschaften im EU-ETS steigt. Hier der Verlauf über die aktuelle Handelsperiode. Quelle: EU-ETS

Anders als in der Luftfahrt ist es nämlich im Kraftwerkssektor oder in der Schwerindustrie bereits technisch möglich, kostengünstig Emissionen einzusparen. Insgesamt sinken so die Emissionen im Handelssystem sogar deutlich, obwohl der Luftverkehr zuletzt weiter zunahm (s. Grafik oben).

Gesamtemissionen EU-ETS und Anteil Luftfahrt
Jahr Sonstige Sektoren Sektor Luftfahrt
2013 1908 53
2014 1814 55
2015 1803 57
2016 1750 61
2017 1755 64
2018 1602 62

Die Anteile der Gesamt-Zertifikate im EU-Emissionshandel im Sektor Luftfahrt sowie in allen sonstigen Sektoren in Millionen Tonnen CO2 in Phase 3 des EU-ETS.Quelle: EU-ETS

Da die maximal zulässigen Gesamtemissionen im EU-ETS zudem von Jahr zu Jahr sinken, steigt der durchschnittliche Preis für Zertifikate aktuell stark an. Waren es im Jahr 2018 noch durchschnittlich 15 Euro, müssen Betreiber aktuell rund zehn Euro mehr pro Zertifikat entrichten. Ein Zertifikat entspricht dabei einer Tonne CO2-Emissionen.

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: So funktioniert der EU-Emissionshandel Hintergrund

Von: dh

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